Volksbanken führen Fusionsgespräche

Baden-Baden/Karlsruhe (vo) – Gibt es eine künftige Volksbank Karlsruhe/Baden-Baden? Die Volksbanken Karlsruhe und Baden-Baden/Rastatt nehmen Fusionsgespräche auf.

Die Volksbank Karlsruhe hat ihre Hauptverwaltung in der Ludwig-Erhard-Allee. Das Geldinstitut beschäftigt 482 Mitarbeiter. Foto: Volksbank

Die Volksbank Karlsruhe hat ihre Hauptverwaltung in der Ludwig-Erhard-Allee. Das Geldinstitut beschäftigt 482 Mitarbeiter. Foto: Volksbank

„Es gibt keine Denkverbote“, sagte Hans Rudolf Zeisl auf die BT-Frage nach einer möglichen Fusion. Das war im Mai dieses Jahres, und es war ein Satz, der nachdenklich machte. Die Volksbank Baden-Baden/Rastatt hatte den Schwaben Zeisl kurz zuvor als neuen Vorstandschef ins Badische geholt. Quasi aus dem Ruhestand – und mit einer Expertise als erfahrener „Fusionierer“ im genossenschaftlichen Bankenwesen. Ein halbes Jahr später steht die Volksbank Baden-Baden/Rastatt tatsächlich vor einer Zäsur.

„Zusammenschluss sinnvoll“


„Als ich nach Baden-Baden gekommen bin, war von der Sache keine Rede“, betonte Zeisl am Dienstag bei einem kurzfristig anberaumten Pressetermin in der Zentrale der Volksbank Karlsruhe. Allerdings sei man dann, nachdem er sich ein Bild über die aktuelle Situation der Bank verschafft habe, relativ schnell zum Ergebnis gekommen, dass ein Zusammenschluss mit einer anderen Volksbank für die Zukunft sinnvoll sei. Und die Volksbank Karlsruhe passe in diesem Zusammenhang „wie die Faust aufs Auge“, so Zeisl.

Sein Kollege Andreas Lorenz, einer der beiden Vorstände der Volksbank Karlsruhe, sprach gestern von „sehr konstruktiven Sondierungsgesprächen“ in den vergangenen Wochen. Man habe festgestellt, dass beide Banken viele Gemeinsamkeiten hätten.

Die Gründe für den geplanten Zusammenschluss liegen auf der Hand: Angesichts einer anhaltenden Niedrigzinspolitik der EZB bei gleichzeitig zunehmender Regulatorik wird es auch für genossenschaftliche Banken immer schwerer, rentabel zu arbeiten. Dabei spiele die Größe einer Bank zwar eine wichtige Rolle, aber sie sei kein Selbstzweck, sagte Lorenz. „Größe und wirtschaftliche Stärke sind notwendig, um auf lange Sicht für die Menschen und Unternehmen ein starker und verlässlicher Finanzpartner sein zu können.“ Regionalität und Nähe zum Kunden, der sich die Volksbanken verschrieben hätten, würden dadurch sogar noch gestärkt. Daher sei auch eine klare Prämisse für die anstehenden Verhandlungen, sich nicht aus der Fläche zurückzuziehen. Ebenfalls soll es keine fusionsbedingten Kündigungen geben, betonten Lorenz und Zeisl beim Pressegespräch. Dort, wo Personal durch Synergien eingespart werden könne, erfolge der Abbau über die natürliche Fluktuation. Die Volksbank Baden-Baden/Rastatt habe sehr viele ältere Mitarbeiter, die nach und nach in Rente gingen, sagte Vorstandschef Zeisl. Nach jetzigen Stand hätte eine Volksbank Karlsruhe Baden-Baden – das ist voraussichtlich der neue Name – mehr als 830 Beschäftigte.

Vorstandschef aus der Fächerstadt

Auf der personellen Seite tun sich mit Blick auf die Führung der künftigen Genossenschaftsbank einige Optionen auf, die sich bereits bei den Sondierungsgesprächen ergeben haben. Demnach würde Andreas Lorenz das Amt des Vorstandsvorsitzenden übernehmen. Zusammen mit Jürgen Faupel und Matthias Hümpfner (beide Volksbank Baden-Baden/Rastatt) sowie Andreas Thorwarth und Mathias Weis (beide Volksbank Karlsruhe) würde er nach der Zustimmung der Fusion durch die Vertreterversammlungen den zunächst fünfköpfigen Vorstand bilden. Hans Rudolf Zeisl hingegen würde wie geplant und ebenso wie sein Karlsruher Vorstandskollege Hubert Meier im Sommer nächsten Jahres in den Ruhestand gehen.

Für das weitere Vorgehen gibt es einen klaren Fahrplan: Im Dezember sollen die konkreten Verhandlungen aufgenommen werden. Parallel dazu werden die juristischen und technischen Details einer Fusion geklärt. Im Frühjahr, so hoffen die Protagonisten, könnten die Verhandlungen abgeschlossen sein und im Mai dann den Vertreterversammlungen der beiden Volksbanken zur Abstimmung vorgelegt werden. Dort ist jeweils eine Zustimmung von 75 Prozent der Vertreter erforderlich. Falls dies der Fall sein sollte, würde die Fusion rückwirkend zum 1. Januar 2021 vollzogen. Zeisl und Lorenz kündigten gestern an, die Mitglieder zeitnah und detailliert über die Verhandlungsergebnisse zu informieren, Beide Banken planen im Frühjahr Informationsveranstaltungen. Baden-Baden/Rastatt hat am 7. Dezember eine digitale Vertreterversammlung.

Die Volksbank Karlsruhe brachte kürzlich bereits eine Fusion mit der Spar- und Kreditbank Hardt (Eggenstein-Leopoldshafen) erfolgreich über die Bühne. Sollte auch die Fusion mit Baden-Baden/Rastatt gelingen, würde die Bilanzsumme auf knapp 6,5 Milliarden Euro anwachsen. Damit wäre man die Nummer drei in Baden-Württemberg. Größtes Institut in diesem Geschäftsgebiet mit einer Bilanzsumme von 7,1 Milliarden Euro ist die Volksbank Stuttgart. Danach folgt die Volksbank Ortenau, die in diesem Jahr mit Volksbank Schwarzwald Baar Hegau fusionierte.

Volksbanken im Vergleich

Die Volksbank Karlsruhe ist die ältere und weitaus größere der beiden Genossenschaftsbanken. Sie wurde bereits 1858 gegründet (Baden-Baden/Rastatt 1867). Ein Vergleich der Geschäftszahlen des vergangenen Jahres: Die Volksbank Karlsruhe hatte zuletzt eine Bilanzsumme von 4,1 Milliarden Euro (Baden-Baden/Rastatt: 2,34 Mrd.), ein Kreditvolumen von 2,87 Milliarden (Baden-Baden/Rastatt: 1,45 Mrd.) und Gesamteinlagen der Kunden von 2,94 Milliarden Euro (Baden-Baden/Rastatt: 1,6 Mrd.).

Aktuellen Angaben zufolge hat die Volksbank Karlsruhe rund 49200 Mitglieder (Baden-Baden/Rastatt: 33200) sowie 103600 Kunden (Baden-Baden/Rastatt: 96400). Die Volksbank Karlsruhe beschäftigt derzeit 482 Mitarbeiter (Baden-Baden/Rastatt: 350) und betreibt in ihrem Geschäftsgebiet 29 Filialen (Baden-Baden/Rastatt: 23).


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