Vor 25 Jahren: Start frei für Baden-Airport

Rheinmünster (jo) – Gespannte Erwartung vor 25 Jahren: Die Aufnahme eines zivilen Flugbetriebs auf dem seit 1993 verwaisten Fliegerhorst „Baden-Söllingen“ der kanadischen Streitkräfte steht bevor.

„Baden-Airport“ als Teil des Baden-Airparks: Der Tower hier noch mit dem ursprünglichen Schriftzug aus den Anfangsjahren ziviler Nutzung. Foto: Joachim Eiermann/Archiv

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„Baden-Airport“ als Teil des Baden-Airparks: Der Tower hier noch mit dem ursprünglichen Schriftzug aus den Anfangsjahren ziviler Nutzung. Foto: Joachim Eiermann/Archiv

Der Schriftzug „Baden-Airport“ prangt auf einem weiß angepinselten, zuvor im Natogrün „getarnten“ Tower. Doch die Vorfreude der Betreiber ist noch verhalten.
Nachdem sich die Gemeinden Rheinmünster und Hügelsheim mit den privaten Gesellschaftern der Baden-Airpark AG auf eine Vereinbarung zu Flugzeiten und Lärmschutz verständigt haben, ist es letztlich keine Überraschung mehr, als der damalige Verkehrsminister Hermann Schaufler (CDU) Mitte August die luftrechtliche Genehmigung erteilt. Der Start des neuen Kapitels ziviler Luftfahrt in Mittelbaden ist auf 20. September terminiert. Eine Manko ist: Vorerst sind technisch nur Sichtflüge möglich.

Mallorca im Blick

Einen Allwetter-Betrieb kann nur ein Instrumenten-Landesystem gewährleisten (ILS), das erst noch installiert werden muss. Denn angepeilt werden insbesondere Linien- und Charterverkehre. So gibt es erste Kontakte mit Regional-Fluggesellschaften und einem Touristik-Veranstalter, wie der Vorstandsvorsitzende Jürgen Morlok gegenüber Journalisten erklärt. Im Fokus hat er als erste Destination Palma de Mallorca. „Sobald wir die Zusage haben, werden wir den Bau einer Abfertigungshalle in Angriff nehmen.“

Konkret geht es zunächst jedoch darum, den Flughafen mit dem Kürzel FKB für den Sichtflug auszustatten. Den privaten und gewerblichen Luftverkehr der Flugplätze Baden-Oos und Karlsruhe-Forchheim sukzessive von dort nach Söllingen zu verlagern, ist Bestandteil der getroffenen Vereinbarungen mit der Politik. Zu installieren sind meteorologische Geräte wie Wettermasten und -fahnen sowie Wolkenhöhen- und Entfernungsmesser.

Umgerechnet rund 1,2 Million Euro machen die privaten Betreiber in dieser Startphase locker. So beschränkt sich die Sanierung des Towers nicht nur auf neuen Anstrich und neues Mobiliar für die Flugleiter, sondern erfordert auch eine Investition in die Funktionalität.

Funktechnik erforderlich

Den Baden-Airport mit Funktechnik auszustatten, ist ein lukrativer Auftrag. Die Ausschreibung gewinnt Becker Flugfunk, ein Unternehmen, das sich im Söllinger Gewerbepark angesiedelt hat. Außerdem werden die Feuerwehrhalle saniert und ein gebrauchtes Löschfahrzeug beschafft. Als nächste Zwischenschritte auf dem Weg zum Verkehrsflughafen stehen Beleuchtungsanlagen für die Start- und Landebahn sowie Gerätschaften für den Winterdienst auf der Erwerbsliste.

Airpark-Vorstandsvorsitzender Jürgen Morlok liebäugelt mit Flügen nach Mallorca. Foto: Joachim Eiermann/Archiv

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Airpark-Vorstandsvorsitzender Jürgen Morlok liebäugelt mit Flügen nach Mallorca. Foto: Joachim Eiermann/Archiv

Das grüne Licht aus dem Stuttgarter Verkehrsministerium ist auch Wasser auf die Mühlen der Baden-Airpark-Betriebsgesellschaft, die für Firmen-Ansiedlungen auf der großflächigen früheren Air-Base wirbt. „Der Flugbetrieb ist eine wesentliche Voraussetzung für die Umsetzung des Gewerbeparks in Söllingen, argumentiert Hermann Merks, Geschäftsführer der Betriebs-GmbH. Die luftrechtliche Genehmigung schaffe Plansicherheit.

Der Verkehrsminister hat für seinen Beschluss Sofortvollzug angeordnet. Das bedeutet: Juristische Einsprüche sollen de facto nicht mehr verhindern können, dass in Söllingen Flieger starten und landen. Eine Klage seitens der Stadt Rastatt liegt noch in der Luft, zumal aus der Barockstadt immer wieder Bedenken und Vorbehalte vorgebracht wurden mit dem Ziel, das Projekt zu blockieren. Der damalige Rastatter Oberbürgermeister Klaus-Eckhard Walker (SPD) und der dortige Gemeinderat nehmen schlussendlich aber Abstand davon, Rechtsmittel einzulegen, da deren Gutachter keine Aussicht auf Erfolg sieht: „Ziemlich chancenlos“, heißt es.

Für Protest sorgt der Sichtflugbetrieb stattdessen schon im Vorfeld im Baden-Badener Rebland und im Bühler Stadtteil Weitenung. Dieser entzündet sich an den Pflichtmeldepunkten für Piloten beim Anflug in die Kontrollzone des Flughafens. Vorgesehen sind Einflugschneisen über der Yburg und dem Neubaugebiet „Eichet-Eichert“ in Weitenung, wo sich eine Bürgerinitiative bildet. Die Deutsche Flugsicherung präsentiert zur Befriedigung alternative Anfluglinien, die keine Wohnbereiche tangieren.

Dauerschallpegel nicht erwünscht

Krachmacher sind ohnedies unerwünscht. Die Lärmschutz-Vereinbarung, welche die Baden-Airpark AG mit den Gemeinden Rheinmünster und Hügelheim nach fast einjährigem zähen Ringen getroffen hat, schließt Starts und Landungen von Maschinen mit einem Dauerschallpegel von mehr als 62 Dezibel aus. Vereinbart sind außerdem maximal 60.000 Flugbewegungen pro Jahr, was dem Gesamtaufkommen von Oos und Forchheim entspricht. Diese beiden Verkehrslandeplätze werden schon bald zu großen Teilen zurückgebaut, machen Platz in Karlsruhe für die Messe und in Baden-Baden für Gewerbeansiedlungen.

Ihr Autor

Joachim Eiermann

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Erstellt:
27. August 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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