Volksbank trennt sich von Immobilien

Rastatt (ema) – Die Volksbank Baden-Baden/Rastatt verkauft zwei ihrer Filialgebäude – darunter eines mit historischen Wurzeln im Herzen Rastatts.

Ende einer über 110-jährigen Bankentradition: 1,6 Millionen Euro will die Volksbank für die Poststraße 4. Foto: Frank Vetter

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Ende einer über 110-jährigen Bankentradition: 1,6 Millionen Euro will die Volksbank für die Poststraße 4. Foto: Frank Vetter

Es sind zwei historische Gebäude, die im wahrsten Sinne des Wortes für eine alte Zeit stehen – und jetzt mit ihrem Nutzungskonzept dem dynamischen Modernisierungsschub in der Bankenlandschaft zum Opfer fallen: Die Volksbank Baden-Baden/Rastatt wird ihre Filialgebäude im Herzen von Rastatt und Ottersdorf verkaufen. Mit dem Verzicht auf die Niederlassung in der Poststraße kappt das Unternehmen sogar eine seiner Wurzeln.

Rudolf Zeisl, Vorstandschef der Volksbank Baden-Baden/Rastatt, hat mit seiner Mannschaft derzeit vor allem eines im Sinn: die geplante Verschmelzung mit der Volksbank Karlsruhe. Am 10. und 11. Mai sollen die Vertretersammlungen darüber abstimmen, ob die künftige Volksbank Karlsruhe/Baden-Baden – so der Namensvorschlag – zum 1. Juli an den Start gehen kann. Auch wenn das Filialnetz auch Gegenstand der Fusionsgespräche ist: Das, was sich an Strukturausdünnung in den meisten Geldhäusern abspielt, sei ein Trend, der wohl nicht aufzuhalten sei – Fusion hin, Fusion her, meint Zeisl.

Mehrere Faktoren macht der Volksbank-Chef für die Entwicklung verantwortlich: Allem voran die Digitalisierung, die dazu führe, dass zunehmend Kunden, die früher noch ihre Geschäfte auf der Filiale erledigten, das nun „sonntagsfrüh an ihrem PC“ tun, wie es Zeisl formuliert. Der Banker hat es immer wieder mit widersprüchlichen Reaktionen zu tun: Einerseits muss er sich Tadel anhören, weil eine Filiale geschlossen hat. Andererseits räumen Kunden ein, überhaupt nur noch sporadisch eine Dependance aufzusuchen. „Die Nachfrage lässt einfach nach“, erklärt Zeisl. Bis dann eben ein Standort aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr tragfähig sei – gerade in einer Zeit, in der die Geldhäuser durch Niedrigzinsphase und erhöhte Ausgaben wegen Regulierungsvorgaben immer stärker unter Druck geraten. Ganz zu schweigen davon, dass es immer schwieriger werde, gutes Personal für eine schlecht frequentierte Außenstelle zu finden. Im Gegenzug hat die Volksbank auf den Trend reagiert, indem ein telefonisch erreichbares Kundenservicecenter mit 28 Mitarbeitern aufgebaut wurde, die im vergangenen Jahr 163.000 Anrufe entgegennahmen und Aufträge ausführen, die früher in der Filiale erledigt wurden.

Gebäude kostet 1,6 Millionen Euro

Den Vorwurf, dass gerade ältere Menschen von dem Rückzug aus der Fläche betroffen sind, will Zeisl so ohne Weiteres nicht gelten lassen. Zum einen stelle er immer wieder fest, mit welcher Begeisterung sich auch Senioren ans Online-Banking machen (da könne man als Bank noch mehr Aufklärungsbank leisten, so der Volksbank-Chef). Zum andern fragt Zeisl bei Klagen gerne auch, welche Wege ältere Menschen in Kauf nehmen, um beispielsweise zum Friseur zu gehen. Und da stelle sich dann heraus, dass man eine solche Fahrt in den nächsten Ort bei Bedarf auch mit einem Besuch der Bank verknüpfen könnte.

Doch den Bedarf spüren die Banker immer weniger. Beispiel Ottersdorf: Dort steht in dem zum Verkauf angebotenen Gebäude nur noch ein Automat. Auf Wunsch würde ein Volksbank-Mitarbeiter der Filiale Wintersdorf kommen, erklärt Zeisl. Nachfragen der Kunden: Fehlanzeige. Jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch der Automat verschwindet, sobald das aus dem Jahr 1769 stammende denkmalgeschützte Gebäude – die Volksbank will dafür 375.000 Euro – verkauft ist.

Bei der Kosten-Nutzen-Rechnung senkt sich zur Jahresmitte der Daumen auch über der in die Jahre gekommene Filiale in der Poststraße – ein Bankenstandort mit über 110-jähriger Geschichte. 1,6 Millionen Euro hat die Volksbank für das 1908 erbaute, vierstöckige Wohn- und Geschäftshaus als Verkaufspreis aufgerufen. Kleines Trostpflaster für Kunden: Die Volksbank wird als Ersatz in dem Eckgebäude Kaiserstraße/Rathausstraße eine Automatendependance einrichten.

Das Thema Bargeld wird zwar laut Zeisl eine immer geringere Rolle spielen. Gleichwohl gehöre es zum Verständnis von Regionalität und Kundennähe, dass man gerade bei den Geldautomaten neue Wege gehe – etwa mit Standorten in Supermärkten oder Geräten, die man mit einem Mitbewerber gemeinsamen betreiben könnte. Und das Filialnetz? Derzeit hat die Volksbank noch 24 Niederlassungen – davon zehn ohne Personal. Zeisl verspricht: „Dort, wo eine Filiale nachgefragt wird, wird sie auch bleiben.“


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