Visitenkarte Gernsbachs gibt kein gutes Bild ab

Gernsbach (stj) – Der Gemeinderat diskutiert intensiv über die seit Jahrzehnten erforderliche Rathaus-Sanierung – in der Gewissheit, dass die bauliche Umsetzung nach wie vor in weiter Ferne liegt.

Desolater Zustand: Der Verwaltungssitz zwischen Igelbach- und Gottlieb-Klumpp-Straße. Foto: Veronika Gareus-Kugel

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Desolater Zustand: Der Verwaltungssitz zwischen Igelbach- und Gottlieb-Klumpp-Straße. Foto: Veronika Gareus-Kugel

Über die absolute Notwendigkeit, das Rathaus sanieren zu müssen, herrscht in der Papiermacherstadt Einigkeit. Wie lange es die Kommunalpolitik bisher versäumt hat, entsprechende Maßnahmen in die Wege zu leiten, erläuterte Albert Betting vom städtischen Bauamt mit dem Rückblick auf seinen Dienstbeginn vor 34 Jahren. Schon damals habe er gedacht: „Oh je, wie sieht das denn aus?“

An dem in vielerlei Hinsicht desolaten Zustand wird sich so schnell nichts ändern. Trotz dieser Gewissheit, hat sich der Gemeinderat am Montagabend auf eine Variante geeinigt, wie die Sanierung grob auszusehen hat. Weil Gernsbach mit dem Sanierungsgebiet Altstadt II neu in eine Förderkulisse aufgenommen worden ist, will man den veralteten Verwaltungssitz zwischen Igelbach- und Gottlieb-Klumpp-Straße als Insellage und größtes kommunales Projekt darin einbetten. Ohne Fördergelder wäre die Stadt überhaupt nicht in der Lage, diesen finanziellen Kraftakt zu stemmen. Selbst mit tatkräftiger Unterstützung des Landes wird es eine Herkulesaufgabe.

Versäumnisse der Vergangenheit

Weil diese finanziell weder im aktuellen noch im kommenden Haushaltsjahr Erwähnung findet, „ist die bauliche Umsetzung noch ein ganzes Stück weit entfernt“, stellte Bürgermeister Julian Christ fest. Es gehe darum, endlich eine Grundlage für die weitere Planung zu schaffen. Seit 1976 seien für das Rathaus kaum nennenswerte Gelder in den Haushalt eingestellt worden – weil die Prioritäten woanders gesetzt worden seien, etwa in Schwimmbäder und Hallen, erklärte Christ. Zuvor hatte CDU-Stadtrat Stefan Freundel moniert, der Zustand des Rathauses sei Ergebnis einer Politik, die nicht auf Werterhalt aufbaue. Dem gab der Bürgermeister recht und sprach von Versäumnissen der Vergangenheit, die dafür gesorgt hätten, dass der Status quo derart katastrophal ausfalle.

Bei 14 Ja- und neun Nein-Stimmen (hauptsächlich aus den Reihen der CDU) legte sich der Gemeinderat letztlich auf die Variante fest, die eine Sanierung des historischen Gebäudeteils sowie den Abbruch und Neubau des restlichen Gebäudes vorsieht. Dabei wird man den rückwärtigen Teil aus den 1970er-Jahren zurückbauen und durch einen modernen, flächenoptimierten Neubau ersetzen. Dieser orientiert sich mit seinen Geschosshöhen am historischen Altbau, wodurch die Anbindung an das historische Rathaus barrierefrei gestaltet werden kann. Auch bei dieser Variante müsste man während der Bauzeit Teile der Verwaltung auslagern (zum Beispiel in ein Provisorium).

Der Neubau am Salmenplatz habe gegenüber der Sanierung des Bestandsgebäudes den Vorteil, dass die aktuellen Bedürfnisse und Nutzeranforderungen auch flächenoptimiert umgesetzt werden können. Alle arbeitsrechtlichen (Raumhöhen, Akustik und so weiter), baurechtlichen, technischen und brandschutztechnischen Anforderungen können berücksichtigt und wirtschaftlich umgesetzt werden, zählte Albert Betting auf. Durch ein Abrücken des Gebäudes von der Grenze könne man ein zweispänniges Bürogebäude errichten, wodurch auf nahezu gleicher Grundfläche in den Obergeschossen erheblich mehr Bürofläche und somit Arbeitsplätze realisiert werden können. Im Untergeschoss des Neubaus generiert man dadurch zusätzliche Fläche, um neben dem Stadtarchiv Pkw-Stellplätze für die städtischen Dienstfahrzeuge unterzubringen. Der Grobkostenrahmen für diese Variante bewege sich bei 11,8 Millionen Euro.

Möglichst klimaneutrale Umsetzung

Den Grünen war es wichtig, die Klimabilanz des Projekts vorab in den Blick zu nehmen und mindestens KfW 40 Plus-Standards anzulegen. Das schlug sich im Beschlussantrag nieder, der mit dem Zusatz, eine möglichst klimaneutrale Umsetzung anzustreben, entsprechend angepasst wurde.

„Auf der Basis dieser Entscheidung entwickeln wir die Pläne für die Neugestaltung des Rathauses innerhalb des Sanierungsgebiets Altstadt II nun weiter. Hierbei kann es aufgrund der finanziellen Situation unserer Stadt nur um eine mittelfristige Umsetzung gehen“, erläuterte Bürgermeister Christ die nun anstehenden weiteren Schritte.

Ihr Autor

BT-Redakteur Stephan Juch

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Erstellt:
23. November 2021, 16:54 Uhr
Lesedauer:
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