Von Verkehrsberuhigung keine Spur

Ötigheim (as) – Anwohner der Schwarzwaldstraße Ötigheim klagen über Verkehrslärm und Raser. Sie fordern die Gemeinde zum Handeln auf.

Die Schwarzwaldstraße Ötigheim ist stark frequentiert. Immer wieder kommt es zu gefährlichen Situationen, berichten Anwohner. Foto: Anja Groß

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Die Schwarzwaldstraße Ötigheim ist stark frequentiert. Immer wieder kommt es zu gefährlichen Situationen, berichten Anwohner. Foto: Anja Groß

Mit ihrem mäandrierenden Verlauf, Tempo 30, Pflasterbelag, abgesenkten Gehwegen und Rechts-vor-links-Regelung wirkt sie auf den ersten Blick wie eine verkehrsberuhigte Zone – doch davon ist die Schwarzwaldstraße im Ötigheimer Neubaugebiet Hagenäcker weit entfernt. Anwohner klagen über Verkehrslärm und Raser und berichten von vielen gefährlichen Situationen für Kinder. Die Gemeinde weiß um die Problematik und sucht nach Lösungen. Ein Verkehrsplaner soll nun einbezogen werden.

Diverse Baustellen in Bietigheim verschärfen die Situation derzeit noch, berichtet Werner Paatsch, der das Thema jüngst bei der Kandidatenvorstellung zur Bürgermeisterwahl angesprochen hat. Seitdem werde die Verbindung zwischen Ötigheim und Bietigheim besonders stark frequentiert.

„Die Straße ist baulich eher für wenig Verkehr ausgelegt“, bringt Anwohner Dr. Werner Neumahr das Problem der Schwarzwaldstraße auf den Punkt: „Sie kann die Aufgabe als übergeordnete Straße nicht erfüllen“. Dass er ab 6 Uhr morgens wegen des Verkehrslärms das Schlafzimmerfenster schließen muss, sei zwar lästig, aber noch zu verkraften, meint er. Sorgen macht er sich vielmehr um die Kinder in der Nachbarschaft.

„Hier rasen sie besonders schnell“

Das bewegt auch Selma Karadag, Mutter von zwei kleinen Kindern, die am Ortseingang aus Richtung Bietigheim im ersten Haus auf der linken Seite wohnt. „Hier rasen sie besonders schnell, weil sie den Blitzer und das Ortsschild passiert haben und wieder Gas geben“, beobachtet sie. Vergangenes Jahr sei der Kater der Familie überfahren worden. „Ich habe wirklich Angst, dass es ein Kind erwischt“, sagt sie. Denn der kleine Spielplatz im Neubaugebiet sei ein beliebter Treffpunkt. Doch um dorthin zu gelangen, müssten viele Kinder die Straße queren, auf der die meisten trotz Tempo 30 und Warnschildern „Achtung Kinder“ zu schnell unterwegs seien und im Begegnungsverkehr auch gerne mal über den Gehweg ausweichen. Dadurch sei es schon zu einigen gefährlichen Situationen gekommen.

Einige Anwohner haben sich deswegen auch an die Gemeinde gewandt. „Da war Gefahr im Verzug, deshalb haben wir den Gehwegbereich mit Warnbaken abgesperrt“, berichtet Bürgermeister Frank Kiefer. Als „effektive Maßnahme“ werten das die Anlieger. „Das Tempo verringert sich, aber nur bei Gegenverkehr, und als Fußgänger fühle ich mich wesentlich sicherer“, sagt eine Anwohnerin.

Als besonders heikle Stelle sieht sie aber auch den Bereich ab den Mehrfamilienhäusern am Kreisverkehr in Richtung Spielplatz auf der rechten Seite. „Dort habe ich schon mehrmals miterlebt, wie Kinder vom Spielplatz kommend einfach über die Straße rannten“, erzählt sie. Es sei dort zu undeutlich gekennzeichnet, dass eine Straße beginnt. Die Wahrnehmung müsste beispielsweise durch versetzt gesetzte Zäune geschärft werden, meint sie.

Gemeinde will Thema „sauber abarbeiten“

Eine Verkehrsberuhigung der Straße durch Blumenkübel empfiehlt eine andere Anwohnerin. Zebrastreifen oder einen sogenannten Verkehrssmiley, der die Geschwindigkeit misst und anzeigt, lautet ein weiterer Vorschlag. Deutliche Hinweise auf Tempo 30, beispielsweise auf die Straße aufgemalt, regen andere an. Beantragt sei auch ein Durchfahrtverbot für Lkw. Ohne Blitzer und verschärfte Verkehrskontrollen werde es nicht gehen, meinen aber viele. Falsch platziert finden in diesem Zusammenhang alle den Blitzer an der Ortseinfahrt aus Richtung Bietigheim im Tempo-70-Bereich kurz vor dem Ortsschild Ötigheim. „Zur Temporeduzierung bringt der gar nichts“, sind sie sich einig.

Mit Blick auf die im Juni geplante Aldi-Eröffnung in Ötigheim befürchten viele Bewohner des Neubaugebiets zudem eine Verstetigung der Verkehrsströme auf der Schwarzwaldstraße. Denn dass die Bietigheimer für den Weg zum Einkaufen die neue B36 benutzen, scheint utopisch, weil das ein Umweg ist. Andersherum fahren die Ötigheimer zum Edeka im Bietigheimer Süden schließlich auch diesen Weg. Und die frühere B36, die Umgehungsstraße hätte sein können, wurde im Bereich Hagenäcker vor vielen Jahren zugunsten der Wohnbebauung gekappt.

Die Anlieger suchen nach Lösungen, und auch die Gemeinde will das Thema „sauber abarbeiten“, betont der Bürgermeister. So sei eine Verkehrszählung mit Blick auf ein Verkehrskonzept für ganz Ötigheim angedacht – allerdings erst 2022, wenn der Ist-Zustand nach der Aldi-Eröffnung mit einfließen kann.

Erste Lösungsansätze könnte ein geplantes Gespräch mit Gemeinderäten und dem Verkehrsplanungsbüro vor Ort bringen, zu dem unter Corona-Vorgaben auch einige Anlieger eingeladen werden sollen. Es gehe darum, gemeinsam mit Fachleuten den Ist-Zustand zu erfassen und Ideen zu sammeln, wie die Situation verbessert werden kann.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Anja Groß

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Erstellt:
7. Mai 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 09sec

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