Vom Top-Verteidiger zum Co-Trainer

Hügelsheim (mi) – Star-Neuzugang Philip Rießle bestritt coronabedingt nur vier Regonalligaspiele für den ESC Hügelsheim. Nun steht er beim Heimatverein Wölfe Freiburg als Co-Trainer an der Bande.

Hügelsheims Verteidiger Philip Rießle hat vor der Saison-Aussetzung nur vier Spiele für den ESC Hügelsheim bestritten. Foto: Frank Vetter

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Hügelsheims Verteidiger Philip Rießle hat vor der Saison-Aussetzung nur vier Spiele für den ESC Hügelsheim bestritten. Foto: Frank Vetter

Wenn ein Mensch mit seinem Konterfei an einer Häuserwand verewigt wird, ist er etwas Besonderes. Wenn einem Sportler am Stadion mit seinem Ebenbild gehuldigt wird, ist er eine Legende. Philip Rießle sieht sich mit Vollbart und in voller Eishockey-Montur immer dann selbst, wenn er mit dem Auto an der Echte-Helden-Arena an der Ensisheimer Straße in Freiburg vorbeifährt.
Vor etwas mehr als einem Jahr hat der Verteidiger, der sieben Jahre Kapitän des Zweitligisten EHC Freiburg war, dort seine Profikarriere beendet, um beim Regionalligisten ESC Hügelsheim noch ein letztes Kapitel als aktiver Spieler zu schreiben. Das tat er im Oktober mit vollem Tatendrang auch vier Spiele lang, dann wurde die Saison ausgesetzt. Corona versetzte den Amateur-Cracks eine mittlerweile fast dreimonatige Strafzeit. Und auch wenn die Saison vom Verband noch nicht offiziell abgesagt ist, glaubt nach der Verlängerung des Lockdowns bis Mitte Februar keiner mehr an eine Fortsetzung der Spielrunde.

„Ich habe bei mir schon den Eishockey-Entzug gespürt“, sagt Rießle. Der kalte Entzug muss schlimm gewesen sein. Und deshalb steht der 33-Jährige seit drei Pflichtspielen wieder in der Freiburger Eishalle, auch heute gegen die Löwen Frankfurt. Aber nicht mehr wie einst auf dem Eis, sondern als Co-Trainer des schottischen Chefcoachs Peter Russell hinter der Bande. „Peter fragte schon vor einiger Zeit bei mir an, ob ich mir das bei den Heimspielen vorstellen könnte. Kurz vor Weihnachten trafen wir uns, und ich musste nicht lange überlegen.“

Taktische Anweisungen für die Spieler

Einst führte der Leitwolf als Kapitän die Wölfe an, nun gibt er den Verteidigern taktische Anweisungen, stellt die Paare zusammen, entscheidet mit, wer Über- und Unterzahl spielt, wer gegen die Sturmreihen des Gegners gestellt wird, und gibt Hilfestellungen, wie die Cracks sich in verschiedenen Situationen verhalten sollen. Wer 283 Spiele für die Südbadener auf dem Buckel hat, dem hört man im Eifer des Gefechts auch zu. Ob der kanadische Star-Verteidiger Nick Pageau oder Jungtalent Peter Spornberger. Letzterer ist für Rießle „auf dem Weg Richtung DEL, sein Niveau erreichte ich früher leider nicht“.

Obwohl das Freiburger Idol durch seinen anspruchsvollen Job als Produktionskoordinator bei einem großen regionalen Industrie-Glasunternehmen in March gut ausgelastet ist, „haben die ersten Spiele Lust auf mehr gemacht. Ich kann jetzt in die Arbeit hinter der Bande reinschnuppern“. Rießle wäre nicht der erste Ex-Profi, dessen Begeisterung für die schnellste Mannschaftssportart irgendwann in einer Rolle als Cheftrainer mündet. „Man soll niemals nie sagen, und es ist auch nicht völlig abwegig, aber ich bin zufrieden mit meinem Job und habe auch nicht die erforderliche A-Trainerlizenz. Das wäre noch ein weiter Weg für mich, bis man den Schein hat.“

Auch wenn sich Rießle vorerst wieder seiner Heimatliebe verschrieben hat, denkt er auch weiter an seine neuen Hügelsheimer Teamkollegen, die seit drei Monaten auf dem Trockenen sitzen. „Es hat Spaß gemacht, auch wenn es nur vier Spiele waren. Sie zeigten schon die Handschrift von Cedrick Duhamel, der als Trainer ein gutes Duo mit Sportdirektor Pascal Winkel bildet. Es wäre einiges drin gewesen in der Saison.“ Eine Saison, die wegen der Pandemie nie richtig ins Rollen kam.

Obgleich der Routinier „große Unterschiede“ zur DEL2 ausmachte, hat er die Rhinos-Jungs schnell lieb gewonnen. „Sie geben alle Gas, es herrscht eine gute Chemie im Team.“ Sollte Corona im nächsten Herbst nicht weiter Gesprächsthema Nummer eins sein, und der Amateursport endlich wieder in geordneten Bahnen seinen Spielbetrieb aufnehmen können, spricht für Philip Rießle „nichts dagegen, dass ich wieder für die Rhinos die Schlittschuhe schnüren werde, wenn Pascal auf mich zukommt“.

Letzteres dürfte ausgemachte Sache sein. Der Sportdirektor würde als Mädchen für alles wohl höchst persönlich zum Pinsel greifen, und die Wand an der Baden-Airpark-Arena mit Rießles Ebenbild verzieren, damit seine Führungsfigur zurückkommt. Das nächste Mal aber möglichst für mehr als vier Spiele.

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Erstellt:
21. Januar 2021, 20:00 Uhr
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