Von Römern, Kreuzfahrern und Jesus Wundern

Nazareth (ela) – Der Norden Israels ist reich an Geschichte. In der Region gibt es viele heilige Stätten und Bauten, die BT-Redakteurin Daniela Jörger im Rahmen einer Pressereise besucht hat.

Imposante Säulen: Die Hauptstraße der römischen Stadt Bet Shee’an im nördlichen Jordantal. Dort sollen einst 40.000 bis 50.000 Menschen gelebt haben. Foto: Daniela Jörger

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Imposante Säulen: Die Hauptstraße der römischen Stadt Bet Shee’an im nördlichen Jordantal. Dort sollen einst 40.000 bis 50.000 Menschen gelebt haben. Foto: Daniela Jörger

In diesem Frühjahr zeigt sich der Norden Israels außergewöhnlich grün, an der Küste und an den Hängen des Golan blühen Senfblumen leuchtend gelb. „Es hat ungewöhnlich viel geregnet“, erzählt Gästeführerin Shlomit Gros. Nazareth, Magdala (die Heimat Maria Magdalenas) und andere Orte am See Genezareth – der fruchtbare Norden des Landes ist auch eine Region mit jeder Menge Geschichte und Bibelgeschichte.

Neben den religiösen Zentren Bethlehem mit der Geburtskirche und Jerusalem mit der Grabeskirche und dem Kreuzweg Jesu ist auch Galiläa mit dem See Genezareth ein Ziel vieler Pilger aus aller Welt. Denn dort hat Jesus nach den Evangelien zunächst gewirkt und viele seiner Wunder vollbracht.

Ein guter Startpunkt für die Reise durch die Geschichte ist die rund 5.000 Jahre alte Hafenstadt Akko, die auch im Alten Testament erwähnt wird. Ihr heutiger kleiner Fischereihafen war einst von großer Bedeutung für die Städte am östlichen Mittelmeer – bereits die Römer, Perser, Kreuzfahrer, Mamelucken und Templer nutzten ihn.

Stadt unter der Stadt

Doch nach der Zerstörung durch die Mamelucken war die Stadt bis zu ihrer Wiederbelebung zunächst viele Jahre im Sand versunken – der Grund, warum Besucher und Besucherinnen heute zwei übereinanderliegende Städte erleben können. Über der Erde wird die Altstadt von Akko, die seit 2001 zum Unesco-Welterbe zählt, von der mächtigen mittelalterlichen Zitadelle geprägt. Und dem Deutschorden ist es zu verdanken, dass hier immer noch 40 Kirchen und Klöster zu finden sind.

„Von der alten Stadt sind erst vier Prozent ausgegraben. Die Kreuzfahrerstadt war viel größer als die heutige Umrandung der Altstadt“, erzählt Stadtführerin Pascale. „Wenn unten gegraben wird, müssen die Häuser oben abgestützt werden. Das alles ist aufwendig und teuer.“ Doch die Mühe lohnt sich. Der Gang in die Unterwelt offenbart jetzt schon jede Menge Kreuzgewölbe, mächtige Säulen und spannende Historie – von alten Kreuzfahrerstraßen über die Krypta und Ritterhallen der ältesten Niederlassung des Johanniterordens, dem historischen Hamam bis hin zum Fluchttunnel der Tempelritter, der heute ein Besuchermagnet ist. Die Zitadelle, die während des britischen Mandats als Gefängnis genutzt wurde, war Drehort für den Filmklassiker „Exodus“.

Erlebbare Geschichte in Akko: Modernes Wandbild am Ende eines originalen Straßenstücks aus der Zeit der Kreuzfahrer. Foto: Daniela Jörger

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Erlebbare Geschichte in Akko: Modernes Wandbild am Ende eines originalen Straßenstücks aus der Zeit der Kreuzfahrer. Foto: Daniela Jörger

Rund 50.000 Menschen leben derzeit in Akko – Christen und Juden überwiegend in der Neustadt, Muslime mehrheitlich in der Altstadt.

Von Akko ist der Weg nicht weit nach Nazareth, der Heimat und Vaterstadt Jesu. Die aktuelle Verkündigungskirche – die über der Basilika steht, in der nach der Überlieferung der Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria erschien – ist bereits die fünfte in der Geschichte. Das moderne Bauwerk von Giovanni Muzio wurde 1969 geweiht und ist ein wuchtiges architektonisches Kind seiner Zeit.

Auch an diesem Ort ist Geschichte auf mehreren Ebenen erlebbar: Auf den Überresten der byzantinischen Kirche entstand einst die Kreuzfahrerkirche und darauf das moderne Gotteshaus – alles miteinander verbunden und sichtbar unter der großen Kuppelhalle. Höhepunkt für Gläubige aus aller Welt: einen Blick in die Verkündigungsgrotte zu werfen. Schön sind auch die Mariendarstellungen aus aller Welt, die die Wände des Innenhofs schmücken.

Bescheiden wirkt dagegen die Kapelle auf dem Berg der Seligpreisung in der Nähe von Tabgha am nördlichen Ufer des Sees Genezareth. Der Hügel, von dem es einen schönen Ausblick auf den See und die umliegenden Berge gibt, ist als der Ort in der Bibel benannt, an dem Jesu die Bergpredigt gehalten hat.

Die schlichte, achteckige Kapelle mit der innen vergoldeten Kuppel als Symbol der Sonne und der umgebende Park mit Zypressen und Olivenbäumen gehören zu den Zielen klassischer Pilgerreisen. Vom Hügel aus ist in der Ferne eine weitere Glaubensstätte zu sehen: Der Berg der Verklärung, auf dem Moses seine Gesetzestexte verkündet haben soll.

Primatskapelle am See Genezareth: Dort ist Jesu seinen Jüngern nach der Wiederauferstehung erschienen. Foto: Daniela Jörger

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Primatskapelle am See Genezareth: Dort ist Jesu seinen Jüngern nach der Wiederauferstehung erschienen. Foto: Daniela Jörger

Zu den heiligen Stätten am See Genezareth zählt ebenfalls die direkt am Seeufer gelegene Primatskapelle aus schwarzem Basaltstein. Es ist vermutlich das sechste Bauwerk an dem Ort, an dem Jesu nach seiner Auferstehung seinen Jüngern erschienen ist. Der große Stein im Inneren soll jener sein, an dem das Mahl gehalten wurde, heißt es. Und dort soll Jesus auch Petrus mit dem Primat beauftragt haben. Einige Treppen führen hinunter an das Ufer des Sees Genezareth. Gäste aus aller Welt schießen heute dort Selfies und Fotos – und tauchen ihre Hand einmal in das Wasser.

Wiederum nicht weit entfernt liegt die Brotvermehrungskirche – der Ort, an dem Jesus Speisung der 5.000 mit der wundersamen Brot- und Fischvermehrung beschrieben ist. Der Bau im byzantinischen Stil bietet über den religiösen Bezug hinaus einige gut erhaltene Mosaikböden und einen schönen Innenhof.

Kapelle mit innen vergoldeter Kuppel: Der Berg der Seligpreisung ist als der Ort beschrieben, an dem Jesus die Bergpredigt gehalten hat. Foto: Daniela Jörger

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Kapelle mit innen vergoldeter Kuppel: Der Berg der Seligpreisung ist als der Ort beschrieben, an dem Jesus die Bergpredigt gehalten hat. Foto: Daniela Jörger

Mehrfach im Alten Testament erwähnt wird die Stadt Kafarnaum (auch Kapernaum) am nordwestlichen Seeufer, in der Jesus zeitweise im Haus des Petrus gelebt haben soll. Die Überreste dieses Gebäudes sind unter dem Glasboden der modernen, achteckigen Petruskirche zu sehen. Auch mehrere Jünger Jesu sollen aus Kafarnaum stammen.

Weiterer Höhepunkt auf der fünf Hektar großen archäologischen Ausgrabungsstätte sind die Überreste der reich verzierten Synagoge aus weißem Kalkstein mit ihren hohen Säulen, die auf einer ersten Synagoge aus dem ersten Jahrhundert errichtet wurde.

Um ein Vielfaches größer ist die Ausgrabungsstätte Bet Shee’an im nördlichen Jordantal. Schätzungen zufolge haben in der römischen Stadt 40.000 bis 50.000 Menschen gelebt. 749 n. Chr. wurde sie durch ein Erdbeben zerstört und geriet in Vergessenheit. Besucher und Besucherinnen können heute durch die eindrucksvolle Hauptstraße mit ihren monumentalen Säulen spazieren, einen Blick in die Wohngebäude der Römer werfen, das Badehaus, die Marktstände und das Amphitheater besuchen.

Und auch der atemraubende Treppenaufstieg auf den Berg Tel el-Hösn lohnt sich. Dort selbst wurden Siedlungsspuren aus der Bronzezeit gefunden. Vor allem aber ist es der Blick von oben auf die große römische Stadt, der begeistert – und damit auf jede Menge Geschichte, von der es in Israel so viel gibt.

Die Reise wurde unterstützt vom israelischen Tourismusbüro. Über Inhalt und Ausrichtung der Berichterstattung entscheidet alleine die Redaktion.

Ihr Autor

von BT-Redakteurin Daniela Jörger

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Erstellt:
17. April 2022, 18:30 Uhr
Lesedauer:
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