Volksbank: Kein eigener Neubau in Gernsbach

Gernsbach (stj) – Die Volksbank Karlsruhe Baden-Baden hat ihre Neubaupläne in Gernsbach ad acta gelegt und sucht nun einen Käufer für die abrissreife Immobilie in der Bleichstraße.

Die Volksbank will künftig nur noch als Mieterin einer Filiale in Gernsbach vor Ort sein. Eigene Neubaupläne hegt die Genossenschaftsbank nicht mehr. Foto: Ulrich Jahn

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Die Volksbank will künftig nur noch als Mieterin einer Filiale in Gernsbach vor Ort sein. Eigene Neubaupläne hegt die Genossenschaftsbank nicht mehr. Foto: Ulrich Jahn

Noch im April dieses Jahres hieß es seitens der Volksbank, man halte unbeeinflusst von den Umstrukturierungen in der Genossenschaftsbank am Neubauprojekt in Gernsbach fest. Nun, gut vier Monate und eine Fusion später, hat die Volksbank Karlsruhe Baden-Baden diese Pläne aufgegeben. Künftig wolle man in der Papiermacherstadt nur noch als Mieterin einer Filiale vor Ort sein.

Der Verkauf der Immobilie in der Bleichstraße laufe bereits, informierte Thomas Nusche auf BT-Anfrage. Er ist als Vorstandsreferent für die Pressearbeit bei der Volksbank Karlsruhe Baden-Baden zuständig. Die Stadt an der Murg werde auf jeden Fall weiterhin Filialstandort bleiben, versicherte er. Ob sich dieser auch zukünftig am Kelterplatz befinden werde, sei allerdings noch offen, so Nusche.

Für die Stadt Gernsbach stellt die neue Entwicklung laut Bauamtsleiter Jürgen Zimmerlin kein Problem dar. An den Zielen, die sich Verwaltung und Gemeinderat für das abrissreife Gebäude gesetzt haben, ändere dies nichts. „Es ist kein Nachteil, ob die Volksbank jetzt Mieterin oder Eigentümerin ist“, meinte Zimmerlin und erklärte, dass die Genossenschaftsbank ohnehin mit einem Bauträger zusammengearbeitet hätte. Zuletzt war dies die Konzok Planen + Bauen GmbH in Gaggenau, die sich aber als Investor vom Projekt zurückgezogen hat. Seither laufe die Suche nach einer Alternative. „Interessenten sind vorhanden“, versicherte Zimmerlin.

Pläne für Runderneuerung seit 2014 in Arbeit

Die frühere Volksbank Baden-Baden Rastatt arbeitete seit März 2014 daran, ihren Standort Gernsbach rundzuerneuern. Auftakt war damals ein Architektenwettbewerb, den die Bank zusammen mit der Stadt Gernsbach ausgelobt hatte. Die eingereichten Vorschläge regionaler Architekten präsentierten verschiedenste Möglichkeiten, mit denen das Areal zu nutzen sei und sich auch städtebaulich in die sich verändernde Gernsbacher Innenstadt integrieren lasse. Der „Betonklotz“ in der Bleichstraße hat neben der bescheidenen Optik zwei deutliche Mängel für eine Bank: Zum einen ist der Selbstbedienungsbereich räumlich abgetrennt vom Service und der Beratung, zum anderen ist der Zugang nicht ebenerdig und nicht behindertengerecht. Die architektonische Herausforderung beim Neubau bestehe vor allem in der Symbiose von Funktionalität und Ästhetik, hieß es damals bei der Vorstellung der Wettbewerbsmodalitäten.

Auch der Gemeinderat war an der weiteren Entwicklung des Projekts maßgeblich beteiligt, nicht zuletzt weil es im Sanierungsgebiet Innenstadt-Mitte II lag und das Volksbank-Gebäude eine zentrale Rolle in der angestrebten Neugestaltung des Kelterplatzes spielt – neben dem Neubau des Hauses Olinger (Salmengasse 3). Im Oktober 2019 hatten sich die Kommunalpolitiker zuletzt öffentlich mit der Gestaltung des Areals beschäftigt und das Ziel „maximale Aufenthaltsqualität“ vorgegeben. Das soll vor allem mit dem Bau einer Tiefgarage erreicht werden, um so viele Stellplätze wie möglich unter die Erde zu bekommen und oben Platz zu schaffen für möglichst viel Grün.

Die Vorgabe einer Tiefgarage ist für Investoren oft ein Hinderungsgrund, kostet sie doch sehr viel Geld und ist unweit der Murg auch kompliziert in der Umsetzung. Dass dies den einen oder anderen Investor abschreckt, ließ Zimmerlin auch im BT-Gespräch durchblicken. Aber: „Wir haben die Rahmenbedingungen gesteckt“, und die habe man im Bauamt seither entsprechend in die Planungen eingearbeitet. Zwischenergebnisse dieses Prozesses kündigte der Bauamtsleiter nach der Sommerpause an. Die Verhandlungen mit etwaigen Investoren laufen derweil weiter.

Kelterplatz soll zum Wohlfühlort werden

Die aktuelle Beschlusslage des Gemeinderats sieht für den Neubau des Volksbank-Gebäudes eine Mischung aus Bankfiliale, Büros und Wohnungen vor. Um das derzeit wenig ansehnliche Areal um das Kelterhochhaus zum Wohlfühlort werden zu lassen, sollen zudem ein kleiner Platz schräg gegenüber vom „Piazza“ (ehemals „Grammophon“), ein Spielplatz und viel Grün Bestandteil des Bebauungsplans sein.

Wann dieser zur Beschlussfassung kommt, lässt sich aktuell nicht seriös vorhersagen. Die Details des zentralen Objekts können schließlich schlecht festgelegt werden, ohne dass es einen Bauherren gibt. Zudem stellt sich für die Volksbank die Frage, wo sie in Gernsbach die Zeit zwischen Abriss und Neubau überbrückt? Auch dafür habe man noch keine konkrete Lösung, so Zimmerlin, der sich zum Beispiel eine übergangsweise Container-Modul-Lösung vorstellen könnte.


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