Von Gaggenau an die Spitze der Daimler BKK

Gaggenau (wess) – Der Gaggenauer Benjamin Plocher ist Vorstand der Daimler Betriebskrankenkasse (BKK). Mit Benjamin Plocher sprach unser Mitarbeiter Michael Wessel.

Benjamin Plocher (Jahrgang 1975), im Eingangsbereich des Kundencenters beim Mercedes-Benz-Werk Gaggenau. Er ist seit Dezember 2017 Vorstand der Daimler BKK. Foto: Michael Wessel

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Benjamin Plocher (Jahrgang 1975), im Eingangsbereich des Kundencenters beim Mercedes-Benz-Werk Gaggenau. Er ist seit Dezember 2017 Vorstand der Daimler BKK. Foto: Michael Wessel

Die Daimler BKK ist die größte rein unternehmensbezogene Betriebskrankenkasse in Deutschland mit 310.000 Mitgliedern und über 300 Mitarbeitern. Davon arbeiten etwa 160 in der Verwaltung in Bremen und die weiteren in 21 Kundencentern an den Daimler-Standorten in Deutschland. Nur Daimler-Beschäftigte oder ihre Familien können Mitglied werden.

BT: Herr Plocher, Sie sind in Gaggenau aufgewachsen und haben am „Goethe“ ihr Abitur gemacht. Welchen Traumberuf hatten Sie damals
Benjamin Plocher: Ich spielte sehr gut Tennis und mischte unter den drei Top-Spielern in Baden kräftig mit. Da träumte ich natürlich von einer Karriere als Tennis-Profi. Aber dazu reichte es dann doch nicht ganz. Nach dem Zivildienst beim DRK in Baden-Baden entschied ich mich aus eigenem Antrieb für ein Jurastudium in Freiburg. Dabei spezialisierte ich mich auf Arbeitsrecht, denn ich habe gerne mit Menschen zu tun.

BT: Und wie führte Sie ihr Weg zum Daimler, wie wir inzwischen oft auch in Gaggenau sagen?
Plocher: Den ersten Kontakt hatte ich schon als Ferienarbeiter im Werk Gaggenau. Kurz vor dem Zweiten Staatsexamen wurde dieser durch eine Wahlstation in der Personalabteilung des Pkw-Werks Rastatt vertieft. Dort konnte ich dann 2003 unmittelbar nach meinem Abschluss erfreulicherweise als Arbeitsrechtler tätig werden. Schon ein Jahr später wechselte ich für etwas mehr als drei Jahre in den Personalbereich des Ersatzteil-Zentrallagers von Daimler in Germersheim.

Eine tolle Erfahrung, denn hier war ich nicht nur im Arbeitsrecht gefordert, sondern durfte faktisch nahezu alle Aufgaben in einem operativen Personalbereich übernehmen.

BT: Aber der Spezialist wurde dann doch wieder gefragt?
Plocher: Ja, denn 2008 wechselte ich als Teamleiter für die arbeitsrechtliche Betreuung in das Lkw-Werk Wörth und wiederum drei Jahre später als Abteilungsleiter Arbeits- und Sozialrecht in die Zentrale nach Stuttgart-Untertürkheim. Vor drei Jahren, am 1. Dezember 2017, wurde ich dann mit 42 Jahren zum Vorstand der Daimler BKK berufen. Ein Traumjob für mich bis heute!

Corona: Längerfristige Strategie notwendig

BT: Inwieweit hat Corona Ihren Arbeitsalltag beeinflusst?
Plocher: Als Leiter der Daimler BKK pflege ich regelmäßig viele Kontakte in Berlin, um die gesundheitspolitischen Interessen meiner Kasse zu vertreten. Diese Reisetermine sind zum Beispiel komplett entfallen. Vieles lässt sich im Homeoffice von Gaggenau aus auch digital erledigen. Aber wenn es beispielsweise darum geht, im Leitungsteam gemeinsam an der Weiterentwicklung des Angebots für unsere Versicherten zu arbeiten, sind Präsenzveranstaltungen unumgänglich.

BT: Wenn Sie jetzt Gelegenheit hätten, mit Gesundheitsminister Jens Spahn zu sprechen, was würden Sie ihm raten?
Plocher: Ganz grundsätzlich sollte unser Gesundheitswesen viel mehr auf Prävention ausgerichtet werden, also auf die Vermeidung von Krankheiten. Heute gibt es meist erst Geld, wenn jemand krank ist. Die Frage muss aber lauten: Was kann man tun, um gesund zu bleiben? Wie sollten wir die Anreize setzen, dass Krankheit gar nicht erst entsteht?

Und mit Blick auf Corona würde ich mir viel mehr eine längerfristig angelegte Strategie wünschen, die vor allem den nachhaltigen Schutz besonders gefährdeter Gruppen in den Mittelpunkt stellt und mit der wir dann die in der Tat schwierige Ausbalancierung aller Interessen in dieser Krise besser hinbekommen.

BT: Gelegentlich wird kritisiert, dass durch Zusammenwirken von Arbeitgeber und Betriebskrankenkasse der Wettbewerb der Kassen verzerrt wird. Wie stehen Sie dazu?
Plocher: Wichtig ist mir zunächst die Feststellung, dass wir keinerlei finanzielle Unterstützung von Daimler erhalten. Wir zahlen zum Beispiel auch die Miete für unsere betriebsnahen Büros. Da wir alle Daimler-Beschäftigte sind, haben wir im Zweifel eher die Herausforderung höherer Personalkosten. Dies überkompensieren wir aber durch besonders wirtschaftliches Handeln in schlanken Strukturen. Nur so können wir unsere attraktiven Zusatzleistungen wie beispielsweise Osteopathie oder zahlreiche Präventionsangebote anbieten. Aber noch viel wichtiger ist unser eigener hoher Anspruch an einen Premiumservice. Das verstehe ich bei dem so wichtigen Thema Gesundheit oft nicht: Was bringt Ihnen die „billigste“ Kasse, wenn sie am Ende nicht leisten will.

BT: Zum Schluss drängt sich die Frage auf: Wie halten Sie sich fit?
Plocher: Fit zu sein gehört ja als Krankenkassenchef fast zu meinem Jobprofil. Im Ernst: Fitness oder besser gesagt viel Bewegung war mir immer schon wichtig. Und dann gibt es nur ein Rezept: sich die Zeit nehmen, auch wenn das in der Regel nie richtig in den Tag passt und andere Dinge zurückstehen müssen. Dieses Jahr habe ich mir dafür einen Hometrainer gekauft. Dort kann ich „zeitsparend“ zwischen zwei Terminen oder in der Mittagspause meine Einheit machen.

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Erstellt:
23. Dezember 2020, 22:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 16sec

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