Von der Viehhütte zum Ausflugslokal des Jahres

Gernsbach (friz) – Die Geschichte der Grünhütte beginnt im 18. Jahrhundert, als die Hochflächen zwischen Gernsbach und Wildbad beweidet wurden.

Grünhütte um 1910: Links das Wohnhaus Mutterer, in der Mitte der „altdeutsche Saal“ (beides 1965 abgebrochen). Anstelle des Gartenhauses (rechts) war 1918 ein Blockhaus errichtet worden, das heute noch Herzstück der Waldgaststätte Grünhütte ist. Repro: Friedbert Zapf

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Grünhütte um 1910: Links das Wohnhaus Mutterer, in der Mitte der „altdeutsche Saal“ (beides 1965 abgebrochen). Anstelle des Gartenhauses (rechts) war 1918 ein Blockhaus errichtet worden, das heute noch Herzstück der Waldgaststätte Grünhütte ist. Repro: Friedbert Zapf

Die Waldgaststätte Grünhütte ist bei den Schwarzwald Genuss-Awards 2021 zum Ausflugslokal des Jahres gekürt worden (wir berichteten). 2018 sei angeblich im Zuge der Umbauarbeiten überlegt worden, die Fassade grün anzustreichen – Grünhütte eben. Gott sei Dank blieben die Farbeimer damals geschlossen. Denn die Grünhütte war niemals grün, einst hieß sie Grinnhütte oder Grindhütte – gemeint ist die Hütte auf dem Berg (Grind). Gut also, wenn man die Geschichte kennt.

Sie beginnt im 18. Jahrhundert, als die Hochflächen beweidet wurden. Auch Wildbad besaß eine Viehherde und hatte einen Hirten verpflichtet. Die Forstbehörde gestattete 1739, eine „Vieh Hütten auf den Bergen bey dem sogenannten wilden See auferbauen zu dürfen“. Um 1760 war aus der Hütte bereits ein „Häußlen“ geworden, in dem der Hirte Johann Michael Mössinger mit seiner Familie wohnte. Tochter Maria Franziska heiratete den Tiroler Simon Magenreuter, ihre Schwester Ursula einen Joseph Mutterer aus Todtmoos. Die beiden Einwanderer bauten zwei Häuschen und verdienten ihr Geld als Holzhauer; der Export starker Tannen nach Holland hatte gerade seinen Höhepunkt erreicht.

Simon Magenreuter war zudem als Hirte in die Fußstapfen seines Schwiegervaters getreten. Als Magenreuter 1786 starb, bewarb sich seine Witwe Maria Franziska selbst um das Hirtenamt, um mit ihren sechs Kindern auf der Grünhütte wohnen bleiben zu können. Doch der „Tirolerin“ wurde Jakob Dorn als Hirte vorgezogen. Als dieser 1788 die Herde auf die Sommerweide trieb, überzog ihn die resolute Witwe mit wüsten Beschimpfungen und wurde handgreiflich. Dafür sollte sie „vier Tag lang bei Wasser und Brod“ eingesperrt werden.

„Die männlichen Bewohner erwerben ihr Brot als Taglöhner“

1819 wohnten in der Grünhütte eine evangelische und eine katholische Familie, zusammen 20 Einwohner. „Die männlichen Bewohner erwerben ihr Brot als Taglöhner“, heißt es. Noch 1860 wurde die Hochfläche beweidet und das Vieh am Abend zur Grünhütte getrieben. Und zaghaft begann die Gastronomie: „Der Wanderer kann sich hier in dieser einsamen Gegend an einer guten Milch, welche die Bewohner des Ortes gerne reichen, erquicken.“

Inzwischen war das Wandern zum gesellschaftlichen Trend geworden, und seit 1908 beförderte die Bergbahn die Kurgäste von Wildbad herauf. Die Grünhütte profitierte von dieser Entwicklung. Um das Jahr 1900 hatte sie sich unter Hermann Mutterer eine veritable Waldgaststätte etabliert. Nach Mutteres Tod empfahl seine Witwe 1910 „den Kurgästen und Touristen meine Wirtschaft. Neuer, in altdeutschem Stil erbauter Saal. Gartenwirtschaft. Kalte und warme Speisen. Gute Bedienung. Mäßige Preise.“ Mit dem Saal ist ein zehn Meter langes, an das Fachwerkhaus anschließende Gebäude gemeint. 1918 wurde anstelle des Gartenhauses ein uriges Blockhaus als Schenke errichtet, dort kehrten die einfachen Wanderer ein, der „altdeutsche Saal“ blieb den noblen Kurgästen vorbehalten.

Seit den 1930er-Jahren war das alte Fachwerkhaus in Grünhütte Dienstsitz des staatlichen Forstrevierleiters Fritz Mutterer. Seine Familie betrieb die „Waldwirtschaft und Pension“. Als Familie Mutterer 1965 von der Grünhütte abzog, ließ die Forstverwaltung das baufällige Haus samt angebautem Saal abreißen und das Blockhaus zur „Wandergaststätte“ umbauen. Diese wurde 1966 an die Brüder Fritz und Ewald Schraft aus Nonnenmiss verpachtet.

Im Besitz des Landes Baden-Württemberg

In den 1980er-Jahren erfolgten der Bau einer Kleinkläranlage und die Installation eines Generators, 1993 kam noch eine Solarstromanlage hinzu. Anfang der 2010er-Jahre stieg die Zahl der Gäste noch einmal merklich an. Dann trat nach dem Tod von Fritz Schraft Sohn Jürgen in den Pachtvertrag mit dem Land ein. 2014 beauftragte der Landesbetrieb ForstBW die staatliche Bauverwaltung mit der dringend erforderlichen Sanierung und dem Neubau eines Funktionsgebäudes. Am 7. Juni 2018 schließlich erfolgte die Einweihung durch Forstminister Peter Hauk.


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