Vogelauffangstation Fingermann plant Neustart

Rastatt (dm) – Kevin Fingermann will weitermachen: Nach dem behördlich verhängten Aufnahmestopp für Haus- und Wildvögel wollen die Vogelstation und der NABU dem Landratsamt ein Konzept vorlegen.

Wollen sich auch künftig im Vogelschutz engagieren: NABU-Vorsitzender Karl-Ludwig Matt, Kevin Fingermann, Nikolas Rheinboldt und Pierre Fingermann (von links). Foto: Daniel Melcher

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Wollen sich auch künftig im Vogelschutz engagieren: NABU-Vorsitzender Karl-Ludwig Matt, Kevin Fingermann, Nikolas Rheinboldt und Pierre Fingermann (von links). Foto: Daniel Melcher

Am Haus der Familie Fingermann prangt das Schild „Wildvogelauffangstation“, und wer sich der Eingangstür nähert, hört bereits Piepmätze zwitschern. Alles scheint wie immer. Ist es aber nicht. Seit das Landratsamt seinen befristeten Aufnahmestopp für Wild- und Hausvögel ausgesprochen hat, kommen dort keine neuen, verletzten Tiere mehr in Obhut. Kevin Fingermann hat die vergangene Woche genutzt, um sich Gedanken über die Zukunft zu machen. Sein Entschluss: Weitermachen, einen Neustart planen. Auch der NABU unterstützt ihn dabei.
„Spätestens in sieben Monaten“ – bis Ende Juli gilt der Aufnahmestopp – „wollen wir wieder aufmachen“, sagt der Vogelretter. „Wir“, das ist der Verein Wildvogelstation, in der Kevins Großvater Pierre Fingermann weiter Vorsitzender bleibt, auch wenn er sich nach 28 Jahren im Zuge der Auseinandersetzung mit dem Landratsamt aus dem aktiven Vogelschutz zurückgezogen habe. Der Blick soll jetzt nach vorne gerichtet werden. Man wolle nicht, dass die jahrelange, aufopferungsvolle Arbeit „per Federstrich beendet wird“, sagt Nikolas Rheinboldt, Rechtsbeistand des Vereins.

„Mit Aufnahmestopp ist niemandem geholfen“

Den Streit – das Veterinäramt warf den Fingermanns Verstöße gegen das Tierschutzgesetz vor – will man offensichtlich also hinter sich lassen: Er nehme gerne Hilfe und Angebote der Behörde an, sagt der noch immer sichtlich aufgewühlte Kevin Fingermann im Gespräch mit unserer Zeitung; er wolle eine besser Zusammenarbeit. Die Sache sei „auf beiden Seiten“ nicht gut gelaufen.

Die Hoffnung der Vereinsvertreter auf einen Neuanfang stützt sich auch auf ein mehrseitiges Papier, das Karl-Ludwig Matt, der Vorsitzende der NABU-Ortsgruppe Rastatt, in dieser Woche im Landratsamt abgeben will. Die Behörde hatte die Option auf eine Verkürzung des Aufnahmestopps eingeräumt, wenn ein tragfähiges Konzept zur künftigen inhaltlichen, räumlichen und personellen Aufstellung der Vogelstation vorgelegt wird. Matt hat nun in Abstimmung mit Fingermann alles „haarklein“ aufgeschrieben – konkrete Vorschläge, was notwendig sei, stünden in dem Papier. Näheres will er erst erläutern, wenn die Stellungnahme auch der Behörde vorliegt. Fest stehe indes: „Das Tierwohl ist das Wichtigste“, so Matt. Und: „Mit einem Aufnahmestopp ist niemandem geholfen.“

Kevin Fingermann bittet das Landratsamt daher, die Entscheidung nochmals zu überdenken – wenn er wenigstens verletzte Schwäne aufnehmen dürfte (die später wieder ausgewildert werden). Da sei jetzt „Hauptsaison“ für Unfälle und Abstürze, weil die Jungvögel ausfliegen. „Eine Interimslösung wäre gut“, findet auch NABU-Vorsitzender Matt.

Die Vereinsarbeit geht weiter

Und in der Zwischenzeit? Aktuell hat Fingermann noch Tiere in Obhut, er bietet weiter Hilfe durch Beratung an – just während des Pressegesprächs klingelt das Telefon wegen einer verletzten Wildtaube – , zudem steht unter anderem die Pflege von rund 200 Nistkästen auf der Agenda. Und bis Ende nächsten Jahres sollen „so viele Volieren wie möglich“ erneuert werden. Der NABU habe sich bereit erklärt, eine neue Voliere für Mäusebussarde mitzufinanzieren – laut Fingermann immerhin eine Anschaffung von rund 6.000 Euro.

Eine Aufgabe der Zukunft werde es denn auch sein, weitere Sponsoren zu finden. Die Wildvogelauffangstation sei keine Arbeit mehr, die man rein ehrenamtlich stemmen könne, so Fingermann. Nikolas Rheinboldt weist zudem darauf hin, dass es durchaus Wildtierstationen gibt, die vom Land gefördert werden.

„Was uns nix bringt“, so Kevin Fingermann, seien indes beleidigende Beiträge, wie sie nach dem Aufnahmestopp zum Teil von enttäuschten Menschen in sozialen Medien gegenüber den Behörden geäußert worden seien. Das sei kontraproduktiv, distanziert er sich davon. „Man könnte uns viel mehr helfen, wenn man Mitglied im Verein wird.“ Am Wochenende ist die Homepage www.vogelschutz-fingermann.de an den Start gegangen, auf der man Kontakt aufnehmen und gleich auch einen entsprechenden Antrag stellen kann.

Ihr Autor

BT-Redakteur Daniel Melcher

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Erstellt:
19. Dezember 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 51sec

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