Von Pferden, die tief durchatmen und entspannen

Muggensturm/Malsch (kba) – Weil seine Vollblut-Pferdedame My Future ziemlich kurzatmig und gestresst wirkte, entwickelte Josef Krög ein Aerosol-Therapiegerät bis zur Marktreife.

Bloß kein Stress: Josef Krög mit Pferdedame „My Future“ und dem Therapiegerät. Foto: Bausch

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Bloß kein Stress: Josef Krög mit Pferdedame „My Future“ und dem Therapiegerät. Foto: Bausch

Duftende Wiesen, übersät mit unzähligen Blüten, dazwischen zart wogende Halme blühender Gräser – während sich die einen kaum sattsehen können im Sommer, erleben manche Pferdehalter oft eine böse Überraschung: Das Tier hustet, wirkt kurzatmig und gestresst, vor allem nach dem Weidegang oder der Halle.

So ging vor vielen Jahren auch Josef Krög mit seiner Vollblut-Pferdedame „My Future“, einem ehemaligen Rennpferd (das BT berichtete), die plötzlich nur noch lustlos den Kopf hängen ließ. Partikel, kleiner als drei Mikrometer - Pollen, Viren, Feinstaub - dringen bis in die Lungenspitzen, wo sie einen Film bilden und die Sauerstoffaufnahme hemmen.

Pferde, die einen enorm leistungsfähigen Respirationstrakt haben, jedoch nur nasal atmen können, leiden dann schnell sichtbar. „Und nichts half“, erinnert sich der engagierte Pferdefreund im Gespräch mit BT. Der Tierarzt verordnete schließlich Cortison, das intravenös oder oral, auch bei Pferden in der Therapie bei Allergien und Atemwegsbeschwerden eingesetzt wird.

Krög, der zuvor im Bereich Humanmedizintechnik für ein Karlsruher Unternehmen Kunden im In- und Ausland betreute, suchte eine Alternative und fand sie in der Soletherapie.

Bis zu 30 Minuten inhalieren

Über ein Inhalationsgerät wird dabei die Salzlösung fein vernebelt und gelangt so ebenfalls bis in die Aveolen vor, feinste Verästelungen der Lungenblutbahnen. Für Pferde gab es das so kaum. Die wenigen Angebote kamen von sehr weit her oder waren zu kostenintensiv.

Das weckte den Tüftler in Krög. Er baute selbst einen Prototyp für ein Aerosol-Therapiegerät und testete ihn an „My Future“. Aufgrund des Lungenvolumens von bis zu 55 Litern braucht ein Inhalator für Pferde zwei bis dreimal so viel Druck. Bei seinen Geräten sind es bis zu 3,5 bar. „Die Stute merkte schnell, dass ihr das guttat. Pferde assoziieren mit der Soleluft oft einen Salzleckstein und versuchen dann herumzuschlecken.“

Damit sie die Aerosole in der Luft gut einatmen können, hat Krög das Gerät mit einem flexiblen Schlauch und einem Eimerchen verbunden, das dem Pferd über die Nüstern gestülpt werden kann. „Das fertigen wir aus weichem PE-Material, weil es nicht zerbersten kann, falls das Pferd gegen die Boxenwand stößt.“ Zieht das Tier mal am Schlauch, stöpselt der sich einfach aus und nichts passiert. Drei Varianten gibt es: eine Basis-Version, eine mit Akku und ein Turbo-Gerät.

Bei trockenem Wetter im Frühjahr empfiehlt Krög, täglich bis zu 30 Minuten zu inhalieren, am besten vor dem Weidegang – oder eben mobil auf dem Weg dort hin. „In Bewegung atmet das Tier tiefer und kann danach besser abhusten“, erklärt der Pferdefreund. Das übrige Jahr kommt der „Horsecare“ bei Bedarf oder prophylaktisch zwei bis drei Mal die Woche zum Einsatz. „Das Gute daran ist, Medikamente für die Atemwege können hier in sehr viel kleineren Dosen eingesetzt und mit vernebelt werden.“ Ansonsten reicht günstige Sole, wie sie etwa in Apotheken zu bekommen ist.

Seit er 2005 zwei Produktionspartner gefunden hat, hat er über seine Firma Impex-Horsecare bereits Tausende Aerosol-Therapiegeräte verkauft. Die meisten davon im Direktvertrieb. Die Nachfrage war schnell so groß, dass er seinen bisherigen Job aufgab, um sich mit seiner Firma Impex-Horsecare ganz der Vierbeiner-Wellness zu widmen – mit wachsendem Erfolg. „In den letzten Jahren haben vor allem die Allergien stark zugenommen“, so Krögs Eindruck. Er führt dies teilweise auf eine veränderte Weidewirtschaft zurück. „Manche Landwirte eggen heute seltener oder verzichten ganz darauf. Dann gelangen mehr lungengängige Partikel ins Heu.“

Krög hat ein Messgerät gebaut, mit dem er deren Konzentration in der Luft messen kann. „Nichts anderes passiert bei der Feinstaub-Messung am Neckartor in Stuttgart“, erklärt er das Prinzip. Da er quasi keine Werbung für seine Horsecare-Therapiegeräte macht, finden ihn Kunden vor allem über die informative Webseite oder die Empfehlung ihres Tierarztes. „Einige Ärzte haben extra Leihgeräte angeschafft, mit denen die Anwender die Methode ausprobieren können.“

Doch trotz des beträchtlichen Potenzials seiner Inhalatoren forschte Krög weiter. Neben einem Akku-Gerät und einem Turbo brachte er 2016 einen Solevernebler für ganze Räume auf den Markt. Ein Heubedampfer wirkt dem bekannten Problem des Heustaubs in der Reithalle entgegen.

Und „My Future?“ Die kennt das alles schon, lässt nun entspannt den Kopf sinken, stellt das Hinterbein aus und döst noch eine Weile, während die wohltuenden Dämpfe ihre Lungen weiten. Bloß kein Stress.


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