Visuelle und musikalische Komposition

Karlsruhe (kie) – Nach einem Jahr im digitalen Raum kehren die Schlosslichtspiele wieder zurück ans Karlsruher Schloss. Auch Studenten der Hochschule für Musik sind in diesem Jahr beteiligt.

„Nucleus“ ist eine von insgesamt sieben Lichtshows, die bei den Schlosslichtspielen zu sehen sein wird. Foto: Patrick Borgeat

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„Nucleus“ ist eine von insgesamt sieben Lichtshows, die bei den Schlosslichtspielen zu sehen sein wird. Foto: Patrick Borgeat

Aus mehr als 1.000 nur wenige Sekunden langen Videoclips wurden am Ende drei Minuten. Drei Minuten, die in wenigen Tagen Besucher der Karlsruher Schlosslichtspiele begeistern sollen. Sie sind Teil der Lightshow „Nucleus“, die drei Studenten und vier Dozenten der Hochschule für Musik Karlsruhe (HfM) produziert haben.

„Nucleus“ und sechs weitere Projektionen – sogenannte „Projection Mappings“ – werden ab dem 18. August bis 3. Oktober auf der Fassade des Karlsruher Schlosses zu sehen sein. „Ich bin sehr gespannt auf die Reaktionen“, sagt Andres Kaufmes, neben Michael Gress und Alexander Nguyen einer der beteiligten Studenten des Bachelor-Studiengangs Musikinformatik.

Wie Dominika Szope, Leiterin der Abteilung Kommunikation und Marketing am Zentrum für Kunst und Medien (ZKM), im Rahmen eines am Mittwoch stattfindenden Pressetermins zu den Schlosslichtspielen deutlich macht, sei allen sieben Shows gemein, dass sie „das Beieinandersein in Verschiedenheit“ zum Inhalt hätten. Drei Produktionen waren bereits im vergangenen Jahr coronabedingt ausschließlich digital zu sehen. Nun folgt die Präsentation auf der realen Schloss-Fassade.

„Wir bringen Bewegung in die Stadt“

Und doch wird die Veranstaltung erneut im Zeichen der Pandemie stehen und damit auf Abstand setzen: Kürzere Zeitfenster für die einzelnen Shows – jeweils rund 45 Minuten – sollen die Verweildauer auf dem Platz vor dem Schloss einschränken. Gastronomische Angebote und Live-Veranstaltungen wird es nicht geben. Die Besucher sollen vielmehr zu einem „großen Rundgang durch die Innenstadt eingeladen“ werden, so Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup. „Wir bringen Bewegung in die Stadt“, fügt Szope an.

Das Stichwort lautet Dezentralität: Insgesamt elf Gebäude in der Innenstadt werden neben dem Schloss beleuchtet. Auch die innerstädtische Gastronomie und der Handel sollen auf diese Weise profitieren. Dass das funktioniert, zeige sich laut Mentrup an einer Studie des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr (DWIF), die festgestellt habe, dass im Jahr 2019 320.000 Schlosslichtspiele-Besucher der Stadt knapp 18 Millionen Euro Brutto-Umsatz beschert hatten. Mentrup nennt das Lichtfest deshalb „eine riesen Chance für die gesamte Innenstadt“.

Hochschule für Musik feiert 50-jähriges Bestehen

Eine Chance bieten die diesjährigen Schlosslichtspiele auch den Studierenden der HfM, die 2021 ihr 50-jähriges Bestehen feiert. Rund drei Monate habe die Produktion gedauert, erzählen Gress und Kaufmes im BT-Gespräch. Angefragt worden seien sie durch die Institutsleitung und die Leitung des Computerstudios der Hochschule; die Grundidee habe zu diesem Zeitpunkt bereits festgestanden: „Nucleus“ visualisiert das gleichnamige Werk des berühmten Karlsruher Komponisten Wolfgang Rihm, das von Musikern des Ensembles für Neue Musik der HfM eingespielt wurde.

Der studentische Anteil der Arbeit, die vom ZKM finanziert wurde, lag dabei in einer dreiminütigen „Hinführung zu dem Stück, sowohl visuell als auch musikalisch“, wie der gebürtige Plittersdorfer Gress sagt. Aus der Einspiel-Situation der Musiker heraus seien über mehrere Tage mithilfe von fünf Filmkameras Videos entstanden, die letztlich in wochenlanger Arbeit in einem Prozess der „künstlerischen Postproduktion“, wie Gress es nennt, zusammengefügt wurden. Aus diesen musikalischen wie visuellen Versatzstücken sei schließlich am Computer eine eigene Komposition entstanden – die ursprüngliche Herangehensweise für „Projection Mappings“ damit „umgedreht“ worden, erläutert Gress. „Die Musik dient oft nur zur Unterhaltung, bei uns erhält sie eine elementare Rolle“, fügt Kaufmes an.

Digitales Schloss aus 80.000 Bildern

Die Show entstand mithilfe einer entsprechenden Software am virtuellen 3D-Modell, das eigens für die digitale Version der Veranstaltung im vergangenen Jahr aus 80.000 Einzelbildern des Schlosses entwickelt wurde und auch in diesem Jahr als digitaler Ausspielort parallel zu den Schlosslichtspielen vor Ort genutzt werden soll.

Keine Erfahrung hatten beide Studenten laut eigener Aussage mit Projektionen einer solchen Größenordnung. Wie Kaufmes sagt, seien sie „unvoreingenommen drangegangen“. Vorbilder habe es auch wegen des umgedrehten Schaffensprozesses nicht gegeben. Allerdings dienten Shows aus den vergangenen Jahren dazu, bauliche Details des Schlosses wie Geländer, Stuck oder andere Verzierungen in die Produktion mit einzubeziehen. Besonders herausfordernd seien die „wahnsinnigen Datenmengen“ der Videoclips gewesen, geben beide Musikinformatik-Studenten zu bedenken.

Nun freuen sie sich umso mehr auf die Premiere ihrer Projektion am 20. August. Zuvor findet vor Ort noch eine Probe statt – die zugleich für die Studenten eine Premiere sein wird: Dann sehen sie ihr Werk nämlich zum ersten Mal an der realen Schloss-Fassade.

Michael Gress und Andres Kaufmes (von links) sind zwei von drei Studenten, die an der Produktion der Hochschule für Musik beteiligt waren. Foto: Franziska Kiedaisch

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Michael Gress und Andres Kaufmes (von links) sind zwei von drei Studenten, die an der Produktion der Hochschule für Musik beteiligt waren. Foto: Franziska Kiedaisch


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