Vogelschützer scheidet im Groll mit den Behörden

Rastatt (fuv) – Der Rastatter Vogelschützer Pierre Fingermann wirft die Brocken hin, weil er sich von den Behörden drangsaliert fühlt. Ob sein Enkel übernimmt, ist noch offen.

Er versteht die Welt nicht mehr: Pierre Fingermann liegt über Kreuz mit den Behörden und tritt als Vogelschützer ab. Foto: Vetter

© fuv

Er versteht die Welt nicht mehr: Pierre Fingermann liegt über Kreuz mit den Behörden und tritt als Vogelschützer ab. Foto: Vetter

Seit 27 Jahren ist der Rastatter Pierre Fingermann ehrenamtlich als Vogelretter aktiv und fungiert als Vogelschutzbeauftragter des Landkreises Rastatt. Nun legt der 75-Jährige frustriert über behördliche Auflagen sein Amt nieder.
Die Differenzen machte Fingermanns Enkel Kevin in dem digitalen Netzwerk Facebook öffentlich. Dort schreibt er, dass sein Großvater den behördlichen Anordnungen nicht nachkommen könne und nicht gegen sie verstoßen wolle. Daher höre er auf. Für ihn komme eine weitere Zusammenarbeit mit den Behörden nicht in Frage, heißt es in dem Internet-Beitrag.

Fingermann hatte dem Landratsamt vor geraumer Zeit mitgeteilt, dass er aus gesundheitlichen Gründen den Stab an seinen Enkel Kevin übergeben wolle, informiert Landkreispressesprecherin Gisela Merklinger auf BT-Nachfrage. Dies unterstütze der Kreis auch und biete Kevin Fingermann einen öffentlich-rechtlichen Vertrag auf 450 Euro-Basis an. Weiterhin soll er wie bisher Futterkosten über eine Pauschale erstattet bekommen. Die Naturschutzbehörde und das Veterinäramt stünden ihm gerne mit Rat und Tat zur Seite, so Merklinger weiter.

Schärfere Auflagen

Allerdings müssten Auflagen und Bestimmungen des Natur- und Tierschutzes eingehalten werden, die in den zurückliegenden Jahren verschärft worden seien. So wie in der Vergangenheit könne eine Vogelstation nicht mehr geführt werden. Um die Übernahme zu besprechen, besuchten Vertreter der Naturschutz- und Veterinärbehörde des Landkreises als untere Naturschutzbehörde sowie ein Vertreter des Naturschutzbunds NABU die Vogelstation. Daraus ergaben sich offenbar Meinungsverschiedenheiten, die zu der verärgerten Reaktion von Pierre und Kevin Fingermann führten.

Gisela Merklinger betonte gestern gegenüber dem Badischen Tagblatt mehrfach und ausdrücklich, dass der Landkreis das Engagement Pierre Fingermanns würdige: „Der Landkreis Rastatt ist stolz auf die Leistung von Pierre Fingermann. Für ihn ist die Vogelstation eine Herzensangelegenheit. Er hat wirklich viel geleistet“, sagte sie.

Fingermann – er war beruflich in der Landschaftspflege des Landkreises tätig – erhielt für sein Engagement Ehrungen und schließlich im vergangenen Jahr das Bundesverdienstkreuz. Auch dies habe der Landkreis unterstützt, unterstreicht Gisela Merklinger. Der Landkreis möchte, dass das Lebenswerk Fingermanns fortgeführt werde. Die Behörde begrüße es außerdem, wenn Kevin Fingermann in die Fußstapfen des Großvaters trete. Der Enkelsohn habe wohl die gleiche Begabung, mit Vögeln umzugehen wie sein Großvater, stellt Merklinger fest. Im Laufe der Jahre habe der Kreis das Wirken seines ehemaligen Mitarbeiters mit fast 100 000 Euro unterstützt.

Sie verweist im Übrigen darauf, dass die Versorgung von Fundtieren originär zu den Aufgaben der Ortspolizeibehörde gehöre, also der Städte und Gemeinden. Der Landkreis Rastatt sei der einzige in Baden-Württemberg, der eine Vogelstation unterstütze. Auch dies zeige, dass die Behörde Fingermann keine Steine in den Weg legen wolle.

Wolfgang Huber vom NABU zeigte sich gestern überrascht von der Reaktion Fingermanns und sprach von einer großen Leistung, die Fingermann auch angesichts der nicht üppigen finanziellen Ausstattung über fast drei Jahrzehnte hinweg erbracht habe. „Er wollte immer das Beste für die Tiere und hat sich sehr viel Mühe gegeben“, sagt Huber.

Pierre Fingermann indes versteht die Welt nicht mehr. 10 000 Vögel habe er in all den Jahren betreut, ruft er in Erinnerung. Er fühlt sich vom Veterinäramt verfolgt.

Wie es nun weitergeht, ist offen. Kevin Fingermann jedenfalls hat den Vertrag mit dem Landratsamt noch nicht unterschrieben.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.