Von der Normalität noch weit entfernt

Rastatt/Durmersheim (as/fuv) – Die Erwartungen waren teilweise hoch, doch es ist keinesfalls der Schulalltag, wie ihn Schüler und Lehrkräfte vor der coronabedingten Zwangspause kannten.

Mit Abstand und Maske in der Hardtschule Durmersheim: Jana, Tim und Bruno mit Lehrer Christian Hornung. Foto: Vetter

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Mit Abstand und Maske in der Hardtschule Durmersheim: Jana, Tim und Bruno mit Lehrer Christian Hornung. Foto: Vetter

Maskenpflicht, Abstandsregeln, kleine Unterrichtsgruppen, strenge Hygieneregeln, getrennte oder zeitversetzte Pausen, Online- und Präsenzunterricht – „von regulärem Alltag sind wir noch ganz weit entfernt“, stellt Bernhard Marzluf, Schulleiter der Handelslehranstalt (HLA) Rastatt und geschäftsführender Schulleiter der beruflichen Schulen in Rastatt, fest.

Am Eingang zur Durmersheimer Hardtschule sind zwei Desinfektionsmittelspender installiert, auf einem Tisch daneben liegen genähte Mund-Nasen-Schutzmasken. Verteilt auf zwei Räume bereiten sich die Zehntklässler der Gemeinschaftsschule auf die Abschlussprüfungen vor. Von den 25 Pennälern haben sich 18 für den Unterricht in der Schule entschieden, die restlichen nutzen weiter „School@home“. Erster Schultag nach der Corona-Zwangspause.

Jana, Tim und Bruno gehen mit Lehrer Christopher Hornung Matheübungen durch. An den Online-Unterricht hätten sie sich schnell gewöhnt, blicken die drei zurück. Jana hat zuhause das „Schulgefühl“ und die damit verbundene Konzentration vermisst. „Ich bin froh, wieder hier zu sein“, stellt sie fest. Auch Bruno und Tim fehlte der schulische Druck etwas.

Störend findet Tim die Maske, die alle Schüler und Lehrer auch im Unterricht trotz des Sicherheitsabstands tragen – darauf hatten sich Hardt- und Realschule in einem Gespräch mit Bürgermeister Andreas Augustin geeinigt, erklärt Schulleiter Volker Arntz. „Man versteht sich so schlecht“, sagt Tim.

Präsenz- und Onlineunterricht wird angeboten

Rund 35 Prozent der Schüler aus den fünf Abschlussklassen sind zu Hause geblieben und nutzen weiter den Online-Unterricht, berichtet Arntz. Etwa 90 Schüler aus der neunten und zehnten Klasse seien zum Präsenzunterricht erschienen. Sie werden von vier Lehrkräften unterrichtet, weitere vier betreuen das Fernlernen, das die Schule vom ersten Lockdown-Tag an bot. Um Dopplungen zu vermeiden, nutzen den Unterricht per Videokonferenz nun auch die, die in der Schule sind.

Vor den anstehenden Prüfungen haben die drei vor allem wegen Mathe ein mulmiges Gefühl; das sei das Problemfach, bekennen sie. „Manchen tut es gut, wieder hier zu sein, weil sie hier besser arbeiten können und den direkten Kontakt zur Lehrkraft brauchen“, stellt auch Arntz fest. Deshalb erwägt er, nach einer Anlaufphase auch Einzelne aus den Klassen fünf bis acht wieder an die Hardtschule zurückzuholen. Schwer falle es Schülern und Lehrern, immer an den Abstand zu denken. „Das Social Distancing müssen alle noch üben“, hat er gestern beobachtet.

Das bestätigt auch Bernhard Marzluf. 330 Schüler kehrten gestern an die HLA zurück. „Die Klassen sind in der Regel auf drei Gruppen aufgeteilt, die Fachlehrer machen zeitversetzte Durchläufe“, erklärt der Schulleiter, in 70-Minuten-Einheiten, danach 20 Minuten Pause. Präsenzunterricht gibt es nur in den Prüfungsfächern. Parallel dazu muss der Online-Unterricht für die anderen Schüler gestemmt werden. „Das ist ein Stück weit die Quadratur des Kreises“, befindet Marzluf. Er ist froh über die Solidarität im Kollegium: Wer keine Abschlussklasse unterrichtet oder keinen Präsenzunterricht halten darf, übernimmt Pausenaufsichten oder Korrekturen. Insgesamt zeigte er sich ebenso wie Arntz jedoch zufrieden mit dem ersten Schultag.

Nicht einfach ist das lernen zuhause

Sorgenvoll blicken Anna, Beat und Catharina (Namen von der Redaktion geändert) auf das bevorstehende Abitur an der HLA. Das Lernen zuhause während der vergangenen Wochen sei nicht einfach gewesen: Alle drei haben große Familien, sodass die nötige Ruhe zum Lernen teils fehlte. Sie vermissten zudem die Lerngruppen, die zur Abi-Vorbereitung gebildet worden waren. Nachhilfe war nicht möglich, das vorgesehene Vorbereitungsangebot durch die Lehrer während der Osterferien sei ebenfalls ausgefallen. Und dann machen den drei jungen Frauen auch noch die Angst vor einer Ansteckung und die verlängerte Abiturprüfungsdauer Sorgen.

Marzluf wiederum muss in zwei Wochen in drei Schularten parallel schriftliche Prüfungen durchführen, die sonst auf zwei Monate verteilt sind. Dazu kommt die Vorbereitung der Berufsschul-Abschlussprüfungen nach den Pfingstferien und mögliche Nachprüfungen. Es gebe zudem viele offene Fragen, beispielsweise bezüglich des Sportabiturs. Weder Training noch praktischer Unterricht waren und sind möglich. Überhaupt: Die Rückkehr zum Normalbetrieb sieht der Schulleiter noch in weiter Ferne.

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Erstellt:
5. Mai 2020, 16:00 Uhr
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