Vor Lockdown: Rastatter Innenstadt voll

Rastatt (galu) – Zwei Tage vor dem erneuten Lockdown ist von der Pandemie in Rastatt wenig zu spüren. Viele Menschen strömten am Montag in die Geschäfte. Besonders voll: Friseure und Einzelhändler.

Ungewohnt reger Betrieb herrscht am Montag in der Rastatter Poststraße. Foto: Lukas Gangl

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Ungewohnt reger Betrieb herrscht am Montag in der Rastatter Poststraße. Foto: Lukas Gangl

Es herrscht reges Treiben in der Rastatter Innenstadt am gestrigen Montag. In den Friseur-Salons wird – trotz eigentlichen Ruhetags – im Akkord geschnitten und frisiert, Zeit für ein Gespräch ist kaum zu finden. Bei den Einzelhändlern tummeln sich die Menschen, um ihre Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Außer der Maskenpflicht und dem eingehaltenen Abstand keine Spur von Pandemie. Auslöser: Der ab morgen geltende Lockdown. Dann wird es wieder still werden, denn Einzelhändler und Friseure werden wieder schließen müssen.
„Ich ergebe mich meinem Schicksal“, sagt Martina Döbereiner-Sachs mit resigniertem Ton. Die Inhaberin des „Schmuckparadies“ war vor dem Wochenende noch guter Dinge für das Restjahr gewesen. „Wir haben den besten Umsatz seit 2016, und jetzt müssen wir aufhören“, ärgert sie sich. Sie ist sich sicher: Mit dem Weihnachtsgeschäft hätte sie das Jahr noch retten können – aus der Traum. „Wir sitzen alle in einem Boot. Wenn die Leute so unvernünftig sind, muss es eben sein. Und es gibt immer noch genügend Unvernünftige“, resümiert Döbereiner-Sachs die Situation. Sie hofft, dass die Bundesregierung ein Hilfspaket für die Einzelhändler schnüren wird. „Sie müssen uns Hilfe geben, sonst ist die Stadt leer. Und leere Innenstädte nützen keinem.“

Mangelende Kontrolln beklagt

Ähnlich beurteilt auch Simon Yachthuber die Situation. Yachthuber ist Friseurmeister bei heartbeat Friseure in der Schiffstraße, auch er hat am eigentlichen Schließtag geöffnet. „Erst hieß es, wir können geöffnet bleiben, jetzt werden wir doch wieder geschlossen“, fasst er sein Unverständnis in Worte. Dank der strengen Auflagen in der Friseurbranche habe er seit einem Dreivierteljahr keinen positiven Corona-Fall bei seinen Mitarbeitern oder Kunden zu verzeichnen gehabt. Einen Grund für den erneuten Lockdown sieht er auch in mangelnden Kontrollen. Seit Mai, also dem Ende des ersten Lockdowns für seinen Betrieb, habe es keine Kontrolle für die Einhaltung der Maßnahmen in seinem Betrieb gegeben, sicherlich sei das auch in anderen Salons so gewesen. „Und da hätte sich sicherlich ein schwarzes Schaf gefunden“, bekräftigt er.

Vielerorts bilden sich Warteschlangen

„Es ist im Endeffekt das richtige Signal, um Kontakte möglichst zu beschränken, aber der falsche Weg“, findet Alexander Ferch. Er selbst sei jetzt auch unterwegs, um ein paar Weihnachtserledigungen zu machen, normalerweise hätte er sich noch ein paar Tage Zeit gelassen. „Wichtig war für dieses Jahr sowieso, dass die Leute bei den lokalen Einzelhändlern kaufen. Auch das geht jetzt nicht mehr“, merkt der Rastatter an.

Auch im Industriegebiet bei Octomedia stehen die Menschen Schlange. „Die Kunden sind nervös, ob sie ihre Ware noch bekommen“, berichtet Verkaufsleiter Murat Barkoci. Der Verlust sei nicht aufzufangen, dementsprechend herrsche auch große Unsicherheit bei den Mitarbeitern. „Die Telefone stehen nicht still, es fühlt sich an wie ein zweiter Black Friday“, fasst er den regen Zulauf zusammen.

„Es ist traurig, dass es soweit kommen musste, aber es ist absehbar gewesen“, findet Sabine Karle-Weiler, Sprecherin der Einzelhändler im Gewerbeverein RA³. „Es ist sowohl für die Händler schade, als auch für die Kunden, es wird jetzt eine andere Vorweihnachtszeit“, sagt sie. Sie ist überzeugt, dass „die Händler auch kämpfen werden“, man habe schon viele Krisen überwunden, so die Betreiberin des Modehauses Senger. Alles sei jetzt von der Dauer der Schließung abhängig. Sie würde sich wünschen, „dass der Standort Rastatt so erhalten bleibt, wie er ist.“ Ob das möglich sein wird, sei aber noch nicht abzusehen. Noch ist Karle-Weiler immerhin zu Scherzen aufgelegt: „Die, die sonst erst am 24. Dezember ihre Geschenke kaufen, die haben jetzt ein Problem“, sagt sie und lacht.

Auch am Abend nimmt der Kundenstrom bei Octomedia nur langsam ab – trotz fast zehnstündiger Öffnung. Foto: Lukas Gangl

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Auch am Abend nimmt der Kundenstrom bei Octomedia nur langsam ab – trotz fast zehnstündiger Öffnung. Foto: Lukas Gangl

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Erstellt:
15. Dezember 2020, 11:00 Uhr
Lesedauer:
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