Vision Gernsbach 2035

Gernsbach (stj) – Bürgermeister Christ hat ein Stadtentwicklungskonzept vorgelegt, zudem stellt Gernsbach einen Antrag, um mit der Altstadt ins Landessanierungsprogramm zu kommen.

Blickfang von der Waldbach aus: Die Zehntscheuern. Foto: Harry Mühlberger

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Blickfang von der Waldbach aus: Die Zehntscheuern. Foto: Harry Mühlberger

Ein stimmungsvoller Sommer ist auf dem Altstadtbuckel zu Ende gegangen. Diesen wertet Bürgermeister Julian Christ als Beweis dafür, „dass unsere Altstadt lebendig ist“ und Besucher anzieht. Im Rahmen des Altstadtentwicklungsprozesses werde es nun Aufgabe sein, diese Aufwertung zu verstetigen und neue Ideen gemeinsam mit der Bürgerschaft zu entwickeln. Dafür soll als Leitfaden das Stadtentwicklungskonzept Gernsbach 2035 dienen, das Christ jetzt vorgelegt hat. Um auch die finanziellen Rahmenbedingungen zu schaffen, will die Papiermacherstadt die Altstadt zudem als neues Sanierungsgebiet ausweisen.

Das aktuelle Förderprogramm „Innenstadt Mitte II“ läuft dieses Jahr aus. Nach Abstimmung mit der Stadtentwicklung GmbH (STEG) und dem Regierungspräsidium Karlsruhe wurde die Altstadt als neues Sanierungsgebiet identifiziert. Darüber hinaus sollen quasi als Exklaven das Rathaus, das nun an gleicher Stelle modernisiert werden soll, die Brückenmühle und der Kelterplatz Teil dieses Förderprogramms werden.

„Das Stadtentwicklungskonzept fasst bestehende Pläne der Stadt Gernsbach zusammen und gibt neue Anregungen für die Zukunft“, erklärt Christ: „Es ist die Grundlage für unsere Antragstellung beim Land für weitere Fördermittel.“ Das Konzept gliedert sich in verschiedene Themenfelder und enthält eine Bestandsaufnahme. Letztere habe einige Defizite zutage gefördert, wie Gaby Pietzschmann von der STEG am Montagabend im Gemeinderat berichtete. Diese seien baulicher, räumlicher, funktionaler und struktureller Natur – und sind den Gernsbacher Bürgern natürlich keineswegs neu. Insbesondere die Verkehrsbelastung, ein Mangel an Spielplätzen, die schlechte Radwegsituation und eine stärkere Barrierefreiheit seien im Rahmen einer Online-Bürgerbefragung genannt worden. Auch die Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderats waren über Telefonkonferenzen an der Erarbeitung des Konzepts beteiligt.

Dem Bürgermeister war es wichtig zu betonen, das Thema nicht mit Vorfestlegungen anzugehen – wohlwissend, welche Emotionalität darin steckt, etwa für die Anwohner der Altstadt oder was die Verkehrsführung anbelangt. Christ verwies auf den Altstadtsommer mit der testweisen Sperrung der Hauptstraße oder die Postkartenaktion, über die sich die Bürger einbringen können. Zudem wird eine Steuerungsgruppe gebildet, die den Prozess in die richtigen Bahnen lenken soll. Sie besteht aus dem Bürgermeister, vier Gemeinderäten und fünf Bürgern – ist also paritätisch aufgestellt.

Hauptstraßen-Sperrung als Fingerzeig?

Die Vision Gernsbach 2035 richte sich nicht nur auf die Kernstadt aus, sondern berücksichtige die systematische Entwicklung von Bauland im ganzen Stadtgebiet inklusive Ortsteile sowie die Verbesserung der Nahversorgung. Als positives Beispiel nannte Christ dabei den Dorfladen in Reichental.

Alle Gemeinderatsfraktionen lobten das Stadtentwicklungskonzept, das ohne Gegenstimme verabschiedet wurde. Es sei „auch methodisch sehr überzeugend“, analysierte Volker Arntz für die SPD: „Ein ganz großer Schritt wäre die Lösung der Verkehrssituation“ in der Altstadt, denn das Konzept sieht wieder das Parkhaus auf dem Färbertorplatz vor, das auch die Freien Bürger nach wie vor für notwendig erachten, wie Uwe Meyer betonte. Beim Altstadtsommer habe sich gezeigt, welchen Reiz eine gesperrte Hauptstraße mit sich bringe, erinnerte Arntz. Dieses Beispiel könnte also ein Fingerzeig sein, denn auch Christ sehe es als langfristiges Ziel an, die Altstadt verkehrsfrei zu bekommen.

Die Grünen freuten sich insbesondere darüber, dass die Strategie auch Visionen in Sachen Klimaschutz beinhalte, etwa was die energetische Sanierung alter Bausubstanz oder eine nachhaltigere Verkehrsgestaltung betrifft. Beides müsse dann aber auch mit Leben gefüllt werden.

Dr. Irene Schneid-Horn (SPD) fragte nach Möglichkeiten, wie man private Maßnahmen von kommunaler Seite unterstützen könne. Diesbezüglich gebe es verschiedene Varianten, die noch im laufenden Prozess festgelegt werden können, erläuterte Pietzschmann. Ziel müsse es auf jeden Fall sein, mehr private Beteiligung zu generieren als dies beim Sanierungsgebiet Altstadt I der Fall war.

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Erstellt:
29. September 2020, 22:00 Uhr
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