Volksschauspiele: Nothilfe wendet Insolvenz ab

Von BT-Redakteur Egbert Mauderer

Ötigheim (ema) – Die Volksschauspiele Ötigheim können auf Zuwendungen von Land, Landkreis und Gemeinde setzen. Ohne die finanzielle Unterstützung würde infolge der Corona-Krise die Insolvenz drohen.

Volksschauspiele: Nothilfe wendet Insolvenz ab

Nach dem Komplett-Ausfall des Theatersommers 2020 geht nun 2021 statt des eigentlichen Spielplans (der hier noch zu sehen ist) ein reduziertes Alternativprogramm über die Bühne. Der Landkreis Rastatt trägt mit 150.000 Euro dazu bei, den Volksschauspielen aus der coronabedingten Patsche zu helfen. Foto: Manuela Behrendt/Archiv

Wie stark die Volksschauspiele Ötigheim (VSÖ) wirtschaftlich durch die Corona-Pandemie bedroht sind, ist gestern im Verwaltungs- und Finanzausschuss des Kreistags mit nackten Zahlen untermauert worden – mit einem düsteren Szenario am Horizont. Denn sollte der Theaterverein nicht von der öffentlichen Hand gestützt werden, drohe zum Jahresende die Insolvenz, erfuhren die Kreisräte.

Den Theatersommer im vergangenen Jahr musste der Verein abblasen; und auch im Jahr 2021 ist noch kein regulärer Spielbetrieb möglich, sondern lediglich ein reduziertes Alternativprogramm mit ausgewählten Produktionen. Unterm Strich rechnen die Verantwortlichen der Volksschauspiele mit einem Defizit von knapp 1,4 Millionen Euro bis zum Ende dieses Jahres. Darin eingerechnet sind Schulden in Höhe von einer halben Million Euro, die bereits vor der Pandemie aufgelaufen waren.

Doch ein Aus wird es nicht geben. Denn sowohl das Land Baden-Württemberg als auch der Landkreis und die Gemeinde Ötigheim tragen ihr Scherflein zu einem Rettungspaket bei. Der Verwaltungs- und Finanzausschuss empfahl nun einstimmig dem Kreistag, 150.000 Euro für die Volksschauspiele zu bewilligen. Das Land steuert voraussichtlich 690.000 Euro bei; die Gemeinde wäre mit 50.000 Euro dabei.

Ministerin: „Gemeinsam in der Pflicht“

Damit wären die Bedingungen für eine Nothilfeförderung aus dem Corona-Nothilfefonds für Kunst- und Kultureinrichtungen erfüllt. Zuwendungsvoraussetzung ist demnach nicht nur, dass eine coronabedingte vorübergehende existenzbedrohende oder existenzielle Notlage vorliegt. Es müsse darüber hinaus ein besonderes Landesinteresse bestehen. Die Kreisverwaltung zitiert die Einschätzung von Kunst- und Wissenschaftsministerin Theresia Bauer, wonach die drei öffentlichen Partner gemeinsam in der Pflicht stünden, die Zukunft der Volksschauspiele zu sichern. Auf der Basis einer voraussichtlichen Deckungslücke von 600.000 bis 800.000 Euro hatte das Ministerium eine finanzielle Beteiligung der kommunalen Ebene von 200.000 Euro gefordert. Daneben wird der Landkreis wie bisher den jährlichen Betriebskostenzuschuss von 8.200 Euro leisten.

In der Aussprache wurde einhellig die besondere Bedeutung der Volksschauspiele betont. CDU-Fraktionschef Andreas Merkel sprach von einem „Leuchtturm“, der weit über die Grenzen des Landkreises hinaus strahle, und lobte die „erheblichen Eigenanstrengungen“ der VSÖ, um aus der Notlage herauszufinden. Karsten Mußler (FW) zeigte sich enttäuscht, dass das Land nicht den gesamten Nothilfebetrag übernimmt. Constantin Sperneac-Wolfer (AfD) vermisste indes „konkrete Maßnahmen“ der VSÖ und betonte, dass ein Konkurs des Vereins durchaus auch Chancen bereit gehalten hätte. Eine Einschätzung, die Lutz Jäckel (FDP) als „hanebüchen“ bezeichnete.

Ötigheims Bürgermeister Frank Kiefer, 2. Vorsitzender der VSÖ, bedankte sich im Namen der 1.400 Mitglieder und 700 Aktiven. Er berichtete über rührende Briefe von Menschen, die den Tellplatz vermissen.