Virenfrei dank UV-C-Strahlen

Karlsruhe (sj) – UV-Strahlung wird zur Desinfektion von Klinik- und OP-Einrichtungen genutzt. Was Tüftler in Karlsruhe jetzt probieren, ist neu: UV-C-Strahlung zur Eliminierung von Corona-Viren.

Das Design ergibt sich aus der Funktionalität: Max Mertins (rechts) und Jann Kirchberger mit dem Raumlüfter. Foto: Stefan Jehle

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Das Design ergibt sich aus der Funktionalität: Max Mertins (rechts) und Jann Kirchberger mit dem Raumlüfter. Foto: Stefan Jehle

Im September 2020 entstand die Idee – Anfang November wurde der erste Prototyp produziert. Es gibt Forschungsprojekte dazu an der Uni Tübingen, und am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Aber keine Serienfertigung an den universitären Einrichtungen.

Ultraviolette Strahlung mit Wellenlängen jenseits des von Menschen sichtbaren Lichts ist schon lange für seine „heilende“ Wirkung bekannt. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts werden die keimtötenden Effekte genutzt. Die kürzesten Wellenlängen haben bei UV-Strahlung jene des UV-C-Spektrums, sie sind gleichzeitig sehr energiereich. Die Varianten in natürlicher Sonnenstrahlung lösen gelegentlich klassischen Sonnenbrand aus.

Dr. Max Mertins, Technischer Leiter des Unternehmens „Youvee“, hatte einst Verfahrenstechnik und Architektur studiert, und in Maschinenbau promoviert. Wie sein Kollege, der Maschinenbauer Jann Kirchberger, befasste er sich zuletzt vor allem mit Projekten der Solarthermie. Von der Karlsruher Südstadt aus wurden Anlagen im Süden Italiens und in Spanien entwickelt. Ein zuletzt gestartetes Groß-Projekt in Sizilien musste gestoppt werden. „Das hat uns Corona komplett zerhauen“, erzählt Kirchberger. Die Tüftler haben also einige Erfahrung im Anlagenbau.

Das neue Thema UV-C-Strahlung lag nicht zwangsläufig nahe: Erst im September sei verstärkt die Rede gewesen von „einem Lüfter für Raumluft“, sagt Mertins. Es begann die Recherchephase. Etwa an den Hochschulen in Ulm, bekannt für „apparative Biotechnologien“. „Wir haben uns mit Theorien zur Ausbreitung von Luftströmung im Raum befasst“, erklärt Kirchberger. Aerosole driften tendenziell nach oben, aufgrund des thermischen Auftriebs. Daraus folgten Konstruktionshinweise.

99,9-prozentige Eliminierung

Kern des neuen Gerätetyps sollten zwei leistungsstarke UV-C-Leuchtstoffröhren und ein Strahlungsreflektor sein: als Desinfektionszone. Die Luft wird von oben, im Deckenbereich, angesaugt und unten gereinigt wieder ausgeblasen. Das Design des Gerätes ergab sich aus der Funktionalität, sagt Mertins. Und es verspricht Wirksamkeit: Alle Studien würden eine 99,9-prozentige Eliminierung von Viren bestätigen, versichert Kirchberger. Auch von Corona-Viren. 800 Kubikmeter Luft kann das Gerät pro Stunde umwälzen – so viel „veratmet“ ein Büro für acht Personen.

Die von einem Partnerunternehmen im Karlsruher Stadtteil Hagsfeld aus hochwertigen Edelstahloberflächen hergestellten Geräte sind von mehreren unabhängigen Instituten geprüft worden. Derzeit läuft zudem eine Untersuchung zur Wirksamkeit am Max-Planck-Institut in Mainz. Mertins versichert: „Wir sind keine Virologen, wir halten uns an wissenschaftliche Studien.“ Die Reduktion von Viren und Bakterien durch UV-C-Strahlung sei längst nachgewiesen. Und die Wahrscheinlichkeit, dass gereinigte Luft mehr Sicherheit verschaffe, erhöhe sich deutlich.

Erste Abnehmer stehen bereit

Bis Anfang Februar waren bereits 100 Stück des neuen Gerätetyps verkauft; unter anderem an Steuerberater, Architekturbüros und auch an zwei Schulen.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter bestätigt es: UV-C-Strahlung ist grundsätzlich in der Lage, Bakterien und Viren abzutöten. Das BfS benennt als hauptsächliche Einsatzgebiete die Oberflächenentkeimung, die Raumluftdesinfektion und die Wasseraufbereitung. Dabei stellt die UV-C-Strahlung für Augen und Haut des Menschen ein Risiko dar. Das wissen auch die Hersteller der 2,10 Meter hohen Youvee-Geräte – und haben eine Abschaltautomatik eingebaut.

Der neue Raumlüfter gibt keine Garantie, dass man nach Aufstellen eines solchen Geräts nicht mehr von einer Virus-Krankheit heimgesucht werde. Jeder müsse die eingeübten Abstandsregeln weiter einhalten, betont Kirchberger.

Die UV-Strahlung haben die Karlsruher Tüftler übrigens zum Bestandteil eines Wortspiels gemacht: Die Buchstaben U und V wurden zum Firmennamen „You-Vee“, auf Englisch ausgesprochen.

Ihr Autor

Stefan Jehle

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Erstellt:
17. Februar 2021, 07:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 39sec

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