Vom Schlachtross im Papiernest

Baden-Baden (BT) – Die Hornisse ist ein friedliches Insekt. Sie ist keine Angreiferin. Das erklären die Naturpark-Detektive.

Hornissen mögen den süßen Saft von reifem Obst. Foto: Peter Kraayvanger/Pixabay/pr

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Hornissen mögen den süßen Saft von reifem Obst. Foto: Peter Kraayvanger/Pixabay/pr

Es war einmal vor sehr langer Zeit, ungefähr als der Vesuv ausbrach und Pompeji unter sich begrub: Damals nahm man noch an, dass Bienen aus toten Rindern, Wespen aus toten Pferden und Hornissen aus toten Schlachtrössern entstünden.

Heute wissen wir natürlich, dass die Kinder der Hornissen, also ihre Larven, in einer filigranen Papier-Kinderstube aus selbstgenagtem Holzbrei aufwachsen. Auf einer Streuobstwiese werden dafür gern Baumhöhlen in alten Bäumen besiedelt.

Trotz Warnfarben: Auch die Königin ist keine Angreiferin

Hören wir den Spruch aus dem Volksmund „Sieben Stiche töten ein Pferd, drei Stiche einen Menschen“, dann kann uns angst und bange werden. Doch selbst eine Hornissenkönigin mit ihrer bis zu 35 Millimeter Körperlänge und ihrem lautstarken Summen ist ein friedliches Insekt. Auch wenn ihre schwarz-gelbe Warnfarbe es anders verkündet: Sie ist keine Angreiferin. Zusammen mit den vielen heimischen Langkopfwespen-Arten nutzt sie ihren Stachel nur zur Verteidigung. Die erwachsenen Hornissen ernähren sich von Kohlenhydraten, jetzt im Herbst besonders gern vom süßen Saft des Fallobstes der Streuobstwiese. Im Sommer saugen sie Blütennektar und Baumsäfte. Für ihre Larven erbeuten sie dagegen eiweißreiche Nahrung.

Hornissen sind nützliche Tiere

Genau das ist der Grund, warum Hornissen besonders nützliche Tiere sind: Ein großes Hornissenvolk besteht aus 700 bis 800 Tieren, die als Larven mit Insekten und dem Fleisch toter Tiere gefüttert werden. Aus einer Studie ist bekannt, dass so ein Volk dabei in einer Saison pro Hektar 50 kg mehr (Schad-) Insekten frisst, als 30 Vogelpaare schaffen würden. Für den Ertrag einer Streuobstwiese ist ein Hornissenvolk also Gold wert!

Eine Hornisse baut am Nest. Foto: David Hablützel/Pixabay/pr

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Eine Hornisse baut am Nest. Foto: David Hablützel/Pixabay/pr

Möchtet ihr vermeiden, dass sich eine Hornisse angegriffen fühlt, beachtet folgende Regeln: Pustet sie nicht an – sie verstehen das Kohlendioxid als Herausforderung. Verhaltet euch ruhig: Wilde Bewegungen und Lärm machen sie aggressiv. Lasst vier Meter Abstand zu ihren Nestern – so brauchen sie keine „Schutzmaßnahmen“ aus Sorge um ihren Nachwuchs ergreifen.

Der Stich ist nicht schlimmer als der einer Biene oder einer Wespe

Falls es doch passiert: Ein Hornissenstich ist schmerzhaft, aber nicht schlimmer als ein Bienen- oder Wespenstich. Erst mehrere Hundert bis Tausend Stiche können lebensgefährliche Auswirkungen bei einem Menschen hervorrufen. Bewahrt also ruhig Blut, wenn ein schwarz-gelb gestreiftes Schlachtross von der Streuobstwiese zufällig in eure Bahn gerät!

Möchtet ihr noch mehr darüber erfahren, welche Tiere jetzt im Herbst auf den Streuobstwiesen der Umgebung unterwegs sind, klickt doch einmal hier.

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Erstellt:
10. Oktober 2021, 08:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 14sec

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