Seit Anfang beim Baden-Badener Oldtimer-Meeting

Baden-Baden (sga) – Seit Anfang der 60er Jahre ist Peter Schneider aus Haueneberstein enthusiastischer Oldtimer-Liebhaber. Heute fährt er einen Renault 4 CV mit den bedeutungsvollen Initialen JM.

Zum Andenken an den Mann, der das Oldtimer-Meeting maßgeblich prägte, hat Peter Schneider heute noch dessen Initialen auf dem Kennzeichen: JM steht für Jean-Marc Culas. Foto: privat

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Zum Andenken an den Mann, der das Oldtimer-Meeting maßgeblich prägte, hat Peter Schneider heute noch dessen Initialen auf dem Kennzeichen: JM steht für Jean-Marc Culas. Foto: privat

Es ist Liebe auf den ersten Blick, als Peter Schneider Anfang der 60er Jahre auf dem Baden-Badener Zubringer fährt. Vor ihm: ein „wunderschöner“ Kabinenroller. So schnell, wie er den Kleinwagen wieder aus den Augen verliert, so schnell ist es um ihn geschehen. Und Schneider ist sich sicher: „Ich muss so einen haben.“

Drei Räder hat so ein Kabinenroller, zwei vorne und eins hinten. „Es war gar nicht so einfach, so ein Teil aufzutreiben“, erzählt der heute 74-Jährige. In Österreich wird er damals schließlich fündig, doch dort hat auch ein Schweizer Interesse, „und wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Also setzt sich Schneider mitten in der Nacht in sein Auto. Wenige Stunden später ist er stolzer Besitzer eines knallroten Messerschmitt-Kabinenrollers.

„Eine Gangsterlimousine hatte es mir einfach angetan“

Über die Jahre finden viele Menschen aus dem Umfeld des Oldtimer-Liebhabers Gefallen an seinem „Goldstück“. Sogar im Fernsehen ist er zu sehen, als Elmar Gunsch aus dem Auto heraus moderiert „und schließlich kaum mehr aufstehen kann, weil es so eng ist“. Schneider sammelt viele solcher Erinnerungen, doch nicht jede Liebe ist für die Ewigkeit bestimmt – vor allem, wenn da plötzlich jemand anders im Kopf herumschwirrt. „Eine Gangsterlimousine hatte es mir einfach angetan“, erinnert sich der Hauenebersteiner. Doch der Geldbeutel ist zu klein. Schneider muss sich entscheiden, und so lässt er seine erste Liebe los, indem er den Kabinenroller verkauft und seine Scheine für die schwarze Oldtimer-Limousine hinlegt.

Liebe auf den ersten Blick: Peter Schneiders erster Kleinwagen war ein knallroter Kabinenroller. Foto: privat

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Liebe auf den ersten Blick: Peter Schneiders erster Kleinwagen war ein knallroter Kabinenroller. Foto: privat

Auch mit diesem Auto hat Schneider viel Spaß. Ein Jahr lang bietet er Ausflugsfahrten an, nimmt sogar frisch verheiratete Paare regelmäßig mit. „Ich habe viel gesehen und viel mitbekommen“, erzählt der 74-Jährige. Als sich schließlich Braut und Bräutigam auf der Rückbank zu zanken anfangen, ist für ihn der Drops gelutscht: „Vier Wochen später habe ich damit aufgehört.“ Doch seine Liebe zu Kleinwagen findet kein Ende: „Ich kann nicht aufhören.“ Sein Favorit: ein Renault 4 CV. Dessen Besitzer ist Jean-Marc Culas, der seit 1976 die Oldtimer-Meetings in Baden-Baden mitorganisierte. Schneider und er seien gut befreundet gewesen: „Er sagte immer: Wenn ich einmal nicht mehr bin, wirst du das Auto bekommen.“ Als es dann so weit ist, denkt Schneider gar nicht mehr an Culas Worte, bis schließlich dessen Sohn Marc anruft und ihm den Wagen überlässt. Zum Andenken an den Mann, der das Oldtimer-Meeting maßgeblich prägte, hat Schneider heute noch dessen Initialen auf dem Kennzeichen.

Für das Aufstellen der Fahrzeuge verantwortlich

Schneider freut sich bis heute über den Renault und fährt ihn regelmäßig aus – übrigens auch einmal im Jahr zum internationalen Oldtimer-Meeting in Baden-Baden. Der 74-Jährige ist dort „von Anfang an dabei“ gewesen und hat viel mit Culas zusammengearbeitet. So ist er all die Jahre, auch diesmal, für das Aufstellen der Fahrzeuge verantwortlich. Denn auf dem Meeting darf nicht einfach jeder so parken, wie er möchte. „Alles muss schön ordentlich aussehen.“

Chaos ist ohnehin nichts für den Hauenebersteiner. Deshalb stehen der Renault 4 CV und der Heinkel-Kabinenroller, den er sich im Laufe der Jahre zugelegt hat, immer geschützt in der Garage. Doch das war nicht immer so. Der Kabinenroller hing über 40 Jahre an der Decke einer Lagerhalle. „Er ist der älteste, den es weltweit gibt“, sagt Schneider. Und so hat der Oldtimer-Liebhaber in den letzten Jahren immer wieder Kleinwagen gesammelt, manche davon wieder verkauft und neue erworben. Doch seine erste Liebe vergisst man bekannterweise nie. Umso schöner ist es, dass die Käuferin seines roten Kabinenrollers bis heute jedes Jahr nach Baden-Baden auf das Oldtimer-Meeting fährt, um ihn zu besuchen.

Gesprächsrunden am BT-Stand

Das 44. Internationale Oldtimer-Meeting findet von Freitag, 16. Juli, bis Sonntag, 18. Juli statt. Auf der Medienbühne vor der Trinkhalle wird BT-Redakteur Moritz Hirn am Samstag, 17. Juli, mehrere Interviews führen: Um 14 Uhr geht es unter anderem mit Organisator Marc Culas um das Meeting und seine Besonderheiten, um 15 Uhr wird unter anderem Baden-Badens Oberbürgermeisterin Margret Mergen Fragen zu Kurstadt und Welterbe beantworten. Den Abschluss machen um 16 Uhr die „Schrauber & Sammler“: Hier kann man auch Oldtimer-Liebhaber Peter Schneider live erleben.

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Erstellt:
9. Juli 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
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