Virtuelle Brille soll Durchblick bringen

Gaggenau (BNN) – Die Schüler der Carl-Benz-Schule Gaggenau sollen mit einer VR-Brille lernen, wie E-Autos funktionieren.

Virtuelle Realität: Mit einer VR-Brille sollen die Schüler der Carl-Benz-Schule Gaggenau demnächst Inhalte über E-Autos lernen. Pascal Kohler, Bajram Mashollaj und André Krämer führen vor, wie das aussehen könnte. Foto: Marie Orphal/BNN

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Virtuelle Realität: Mit einer VR-Brille sollen die Schüler der Carl-Benz-Schule Gaggenau demnächst Inhalte über E-Autos lernen. Pascal Kohler, Bajram Mashollaj und André Krämer führen vor, wie das aussehen könnte. Foto: Marie Orphal/BNN

Pascal Kohler streift die VR-Brille über den Kopf. Der 17-Jährige lässt den Blick über die Motorhaube eines Hybridautos schweifen. Noch sieht er: nichts. Das soll sich bald ändern. Die Carl-Benz-Schule will in ihrem Hochvoltlabor eine virtuelle Lehrumgebung schaffen.

In dem Labor tüfteln die Schüler an Fahrzeugen mit Elektro- und Hybridantrieb. Wenn sie sich mit der Virtual-Reality-Brille dort umschauen, sollen künftig Buttons aufploppen, Infotexte und Videoclips erscheinen. Noch ist das Projekt „FuturE“ Zukunftsmusik. Für ihre Projektidee hat die Carl-Benz-Schule jetzt einen Preis beim Schulwettbewerb Bildungspartnerschaften Digital gewonnen.

Das Projekt soll die Aufmerksamkeit auf einen ganz bestimmten Ausbildungsberuf lenken: den des Kfz-Mechatronikers mit Schwerpunkt System- und Hochvolttechnik. Dabei liegt der Fokus auf E-Mobilität.

„Der Markt verändert sich“, weiß Schulleiter Falk Hartmann. Beim Kfz-Handwerk gebe es eine Verlagerung weg vom klassischen Kfz-Mechatroniker und hin zur Spezialisierung auf System- und Hochvolttechnik. Der Trend geht also zum E-Auto.

Das Problem: Es fehlen die Azubis. „Es werden jedes Jahr weniger Bewerbungen“, klagt Andreas Haitzler. Er ist Inhaber des Autohauses Haitzler in Gernsbach. Haitzler bildet zwei bis drei Lehrlinge pro Lehrjahr aus, die die Berufsschule in Gaggenau besuchen. Der Mangel an Auszubildenden liege zum einen an der demografischen Entwicklung. Zum anderen machten viele heute lieber Abitur und studierten. Das Interesse an Handwerksberufen nehme ab.

Noch steht der Otto-Motor im Fokus

André Krämer aus Gausbach hat sich für den Beruf des Kfz-Mechatronikers mit Schwerpunkt E-Mobilität entschieden. Er ist im zweiten Lehrjahr an der Carl-Benz-Schule. Sein Ausbildungsbetrieb ist das Autohaus Haitzler. Noch liegt der Fokus auf Autos mit Otto-Motor. Im dritten Lehrjahr rücken dann die Stromer in den Vordergrund.

Dann heißt es: keine regelmäßigem Öl- und Filterwechsel mehr, kein Werkeln an Kühlsystem, Kupplung oder Katalysator, kein Austausch der Zündkerzen. Stattdessen viel Arbeit am Computer. „Das Schrauben wird fehlen“, sagt der 17-Jährige: „Aber es gibt ja immer noch genug Verbrenner.“

Eine Herausforderung bei der Arbeit mit E-Autos: Dort herrscht eine Spannung von 400 Volt. Das ist lebensgefährlich. Deshalb sollten nur Fachleute, die sich mit Hochvolttechnik auskennen, an den Fahrzeugen herumbasteln. Eine der ersten Dinge, die die Azubis lernen: Nur in spannungslosem Zustand am Auto arbeiten. Sprich: Erst das Auto ausstöpseln, dann schrauben.

Im Hochvoltlabor messen die Schüler Spannungen und Widerstände und schalten Fahrzeuge spannungsfrei. Mit der VR-Brille sollen sie künftig lernen, wie E-Autos aufgebaut sind und wie sie funktionieren. Visiert ein Schüler zum Beispiel die Motorhaube des Autos an, erscheinen Erklärtexte oder Videos zum Elektroantrieb und zur Hochvoltbatterie. Das Gleiche gilt für die Bremsen oder die Reifen.

Als Grundlage für die virtuelle Realität werde die Aufnahme einer 360-Grad-Kamera dienen. Die Inhalte sollen die Berufsschüler in den nächsten Wochen und Monaten im Unterricht erarbeiten. Die Schüler des Übergangssystems drehen und schneiden dann die zugehörigen Videos. Das Übergangssystem der Carl-Benz-Schule dient der Vorbereitung auf eine Ausbildung. Dort lernen die Schüler Inhalte aus verschiedenen Ausbildungsgängen. Auch Kfz-Mechatronik steht auf dem Stundenplan.

Im Hochvoltlabor setzt Pascal Kohler die VR-Brille ab. Der 17-Jährige besucht zurzeit das Übergangssystem. Nach der Schule hätte er am liebsten einen Bürojob. Seinen Mitschüler Bajram Mashollaj zieht es dagegen in die Werkstatt. Der 17-Jährige könnte sich vorstellen, eine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker zu machen – möglicherweise mit Schwerpunkt E-Mobilität: „Ich habe Autos schon als Kind geliebt.“

Der Wettbewerb:

Für ihre Projektidee „FuturE“ hat die Carl-Benz-Schule einen Preis beim zweiten landesweiten Schulwettbewerb Bildungspartnerschaften Digital gewonnen. Bei einer digitalen Preisverleihung zeichnete die Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) 22 Schulen aus. Außerdem vergab sie die Sonderpreise „Klimaschutz und Nachhaltigkeit“ und „Digitale Transformation“.

Das Ziel:

Der Wettbewerb soll Schulen und Unternehmen dazu animieren, durch Digitalisierung intensiver zusammenzuarbeiten. Die Siegerschulen erhalten 5.000 Euro Preisgeld, um ihre Ideen umzusetzen. Die beiden Sonderpreise sind mit je 7.500 Euro dotiert.

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