Voll überzeugt vom neuen Trainer Santoro

Sinzheim (mi) – Vorstand Thomas Schöller vom Landesligisten SV Sinzheim äußert sich zur Trennung von Marcel Stern im Sommer, Nachfolger Michael Santoro und den Corona-Auswirkungen.

Sein Heimatverein SV Sinzheim ist für Thomas Schöller eine Herzensangelegenheit. Foto: Privat

Sein Heimatverein SV Sinzheim ist für Thomas Schöller eine Herzensangelegenheit. Foto: Privat

Thomas Schöller gehört zum festen Inventar beim SV Sinzheim. Bis auf zwei Jahre beim SV 08 Kuppenheim hat er seit dem fünften Lebensjahr insgesamt über 30 Jahre beim SVS verbracht. Als aktiver Fußballer in der Bezirks- und Landesliga sowie als Funktionär. Nach dem Karriereende 2008 infolge von drei Kreuzbandrissen wechselte er in den Spielausschuss, seit fünf Jahren wirkt er als Vorstand.

BT-Redakteur Michael Ihringer unterhielt sich mit dem 38-Jährigen Projektmanager Einkauf bei einem großen deutschen Automobilzulieferer über die schwere, aktuell ausgesetzte Landesliga-Saison, den Negativlauf des jungen Teams vor der Unterbrechung, die Trennung von Spielertrainer Marcel Stern im Sommer und dessen Nachfolger Michael Santoro.
BT: Herr Schöller, sind Sie froh, dass das historische Corona-Jahr 2020 vorbei ist?

Thomas Schöller: Selbstverständlich, weil ein schweres Jahr hinter uns liegt, sowohl beruflich, privat und sportlich. Allerdings beginnt das neue Jahr so, wie das alte aufgehört hat, wir haben jetzt ja sogar noch schärfere Beschränkungen. Aktuell wird sich nicht viel verändern, was bei vielen auf die Stimmung drückt. Viele haben nicht nur Existenzängste, sondern es geht ihnen auch an die Psyche.

BT: Wann haben Sie zuletzt einen Sportplatz ohne Maske betreten?

Schöller: Das weiß ich noch genau: Das war vergangenes Jahr bei unserem letzten Spiel gegen Ottersweier, das wir 4:0 gewannen.

BT: Dass die Landesliga-Punkterunde Ende Februar, wie es der ursprüngliche Spielplan vorsah, tatsächlich fortgesetzt wird, erscheint völlig unrealistisch. Wann rechnen Sie mit einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs?

Schöller: Die letzte Videokonferenz mit dem Verband ist schon einige Zeit her. Damals waren die Infektionszahlen bei Weitem noch nicht so hoch wie die vergangenen drei, vier Wochen. Damals war die klare Aussage, dass die Vorrunde zu Ende gespielt und damit gewertet werden soll, danach sollte es mit einer verkürzten Rückrunde weitergehen, der exakte Modus war aber nicht klar. Ich glaube, dass es bei der aktuellen Situation nur einen Modus geben kann, nämlich dass lediglich die Vorrunde zu Ende gespielt wird. Wir hätten dann in der Landesliga noch sechs Spiele. Ich könnte mir vorstellen, dass man diese Spiele vielleicht in den Mai und Juni noch hineinquetscht, falls man im April wieder trainieren darf. Alles andere halte ich Stand jetzt für äußerst fraglich.

BT: Erwarten Sie Rechtsstreitigkeiten im Sommer?

Schöller: Ich weiß es nicht. Juristisch hat sich der Verband laut eigener Aussage ja abgesichert, dass die Runde gewertet werden kann, wenn jeder einmal gegen den anderen gespielt hat. Natürlich wird es Leute von Vereinen geben, die das anders sehen, die dann sagen: Okay, es wurde keine komplette Runde gespielt, deshalb kann man sie nicht werten. Andererseits wäre das ja schon die zweite Spielrunde in Folge, die dann nicht oder nur teilweise gewertet würde. Das könnte dann doch problematisch werden.

„Viele kleine Faktoren spielten eine Rolle“

BT: Die Trennung von Marcel Stern zum Sommer kam für viele Außenstehende überraschend, nicht zuletzt deshalb, weil der Spielertrainer in einem BT-Interview kurz vor dieser Entscheidung davon ausgegangen war, dass die Zusammenarbeit fortgesetzt werde. Was gab letztlich den Ausschlag für die baldige Trennung?

Schöller: Es gab nicht den einen speziellen Gesichtspunkt, sondern viele kleine Faktoren spielten eine Rolle. Solche Entscheidungen werden im Team getroffen, das heißt, dass ich mich mit meinen Spielausschusskollegen Dominik Hauns, Marc Meier und Christian Braun zusammensetzte. Wir hatten die Saison stark begonnen, da sah man auch, welches Potenzial in der Mannschaft steckt, haben dann aber auch sehr stark nachgelassen. Das lag keineswegs zu 100 Prozent am längere Zeit verletzten Spielertrainer. Der ausschlaggebende Punkt war, dass wir uns sagten: Wir wollen nach drei Jahren einen neuen Impuls setzen, weil wir einen gewissen Stillstand erkannt, eine Weiterentwicklung der Mannschaft nicht mehr gesehen haben. Grundsätzlich sind wir nicht unzufrieden mit Marcels Arbeit, aber wir wollen etwas Neues starten. Wir haben eine immer noch sehr junge Mannschaft mit einem Durchschnittsalter von 23 Jahren. Wenn der Marcel mitspielt, liegen wir vielleicht bei 24 Jahren. Wir sind der Meinung, dass ein erfahrener Trainer, der also nicht selbst auf dem Platz steht, der Mannschaft besser zu Gesicht steht, sie besser entwickeln kann, den Impuls setzt, den sie benötigt. Wir haben eine gute Mannschaft, viele im Team haben schon zwei, drei Jahre Landesliga-Erfahrung und daher muss jetzt der nächste Schritt kommen. Über all diese Dinge sprachen wir mit Marcel in einem offenen Gespräch. Wir legten stets großen Wert darauf, dass wir uns ehrlich austauschen, das war mit Marcel die vergangenen knapp drei Jahre auch immer möglich. Natürlich ist uns die Entscheidung nicht leichtgefallen, speziell im Amateursport ist das immer etwas schwierig. Bei Profis ist das anders, die müssen so etwas einfach schlucken, da fällt es den Entscheidungsträgern dann auch leichter, so einen Entschluss mitzuteilen. Mir ist es persönlich nicht leichtgefallen, da ich ein sehr gutes Verhältnis zu Marcel habe. Ich muss in meiner Funktion allerdings auch das Persönliche und das Vereinstechnische trennen können. Marcel hat diese Entscheidung auch gut aufgenommen. Er sagte mir, er hätte sich gewünscht, weitermachen zu können, er versicherte mir aber auch gleichzeitig, dass er bis zum letzten Tag hier alles für den SVS geben wird.

BT: Führungsfigur Stern stand verletzungsbedingt ganze zwei Mal in der bisherigen Saison in der Startformation, auch andere erfahrene Spieler wie Yannick Dreher fielen längere Zeit aus. Ist das junge Team ohne die Routiniers schlicht überfordert?

Schöller: Überfordert will ich nicht sagen, aber Erfahrung ging mit den Ausfällen natürlich verloren. Marcel spielt mit 33 Jahren seit 15 Jahren auf hohem Niveau und war und ist auch auf dem Platz für uns wichtig. Nichtsdestotrotz haben wir junge Leute drin wie Huck, Deisler oder Tasli, die schon zwei Jahre Landesliga-Erfahrung haben. Ein Lukas Merkel ist im besten Fußball-Alter, also verfügt auch er über Erfahrung. Wir haben eine gute Mannschaft auf dem Platz, die es allerdings nicht geschafft hat, die Vorgaben von Marcel umzusetzen. Wir haben teilweise auch sehr defensiv und destruktiv gespielt angesichts der Akteure, die wir haben. Von daher lässt sich der Leistungsabfall auch nur bedingt durch die Ausfälle von Stern, Dreher oder Merkel erklären. Auch ohne die Drei haben wir eine landesligafähige Mannschaft. Dies zeigte sie vor der Saison-Aussetzung aber nicht mehr, speziell beim 0:2 gegen Würmersheim.

BT: Michael Santoro wird im Sommer Sterns Nachfolger. War für Sie das entscheidende Kriterium, dass er die vergangenen drei Jahre als DFB-Stützpunktleiter arbeitete und damit prädestiniert scheint für die junge Mannschaft?

Schöller: Wir haben uns im Spielausschuss zusammengesetzt, ein Anforderungsprofil erstellt, und da ist uns gleich der Name Michael Santoro in den Sinn gekommen. Wir wollten für die nähere Zukunft keinen Spielertrainer mehr haben, sondern einen Trainer an der Linie, der eine klare Spielphilosophie und Idee hat, und diese gut rüberbringen kann, der also auch rhetorisch sehr gewandt ist, der bei den jungen Spielern die benötigte Begeisterung wecken, sie motivieren kann, der eine absolute Respektsperson darstellt und schon landesligaerfahren ist. All dies trifft auf Michael Santoro in hohem Maße zu. Noch dazu ist er A-Lizenzinhaber, des Weiteren hat er schon beim DFB beziehungsweise Südbadischen Fußball-Verband bewiesen, dass er junge Spieler fordern und fördern kann. Er hat darüber hinaus ein hervorragendes Netzwerk, kennt also sehr viele Spieler hier im Bezirk und auch überbezirklich. Von daher war er unsere absolute Wunschperson. Das Gesamtpaket hat bei ihm einfach gepasst.

BT: Haben Sie noch das volle Vertrauen in Marcel Stern, dass er in den restlichen Spielen mit ganzem Herzen seine dreijährige Amtszeit zu Ende bringen wird?

Schöller: Ich bin absolut davon überzeugt, dass Marcel 100 Prozent geben wird. Wie schon gesagt, ist es nie einfach, wenn man jemandem mitteilt, dass sich die Wege nach der Saison trennen. Marcel hat betont, dass er in Sinzheim einen guten Abgang haben möchte. Das ist auch unser Wunsch. Ich habe Marcel in den vergangenen drei Jahren sehr gut kennengelernt. Alles andere, als dass er sich bis zum Schluss voll reinhaut, würde auch gar nicht seinem Naturell entsprechen.

Zum Artikel

Erstellt:
16. Januar 2021, 10:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 5min 11sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.