Volksschauspiele und Corona: Insolvenz war möglich

Ötigheim (sl) – Eine Million Euro vom Land sorgen für Aufatmen hinter den Kulissen der Volksschauspiele. Über einen Besuch von Ministerpräsident Winfried Kretschmann würden sich die Ötigheimer freuen.

Volle Ränge im Zuschauerraum von Deutschlands größter Freilichtbühne: Die Verantwortlichen rechnen aber damit, dass 2022 noch kein normales Jahr wird. Foto: Jochen Klenk

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Volle Ränge im Zuschauerraum von Deutschlands größter Freilichtbühne: Die Verantwortlichen rechnen aber damit, dass 2022 noch kein normales Jahr wird. Foto: Jochen Klenk

Bei den Volksschauspielen Ötigheim ist die Erleichterung groß. Durch einen Zuschuss des Landes Baden-Württemberg von rund einer Million Euro zusammen mit den Zuschüssen der Gemeinde und des Landkreises von 200.000 Euro wurde dem Verein die Existenzangst aufgrund der Corona-Pandemie genommen.
„Die Mittel werden allesamt dafür verwendet, das Defizit aus dem laufenden Betrieb in den Jahren 2020 und 2021 zu decken“, kündigt der geschäftsführende Vorsitzende der Volksschauspiele, Maximilian Tüg an, „ohne die Zusagen über Unterstützung hätten wir wahrscheinlich die Saison 2021 nicht stattfinden lassen können, da es voraussichtlich günstiger gewesen wäre, alle Mitarbeiter in Kurzarbeit zu lassen. Für den Verein wäre das allerdings eine Katastrophe gewesen“, betont er.

Da die Volksschauspiele auf viel ehrenamtliches Engagement angewiesen sind, sei es für die Motivation schwierig, wenn man einfach zwei Jahre von der Bildfläche verschwindet. „Ganz klar wäre aber auch die Insolvenz des Vereins ein Thema gewesen“, sieht er der Realität ins Auge: „Wir sind sehr dankbar, dass wir das mit der großzügigen Hilfe aller Protagonisten und dem großen Einsatz unserer Mitarbeiter und Ehrenamtlichen verhindern konnten.“

„Wir planen mit voller Kapazität“

Nun ist der Blick nach vorne gerichtet: „Wir planen Stand heute mit einer ganz normalen Saison mit voller Kapazität. Es gibt im Moment keinerlei Anzeichen, dass wir von etwas anderem ausgehen müssen“, ist Tüg zuversichtlich, dass Corona-Maßnahmen im Theatersommer 2022 kein großes Thema mehr sein werden. Dies betreffe auch die zuletzt eingeschränkte Bewirtung des Publikums. Tüg: „Selbstverständlich sind wir aber in der Lage, auf kurzfristige Änderungen zu reagieren. Nach dem letzten Sommer haben wir ja Erfahrung damit.“

Das sehen auch die beiden Landtagsabgeordneten Alexander Becker (CDU) und Thomas Hentschel (Grüne) so, die sich für den Zuschuss eingesetzt hatten. „Die Volksschauspiele haben vergangene Saison als eine von nur wenigen Theatereinrichtungen eine erfolgreiche Saison gespielt“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Politiker. Sie bedanken sich auch dafür, dass die Volksschauspiele an einem Pilotprojekt des Landes teilgenommen haben und ihre Erfahrungen im Umgang mit der Pandemielage allen Kultureinrichtungen zur Verfügung stellen: „Die verschiedenen Ministerien konnten dadurch wichtige Informationen in die erfolgreichen Entscheidungen einfließen lassen.“

Die beiden Abgeordneten nahmen die Einladung für die Premiere von „Wilhelm Tell“ am 18. Juni mit nach Stuttgart. „Wir wären stolz vielen Verantwortlichen des Landes zeigen zu können, wie sinnvoll und nachhaltig die Corona-Nothilfe investiert wurde. Vielleicht geht dieses Jahr der große Wunsch in Erfüllung, unseren Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann das Wunder von Ötigheim zeigen zu dürfen“, heißt es in der Mitteilung weiter.

Vorverkauf läuft nicht wie vor der Pandemie

Und wie läuft im Moment der Vorverkauf der Volksschauspiele? „Das ist schwierig zu bewerten“, gibt der Chef von Deutschlands größter Freilichtbühne zu, „wir liegen nun bei rund 30.000 Tickets. Im Corona-Jahr 2021 hatten wir 21.500 am Ende der Saison. Von daher sieht es schon mal wesentlich besser aus.“ Allerdings stelle man fest, dass viele Bestellungen von Gruppen und Reiseunternehmern fehlen. Tüg: „Das war uns aber von vornherein klar.“ Mit Sicherheit könne man sagen, dass 2022 in Sachen Auslastung noch kein normales Jahr werden wird.

Gleichzeitig beobachte man bei den Volksschauspielen schon seit Jahren, dass die Kaufentscheidung für Tickets kurzfristiger wird. Dies habe Corona mit Sicherheit noch verstärkt. „Die Leute warten ab, schauen wie das Wetter wird und schauen auch, unter welchen Corona-Bedingungen die Veranstaltung nun tatsächlich stattfindet“, gibt sich der Vorsitzende keinen Illusionen hin. Da es ja auch immer noch kurzfristig gute Tickets gebe, sei das für den Kunden auch kein Problem. Planungstechnisch mache es die Sache natürlich wesentlich schwieriger. Tüg: „Aber damit werden wir klar kommen.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Sebastian Linkenheil

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Erstellt:
22. April 2022, 15:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 53sec

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