Von grinsenden Kickern und Penis-Suchbildern

Von Moritz Hirn

Baden-Baden (moe) – Moritz Hirn beschäftigt sich in der BT-Sportkolumne mit Kuriositäten rund um Mannschaftsfotos.

Von grinsenden Kickern und Penis-Suchbildern

89 Prozent reichen zur Gute-Laune-Meisterschaft: Das Mannschaftsbild des SC Freiburg aus der Saison 2019/20. Foto: Patrick Seeger/dpa

Pythagoras würde wahrscheinlich vor lauter Freude in die Luft springen, mit rechtwinklig abgespreizten Beinen versteht sich: Blitztabellen, Livedaten zur Laufleistung, Wahrscheinlichkeiten für den nächsten Eckball, die vorentscheidende Rote Karte, das letzte Tor des Spiels. Schon rund 500 vor Christi Geburt wusste der Weltmeister der euklidischen Geometrie und griechische Hypotenusen-Gott, dass das Wesen aller Dinge die Zahl ist. Auch und gerade im Sport, wo sich Statistiker von Spieltag zu Spieltag die Finger wund forschen.

Otto Normalfußballer hingegen läuft bisweilen Gefahr, sich ein Schleudertrauma einzufangen vor lauter Kopfschütteln angesichts der Vielzahl – und Trivialität – an Daten, die Woche für Woche erhoben werden. An anderer Stelle war dies auch schon Thema einer BT-Kolumne. Im aktuellen Fall haben mal wieder die Kollegen der Internetplattform „onlinecasinosdeutschland.de“ ihre Hirn(s)-Windungen in einen geistigen Schraubstock gesteckt und eine neue Analyse herausgequetscht. Auf den ersten Blick kann man da nur müde lächeln – was eigentlich ganz passend ist, schließlich haben die Analysten die Gesichtsausdrücke der Fußball-Bundesligisten untersucht, sozusagen als ultimativer Lächel-Vergleich.

Forschungsobjekt waren die aktuellen Mannschaftsbilder der 18 besten Proficlubs des Landes. Die erste bahnbrechende Erkenntnis: Der ruhmreiche FC Bayern München sowie der Emporkömmling RB Leipzig haben am wenigsten zu lachen. Die Grinse-Quote der Protagonisten auf den beiden Fotos beträgt in beiden Fällen niederschmetternde null Prozent. Keine Regung, kein freundliches Zwinkern, kein Schmunzeln. Nichts. Und das schon im zweiten Jahr hintereinander, denn untersucht wurde nicht nur das Bild der aktuellen, sondern auch das der Vorsaison. Wobei sich die Laune angesichts der Corona-Wirrungen offensichtlich nochmals verschlechtert hat, denn 2019/20 lächelten immerhin noch vier Prozent der abgelichteten Fußballer, interessanterweise bei Bayern und bei RB.

Am anderen Ende der Gute-Laune-Tabelle hat derweil der SC Freiburg seinen Titel aus der Vorsaison eindruckvoll verteidigt – und den eigenen Frohsinn von 89 auf stattliche 93 Prozent gesteigert. Aus dem Almanach der ausrangierten Sprüche lässt sich diesbezüglich folgendes Bonmot recyceln: „Über Baden lacht die Sonne, über die Bayern die ganze Welt.“

Deutscher Vizemeister in Sachen Freude – und jetzt bitte ausnahmsweise nicht lachen – ist mit 82 Prozent übrigens der FC Schalke 04, Grinse-Meister der Herzen – aber mal wieder kein Titel. In die Champions League schaffen es immerhin noch Bayer Leverkusen (82) und die Schwaben vom VfB Stuttgart, wo man ansonsten bekanntlich zum Lachen in den Keller geht.

Rückschlüsse auf die Korrelation von Lachen und sportlichem Erfolg haben die Forscher übrigens keine hergeleitet, wobei auf den ersten Blick klar ist, dass sich gute Laune und Titel offenbar umgekehrt proportional zueinander verhalten, wie das Beispiel der Quintuple-Bayern zweifelsfrei beweist.

Fessel am Fuß, Verfahren am HalsViel spannender ist ohnehin die wenig wissenschaftliche Frage, welche Reaktionen Mannschaftsbilder immer wieder hervorrufen – auch da ist vom Kopfschütteln bis zum Lachanfall wirklich alles dabei. Einer der prominentesten Schnappschüsse: Das Teamfoto des FC Schalke 04 aus der Saison 2000/01. Rein sportlich konnte Thorsten Legat bei den Knappen nicht wirklich überzeugen, dafür blieb er anderweitig in humorvoller Erinnerung. Beim obligatorischen Fotoshooting zog sich Legat seine weiße Hose bis über den Bauchnabel und war im Hein-Blöd-Look auf allen offiziellen Vereinsbildern zu sehen. Die Erklärung des späteren RTL-Trash-TV-Stammspielers: „Ja, ich war immer für einen Joke gut. Aber was soll ich machen? Wenn mir zwei Kollegen 1000 Mark für die Aktion bieten, dann wäre ich ja doof, wenn ich es nicht machen würde“. Dumm nur, dass Legat das Zehnfache der Kohle – dem Vernehmen nach waren Olaf Thon und Andy Möller die beiden Anstifter – als Strafe bezahlen musste. Kasalla!

Deutlich mehr Ärger hat sich ein Footballspieler der Red Mountain High dereinst in den USA eingehandelt. Hunter Osborn ließ beim Fototermin sein bestes Stück bis dato unbemerkt aus der Hose baumeln – und ist damit, wie die Recherchen zu dieser Kolumne ergeben haben, wahrlich kein Einzelfall. Die Folgen allerdings sind ziemlich einmalig: Bei jedem Heimspiel wurde das Penis-Suchbild in der Stadionzeitung abgedruckt, Tausende Kopien wurden in ganz Arizona verteilt. Ein ganzes Jahr lang hat die Freiluftaktion des damals 18-Jährigen niemand bemerkt, irgendwann allerdings hat dann die Polizei doch noch Ermittlungen aufgenommen. Die Folge: Osborn war zeitweise in polizeilichem Gewahrsam, musste eine elektronische Fußfessel tragen und sich obendrein in 69 Fällen wegen Entblößen in der Öffentlichkeit verantworten. 69 Personen waren anwesend, als auf den Auslöser gedrückt wurde.

Berühmter Flitzer

Im April 2001 hat es Karl Power zu seinen ganz persönlichen 15 Minuten Ruhm geschafft: Getarnt als Fotograf samt Presseausweis schaffte es der ehemalige Boxer vor dem Champions-League-Spiel zwischen Bayern München und Manchester United nicht nur in den Innenraum des Olympiastadions, sondern kurioserweise sogar auf das offizielle Mannschaftsfoto kurz vor dem Anpfiff. Im Trikot von Eric Cantona – eine gewisse Ähnlichkeit ist nicht von der Hand zu weisen – schmuggelte er sich neben ManU-Stürmer Andy Cole: breitbeinig, mit stolzgeschwellter Brust und vor allem unbemerkt. Nicht nur als Zwölfter Mann hat sich der Flitzer einen kraftvollen Namen gemacht, einige Zeit später schaffte er es auch noch auf den Heiligen Rasen in Wimbledon sowie aufs Podium beim Formel-1-Rennen in Silverstone.

Während auf dem ManU-Bild eine Person zu viel zu sehen war, fehlte auf dem Mannschaftsfoto des FC Augsburg der Saison 2019/20 ein Akteur: Martin Hinteregger. Der Abwehrspieler hat den offiziellen Termin schlichtweg geschwänzt, was aus Sicht des Österreichers nicht verwunderlich ist, schließlich wollte er unter allen Umständen weder für den FCA auf dem Bild, noch auf dem Platz stehen. Letztlich streikte sich der Abwehrrecke erfolgreich zurück zu Eintracht Frankfurt. Dort wurden natürlich auch vor der aktuellen Saison wieder Kaderbilder gemacht. 93 Prozent blicken ernst drein – unter anderem Martin Hinteregger.

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