Von Schuhmacherwerkstatt zum Spezialisten

Kuppenheim (sawe) – Das Schuh- und Sporthaus Kolb besteht seit 100 Jahren in Kuppenheim und wird in dritter Generation geführt. Begonnen hatte der Familienbetrieb als Schuhmacherwerkstatt.

Das Schuh- und Sporthaus Kolb hat sich auf hochwertige Bekleidung und Ausrüstung zum Wandern, Bergsteigen und Klettern spezialisiert. Michael Kolb hier mit einer Auswahl der Schlafsäcke. Foto: Anne-Rose Gangl

© ANNE_ROSE GANGL

Das Schuh- und Sporthaus Kolb hat sich auf hochwertige Bekleidung und Ausrüstung zum Wandern, Bergsteigen und Klettern spezialisiert. Michael Kolb hier mit einer Auswahl der Schlafsäcke. Foto: Anne-Rose Gangl

Wandern ist im Trend. In der Corona-Zeit haben viele Menschen die Lust auf Bewegung in der freien Natur wieder neu entdeckt. Dies merkt auch das Schuh- und Sporthaus Kolb in Kuppenheim, das sich auf hochwertige Bekleidung und Ausrüstung zum Wandern, Bergsteigen und Klettern spezialisiert hat. Trotz Corona und Lockdown in der Vergangenheit – die Umsätze konnten weitgehend gehalten werden. Der Familienbetrieb besteht bereits seit 100 Jahren und wird in dritter Generation geführt.

Modeschuhe gespendet

Im Jubiläumsjahr gibt es zwei Neuerungen: Das Geschäft wurde renoviert und umgestaltet und hat sich von dem Segment Modeschuhe für Damen und Herren getrennt: Davon konnten gleich mehrere DRK-Ortsvereine profitieren, die rund 1.500 Paar Schuhe gespendet bekamen. Rund 400 Paar gehen zudem an die Medie-Ambulanz in Kuppenheim, erläutert Michael Kolb, der zusammen mit seinem 59-jährigen Bruder Harald Kolb die Geschäfte führt. Der Bergsport- und Wanderbereich hätte immer mehr zugelegt, der Modebereich, noch in den 1970er-Jahren der Schwerpunkt, sei hingegen immer schwächer geworden, erklärt der 62-Jährige, „deshalb haben wir ihn im Endeffekt beerdigt“.

Das Geschäft in der Friedrichstraße war ursprünglich eine Schuhmacherwerkstatt, die Alfred Kolb am 24. Oktober 1922 gründete. Später wurde das Haus aufgestockt. „In der Anfangszeit wurden nur Schuhe repariert. Später dann kam auch der Verkauf von Schuhen hinzu“, erzählt Michael Kolb. Der Zweite Weltkrieg führte zu einem empfindlichen Rückschlag in der Geschäftsentwicklung. Nach Kriegsende musste beinahe wieder von Neuem begonnen werden, da außer dem leeren Haus nichts übrig geblieben war, heißt es in der Geschäftschronik, die auf der Homepage des Schuh- und Sporthauses veröffentlicht ist. In den 1950er-Jahren übernahm Egon Kolb zusammen mit seiner Frau Inge das Geschäft und nahm Bergschuhe ins Sortiment mit auf. 1965 wurde angebaut, in den 1970er-Jahren kam schrittweise die weitere Bergausrüstung hinzu. In den 1980er-Jahren gab es eine weitere Expansion des Bergsportmarkts. Grund: Die Nähe des Klettergartens Battert sorgte für eine Nachfrage an Kletterausrüstung. „Die strategische Entscheidung unseres Vaters war goldrichtig“, bestätigt heute noch Michael Kolb. 1995/96 folgte ein weiterer großer Umbau, um mehr Raum für Verkauf und Beratung zu schaffen. Im März 2006 starb Egon Kolb nach längerer Krankheit, die beiden Söhne führen die Familientradition weiter fort.

„Auf eigene Stärken konzentriert“

Ein Jahrhundert als Fachgeschäft in einer kleinen Stadt zu bestehen, das ist schon eine Besonderheit. „Die 100 Jahre haben wir auch nur erreicht, weil wir uns immer der neuen Entwicklung angepasst, aber auch auf unsere eigenen Stärken konzentriert und solide gearbeitet haben“, blickt der 62-Jährige zurück.

Im Jubiläumsjahr wurde der Laden, dessen äußeres Erscheinungsbild nicht diese Großzügigkeit im Innern vermuten lässt, für 70.000 bis 80.000 Euro grundlegend renoviert und umgestaltet. Auf rund 2.000 Quadratmetern Fläche bietet das Fachgeschäft auf drei Etagen ein großes Angebot. Dazu zählen Wander- und Bergsteigerjacken, Hosen in verschiedenen Längen und Stärken für Spaziergänger bis hin zu den Alpinisten, Trekking-, Berg- und Kletterschuhe, ebenso Rucksäcke, Schlafsäcke, Klettergurte, Kuppel- und Tunnelzelte sowie Outdoorbekleidung für Kinder. Auch wird ein Reparaturservice für Berg- und Kletterschuhe sowie für Daunen- und Goretex-Jacken angeboten. Die Kolbs haben sich nicht nur beim Warenangebot spezialisiert, sondern legen auch Wert auf eine qualifizierte Fachberatung. Die sechs Mitarbeiter sowie die beiden Geschäftsführer verfügen selbst über umfangreiche Erfahrungen im Berg-, Trekking- und Wandersport, berichtet Kolb, der schon mit 16 auf dem Mont Blanc war und heute noch Bergsteiger, Skifahrer, Radfahrer und Wanderer ist. Außerdem war er zehn Jahre Vorsitzender der Bergwacht Baden-Baden und leistet noch heute ehrenamtlich Bergwachtdienste am Battert.

Das Fachgeschäft mit seinem Sortiment – in dieser Branche eines der ganz wenigen in der Region – lockt denn auch Kunden aus einem weiten Umkreis von Offenburg bis Bruchsal, aus dem Murgtal bis Freudenstadt oder dem Elsass. Auch viele Karlsruher zählen zu den Stammkunden. Selbst ein Holländer hat schon einmal den weiten Weg nach Kuppenheim auf sich genommen, erzählt Kolb folgendes Schmankerl: Ein Motorrad mit holländischem Kennzeichen fährt vor, der Fahrer betritt den Laden. Er will wandern gehen, Schuhe fürs Ötztal haben. Er wollte unbedingt Landstraße fahren und habe im Internet geschaut, welches Geschäft für Berg- und Wanderschuhe auf der Strecke die beste Bewertung erhalten habe, erläutert der Holländer dem Geschäftsführer auf dessen Nachfrage. „Er hat seine Schuhe bekommen und obendrein noch ein paar Tipps von mir für die schönste Motorradstrecke ins Ötztal“, berichtet Michael Kolb schmunzelnd, der selbst Motorrad fährt.


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