Vier Fragen zum zu hohen Zuckerkonsum

Frankfurt/Oder (dpa) – Manche Menschen lieben es süß. Ketchup hier, Limo da, noch etwas Zucker auf die Eierkuchen. Vieles davon ist einfach Gewöhnung, meint Ernährungsexpertin Corola Claunitzer.

Den Zuckerkonsum sollte man langsam reduzieren, rät Ernährungsexpertin Carola Clausnitzer. Foto:  Foto: André Wagenzik/Verbraucherzentrale Brandenburg (VZB)/dpa-tmn

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Den Zuckerkonsum sollte man langsam reduzieren, rät Ernährungsexpertin Carola Clausnitzer. Foto: Foto: André Wagenzik/Verbraucherzentrale Brandenburg (VZB)/dpa-tmn

Jeder weiß, dass Zucker nur in Maßen gegessen werden sollte. Doch im Alltag vergessen wir das allzu oft. Ein Grund dafür ist, dass sich unsere Geschmacksnerven häufig an das Süße gewöhnt haben. Das führt dazu, dass wir noch mehr davon essen. Warum das so ist und wie wir gegensteuern können, erklärt die Ernährungsexpertin Carola Clausnitzer von der Verbraucherzentrale Brandenburg im Interview mit Tom Nebe.

BT: Frau Clausnitzer, gewöhnen sich unsere Geschmacksnerven an Süßes und wenn ja, was bedeutet das für unser Essverhalten?
Carola Clausnitzer: Ja, leider gibt es diesen Gewöhnungseffekt. Wir Deutschen haben einen sehr hohen Zuckerkonsum, im Schnitt 100 Gramm pro Tag. Nur für den Vergleich: Die Weltgesundheitsorganisation WHO sieht 25 Gramm pro Tag als Obergrenze. Die Reizschwelle für Süßes erhöht sich, je mehr Süßes wir essen - wodurch wir immer mehr Zucker zu uns nehmen. Ein Beispiel ist fertiger Fruchtjoghurt: Der ist oft so süß, dass uns normaler Naturjoghurt mit Früchten drin gar nicht mehr schmeckt, weil uns der industriell gefertigte Joghurt so sehr geprägt hat. Zucker liefert keine Vitamine und keine Ballaststoffe. Er ist ein leerer Kalorienträger. Wenn wir dauerhaft zu viel davon essen, steigt etwa das Risiko für Übergewicht oder Diabetes Typ 2. Zudem ist übermäßiger Konsum schädlich für die Zähne.

BT: Sorgt nur Zucker für diesen Gewöhnungseffekt - oder auch Süßstoffe?
Clausnitzer: Süßungsmittel wie Xylit oder Erythrit fördern ebenfalls die Vorliebe für süßes Essen. Deshalb sind wir auch ihnen gegenüber kritisch. Wobei sie gegenüber Zucker Vorteile haben: Sie liefern weniger Kalorien und machen die Zähne nicht kaputt. Dafür reagieren viele Menschen empfindlich auf sie und bekommen zum Beispiel Blähungen.

BT: Wie trainiert man sich die Lust auf Süßes ab?
Clausnitzer: Man muss eine große Willensstärke haben. Es ist jedoch nicht empfehlenswert, von heute auf morgen komplett auf Zucker zu verzichten. Lieber langsam starten.

BT: Wie sollte man dabei vorgehen?
Clausnitzer: So kann man sich zum Beispiel gesüßte Getränke mit etwas Wasser verdünnen und den Wasseranteil nach und nach erhöhen. Fertiggerichte enthalten oft vergleichsweise viel Zucker oder Süßstoffe - deshalb ist ratsam, so oft es geht selbst zu kochen. Oder einfach mal austesten: Wie süß schmecken mir bestimmte Sachen? Vielleicht komme ich hier auch mit weniger Zucker aus. Es lohnt sich, Lebensmittel untereinander zu vergleichen: Apfelmus und Apfelmark zum Beispiel. Apfelmus ist Apfel mit Zucker gemischt. Apfelmark ist purer Apfel und enthält nur den Fruchtzucker des Apfels.

„Vier Fragen an:“ ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind. Die Beiträge der Reihe werden sonntags auf der Homepage des Badischen Tagblatts veröffentlicht.

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Erstellt:
12. September 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
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