Vom Uni-Campus zurück ins „Hotel Mama“

Karlsruhe/Freiburg (BT) – An den regionalen Hochschulen spiegelt sich ein coronabedingter Trend wider: Viele Studenten müssen zurück zu ihren Eltern ziehen, weil Nebenjobs und Geld fehlen.

Das Geld fehlt: Corona zwingt viele Studierende zurück ins „Hotel Mama“. Christin Klose/dpa

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Das Geld fehlt: Corona zwingt viele Studierende zurück ins „Hotel Mama“. Christin Klose/dpa

Vom freien Studentenleben zurück ins behütete Elternhaus: Eine aktuelle Umfrage durch das Jobportal Studitemps zeigt, dass jeder vierte Studierende wieder bei den Eltern wohnt. Dieser Wert sei ein Resultat der schlechten Jobsituation während der Pandemie.

Die Corona-Krise hat Studierende nicht nur in Bezug auf Online-Vorlesungen vor neue Herausforderungen gestellt. Auch der Arbeitsmarkt ist pandemiebedingt eingebrochen, und die Studierenden können ihre Nebenjobs nicht mehr ausüben. Die Folge: Einkünfte, die mitunter ihre Miete für Wohnheim oder Wohnung gesichert haben, fallen weg, und die Studenten müssen wieder zu ihren Eltern ziehen. Eine Befragung von 28.000 Studierenden durch das Jobportal Studitemps ergab, dass mittlerweile jeder Vierte wieder zu Hause wohnt – 2019 war es noch fast jeder Fünfte (21,4 Prozent). Parallel zu diesem Anstieg sind zurückgehende Zahlen bei der Beschäftigung von Studierenden zu beobachten. Laut Umfrage hatten 2019 noch 63,1 Prozent von ihnen eine Arbeitsstelle, heute sind es mit 53,2 Prozent rund zehn Prozent weniger. Dieser Rückgang gepaart mit steigenden Mietpreisen zwingt die Studierenden dazu, wieder im kostensparenden „Hotel Mama“ zu wohnen.

Angst vor Vereinsamung und Ansteckung

Auch an den Hochschulen der Region wird dieser Trend beobachtet. Zwar gibt es laut René Stephan, Sprecher des Studierendenwerks Karlsruhe, bei den Wohnheimzimmern „keine nennenswerte Veränderung im Mietpreisbereich“, aber die studentischen Nebenjobs seien durchaus „weggebrochen“, und auch in den nur noch digital stattfindenden Vorlesungen sieht man einen Grund für den Umzug zurück zu den Eltern. Stephan ist zuversichtlich, dass die Wohnsituation wie vor der Pandemie sein wird, sobald der Präsenzunterricht wieder möglich ist. Ute Krystof vom Studierendenwerk Freiburg hat den Eindruck, dass sich die Umfrageergebnisse größtenteils mit der Situation an den Hochschulen decken. Vor allem an den kleineren Standorten wie Kehl oder Offenburg sei dieser Wandel zu beobachten. „Natürlich sind es auch finanzielle Gründe, die Studierende dazu bewogen haben, wieder zu den Eltern zurückzuziehen. Wir stellen aber auch fest, dass Studierende aufgrund der eingeschränkten Kontaktmöglichkeit und der Angst, zu vereinsamen, bei ihren Eltern wohnen bleiben. Ein weiterer Grund ist die Angst, sich bei Mitbewohnern anzustecken“, beschreibt Krystof die aktuelle Lage.

Ihr Autor

Natalie Dresler

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Erstellt:
5. März 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 06sec

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