Vision von einer „Volksbank Baden“

Baden-Baden/Karlsruhe (vo) – Vertreterversammlungen der Volksbanken Baden-Baden Rastatt und Karlsruhe sollen im Mai die Fusion beschließen

Die Volksbank Baden-Baden Rastatt – hier die Filiale in der Baden-Badener Sophienstraße – steht vor einem Zusammenschluss mit der Volksbank Karlsruhe. Foto: Zeindler-Efler

© Monika Zeindler-Efler

Die Volksbank Baden-Baden Rastatt – hier die Filiale in der Baden-Badener Sophienstraße – steht vor einem Zusammenschluss mit der Volksbank Karlsruhe. Foto: Zeindler-Efler

Die Weichen für den Zusammenschluss sind weitgehend gestellt: Die Volksbanken Baden-Baden Rastatt und Karlsruhe wollen nach erfolgreichen Verhandlungen auf Vorstandsebene bereits im kommenden Monat die angestrebte Fusion zur Volksbank Karlsruhe Baden-Baden eG formell beschließen. Am 10. und 11. Mai sind jeweils die Vertreterversammlungen terminiert.

In den vergangenen Wochen haben die Vorstände der beiden genossenschaftlichen Geldinstitute bei regionalen Informationsveranstaltungen den Vertretern das Vorhaben nahegebracht. „Es waren bislang sehr offene, aber auch sehr positive Gespräche mit den Vertretern“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Baden-Baden Rastatt, Hans Rudolf Zeisl, gestern gegenüber dem Badischen Tagblatt. „Für uns ist wichtig, den Menschen im persönlichen Gespräch zu erläutern, warum wir eine Fusion für unumgänglich halten.“

Grünes Licht für den Zusammenschluss?

Zeisl geht nach den bisherigen Erfahrungen wie sein Karlsruher Kollege Andreas Lorenz, der ähnliche Veranstaltungen durchgeführt hat, davon aus, dass die beiden Gremien grünes Licht für den Zusammenschluss geben werden. In Baden-Baden sind am 10. Mai im Kongresshaus 289 von den Voba-Mitgliedern gewählte Vertreter stimmberechtigt.

Tags darauf kommen in Karlsruhe die dortigen Entscheidungsträger zusammen. Anschließend könnte die Fusion formell rückwirkend zum 1. Januar vollzogen werden. Die Vorbereitungen dafür laufen seit Monaten auf Hochtouren. „Alle formellen Dinge sind erledigt und alle erforderlichen Fristen eingehalten“, sagt Zeisl. Dies bedingt auch, dass die Volksbank-Vertreter in einer Präsenzveranstaltung zusammenkommen müssen, um ihre Beschlüsse zu fassen. „Wir gehen davon aus, dass wir dies im Kongresshaus coronakonform durchführen können“, so Zeisl. Zusammen mit den Einladungen erhalten die Vertreter in der kommenden Woche deshalb einen Corona-Schnelltest sowie eine Schutzmaske.

Sieben Zusammenschlüsse für 2021 geplant

Hans Rudolf Zeisl, der in seiner früheren Tätigkeit, unter anderem als Chef der Volksbank Stuttgart, in Sachen Fusionen bereits Erfahrungen gesammelt hat, erwartet für die Zukunft eine zunehmende Bündelungen der Kräfte im genossenschaftlichen Bankenwesen. Momentan gibt es in Baden-Württemberg noch 159 Volks- und Raiffeisenbanken – acht weniger als vor einem Jahr. Und für 2021 sind sieben weitere Zusammenschlüsse geplant.

Es sei auch durchaus denkbar, sagt Zeisl, dass sich einer neuen Volksbank Karlsruhe Baden-Baden bald weitere Geldinstitute anschließen könnten. Er spricht in diesem Zusammenhang ganz offen von einer „Volksbank Baden“ mit entsprechender Zukunfts- und Leistungsfähigkeit. Denn der Druck vor allem auf die kleineren Geldinstitute, unter anderem aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsen, ist enorm. Härtere gesetzliche Eigenkapitalanforderungen sowie verschärfte regulatorische Vorgaben sind zusätzliche Belastungsfaktoren. Und die anhaltende Corona-Krise hat die wirtschaftliche Lage nicht gerade verbessert. „Größe hat keinen Selbstzweck. Aber Größe und wirtschaftliche Stärke sind notwendig, um auf lange Sicht für die Menschen und Unternehmen ein starker und verlässlicher Finanzpartner sein zu können“, sind sich Zeisl und Lorenz einig.

Volksbank-Chef Rudolf Zeisl. Foto: Gernsbeck/Volksbank

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Volksbank-Chef Rudolf Zeisl. Foto: Gernsbeck/Volksbank

Gleichwohl werfen Fusionen immer auch Fragen auf. Bei den aktuellen Informationsveranstaltungen betreffen sie unter anderem einen möglichen Verlust der eigenen Identität der Voba, die künftige regionale Präsenz der neuen Bank in Mittelbaden, aber auch die personellen Konsequenzen. Zeisl und Lorenz versichern, dass es weder einen Rückzug aus der Fläche, noch fusionsbedingte Kündigungen geben werde. Auch sollen die Kunden ihre bisherigen Berater oder Ansprechpartner in den Filialen weitgehend behalten.

Drittgrößte Volksbank in Baden-Württemberg

Die Volksbank Karlsruhe ist die ältere der beiden Genossenschaftsbanken (gegründet 1858, Baden-Baden Rastatt 1867) und auch die wesentlich größere. Das verdeutlicht ein Vergleich der Geschäftszahlen des vergangenen Jahres. Die Volksbank Karlsruhe hatte eine Bilanzsumme von 4,04 Milliarden Euro (Baden-Baden Rastatt: 2,37 Milliarden), ein Kreditvolumen von 2,82 Milliarden (Baden-Baden-Baden Rastatt: 1,47 Milliarden) und Gesamteinlagen von 2,87 Milliarden Euro (Baden-Baden Rastatt: 1,61 Milliarden).

Nach Angaben vom November 2020 hat die Volksbank Karlsruhe rund 48.661 Mitglieder (Baden-Baden Rastatt: 33.200), beschäftigt 473 Mitarbeiter (Baden-Baden Rastatt: 350) und betreibt 19 Filialen (Baden-Baden Rastatt: 23). Nach der Fusion würde eine Bank mit etwa 200.000 Kunden, rund 82.000 Mitgliedern, mehr als 800 Mitarbeitern, 42 Filialen und einer Bilanzsumme von nahezu 6,5 Milliarden Euro entstehen. Damit wäre sie die drittgrößte Volksbank in Baden-Württemberg (gemessen an der Bilanzsumme). An der Spitze steht die Volksbank Stuttgart mit 8,2 Milliarden Euro.

Die Mission von Hans Rudolf Zeisl, der im vergangenen Jahr nach dem überraschenden Weggang von Thomas Pörings aus dem Ruhestand heraus kurzfristig nach Baden-Baden gekommen war, endet planmäßig im Sommer. Das Amt des Vorstandsvorsitzenden der neuen Volksbank würde – darauf hat man sich bereits verständigt – der heutige Karlsruher Vorstandsvorsitzende Andreas Lorenz übernehmen. Zusammen mit Jürgen Faupel und Matthias Hümpfner (Baden-Baden Rastatt) sowie Andreas Thorwarth und Dr. Mathias Weis (Karlsruhe) würde er den fünfköpfigen Vorstand bilden.


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