Vocalensemble-Leiter Speck gründet Ensemble-Akademie

Karlsruhe (cl) – Holger Speck und das Vocalensemble Rastatt starten die erste Ensemble-Akademie für Studierende der Karlsruher Musikhochschule. „Ein Wahnsinnsgefühl, wieder anzufangen“, sagt Speck.

Die Sänger des Vocalensembles proben mit den Karlsruher Gesangsstudenten und coachen sie. Musikprofessor Holger Speck ist begeistert, daraus werde ein schöner, professioneller Konzertfilm.  Foto: Patrick Siegrist/Vocalensemble

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Die Sänger des Vocalensembles proben mit den Karlsruher Gesangsstudenten und coachen sie. Musikprofessor Holger Speck ist begeistert, daraus werde ein schöner, professioneller Konzertfilm. Foto: Patrick Siegrist/Vocalensemble

Im Wolfgang-Rihm-Forum der Musikhochschule Karlsruhe hat das Vocalensemble Rastatt seinen ersten Auftritt nach monatelanger Corona-Pause – zunächst allerdings bei einem Hochschulprojekt: Holger Speck, der Künstlerische Leiter des Vocalensembles und Professor für Gesang an der Hochschule, hat die erste Ensemble-Akademie gestartet, während die Pandemie gerade einen, vielleicht nur kurzen sommerlichen Rückzug angetreten hat. „Es ist ein Wahnsinnsgefühl, jetzt endlich wieder anzufangen – auch das Gefühl, dass man Studierende mit Profis zusammenbringt und wieder gemeinsam arbeitet, ist wunderbar“, freut sich Holger Speck im BT-Gespräch. Die erste Ensemble-Akademie des Vocalensembles Rastatt in Kooperation mit der Musikhochschule wird von der Baden-Württemberg-Stiftung gefördert.

Die Akademie für Studierende der Chormusik in Karlsruhe läuft bis Samstag, 3. Juli, täglich von zehn bis 17 Uhr, vormittags gibt es Fachreferate aus dem Bereich der Chorszene, nachmittags finden Gesangsproben statt. Gestern Vormittag war eine Redakteurin des SWR-Vocalensembles Stuttgart zu Gast und hat den Bereich der Neuen Musik vorgestellt, den der Rundfunkchor besonders pflegt. Heute ist der Chordirektor der Staatsoper München, Stellario Fagone, in Karlsruhe, um über Castings bei den Chören zu sprechen, auch dieses Thema ist kein Studienfach.

„Wir wollen den Bereich des professionellen Chorsingens an der Hochschule von Profis beleuchten lassen“, erklärt Speck – damit die Studierenden Einblicke in ihren späteren Beruf erhalten. Das sei der Sinn der Akademie. „Eine Hochschule hat ja nicht immer für alles Experten, in dieser Woche kann man das bündeln.“ Die Profi-Sänger des Vocalensembles proben mit den Studierenden nachmittags auch einzeln und coachen sie. „Das macht Riesenspaß, viele der Sänger des Vocalensembles unterrichten auch privat.“ Beteiligt sind Erstsemester, genauso wie Sänger, die vor ihrer Masterprüfung stehen oder die bereits Erfahrungen in Profi-Ensembles gemacht haben.

Konzertfilm unter dem Motto „Sommer.Nacht.Traum“ entsteht

Das Projekt steht unter dem Motto „Sommer.Nacht.Traum“ mit einem atmosphärischen Bogen, in dem unter anderem die „Sommernachtstraum“-Musik von Mendelssohn Bartholdy vertreten ist, Chormusik von Brahms, auch von Schubert. Am kommenden Samstagabend sollte sich eigentlich das Konzert anschließen, daraus wird jetzt eine Videoprojektion, die ins Netz gestellt wird, weil das Rihm-Forum an diesem Wochenende noch nicht für so viele Zuschauer geöffnet werden kann. Der Videofilm wird vom Institut für Musikjournalismus, Radio, TV und Internet der Musikhochschule produziert.

„Wir machen die Produktion im Wolfgang-Rihm-Forum, der große Saal hier mit Klimaanlage und allem drum und dran – und das sind dann am Ende 30 Sänger, die in einem großen Kreis mit Abstand aufgestellt werden – alles coronakonform“, so Speck; hinzu kommen das Bläserensemble der Musikhochschule, eine Pianistin und eine Sprecherin. „Das wird eine schöne, professionell gemachte Produktion“, so Speck – so ein Film habe immerhin auch einen Nachhaltigkeitswert, ein Konzert sei schnell vorbei. Der Gesangsprofessor hofft, „dass es jetzt das letzte Semester ist, in dem wir mit angezogener Handbremse fahren müssen wegen Corona.“ Die Hochschule habe zwar jetzt schon viel mehr Präsenzunterricht, aber immer noch die Test-Reglements. Die Hygienebedingungen sind nach wie vor hoch.

Die erste gemeinsame Probe der Chorstudenten mit Mitgliedern des Vocalensembles sei bereits sehr gut gelaufen. „Ich hatte mit den Studierenden schon vorgearbeitet, war aber dennoch erstaunt bei der ersten Gesamtprobe: Es war wie, wenn man da weitermacht, wo man aufgehört hat. Die Leute waren super in Form.“ Auch der gewohnte gemeinsame Klang mit seinem eigenen Ensemble, mit dessen Sängern er sich seit Monaten nicht getroffen habe, sei relativ schnell wieder erreicht worden, so Speck. „Man scheint, es nicht so schnell zu vergessen, ein bisschen wie beim Radfahren.“

Speck: „Spekuliere auf eine Fortsetzung der Akademie“

Holger Speck hofft, dass die große organisatorische Arbeit für ihn, das Vocalensemble und alle Beteiligten an der Hochschule am Ende von Erfolg gekrönt sein wird – der auch ein pädagogischer Erfolg wäre, dass die Studenten dabei von der Zusammenarbeit mit den Profis profitieren und viel lernen. „Es ist auch unsere Aufgabe als institutionelles Ensemble, pädagogisch wirksam zu sein, wenn das so gesehen wird, sowohl von der Hochschule als auch von uns, soll es eine Fortsetzung geben“, formuliert Speck vorsichtig. „Ich spekuliere auf eine Fortsetzung der Akademie, vielleicht nicht im nächsten Semester“, so Speck, aber alle zwei, drei Semester eine wäre wohl gut.

Wenn die Inzidenzen weiter niedrig bleiben, kann das Vocalensemble Rastatt bald wieder öffentlich auftreten: Die Konzertreihe „Klingende Residenz“ wird am 24. Juli in Rastatt fortgesetzt, allerdings nicht wie gewohnt im Ahnensaal – er ist zu klein –, sondern in der Badner Halle. Einen Tag vorher zeichnet der SWR das Konzert mit der Rarität, der Schauspielmusik zu „Goethes Faust“ von Conradin Kreutzer, auf. Auch am 3. Oktober, dem „Tag der Deutschen Einheit“, singt das Vocalensemble in Rastatt. Das ausgefallene Beethovenkonzert in Bremen wird laut Speck nächstes Jahr nachgeholt, und auch der Auftritt mit Pianist Igor Levit beim Heidelberger Frühling, der eigentlich den Neustart des Chores in diesem Jahr markieren sollte, ist für den 31. März 2022 eingeplant.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Christiane Lenhardt

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Erstellt:
1. Juli 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 34sec

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