Vorbereitung auf PFC-Fahne in Ötigheim

Ötigheim (yd) – Die Gemeinde Ötigheim will alle Brunnen erfassen und die Bürger informieren. Problematisch könnte die Bewässerung von Gärten werden.

Auch der Tiefbrunnen zur Bewässerung des Fußballplatzes wird von der Gemeinde stillgelegt. Foto: Yvonne Hauptmann

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Auch der Tiefbrunnen zur Bewässerung des Fußballplatzes wird von der Gemeinde stillgelegt. Foto: Yvonne Hauptmann

Post von der Gemeindeverwaltung dürfen die 2.000 Haushalte in Ötigheim ab der kommenden Woche erwarten. Darin enthalten: Ein Fragebogen zum Thema Brunnen. Da die PFC-Fahne laut Prognosemodell voraussichtlich im Jahr 2025 auch im Telldorf ankommen wird, will die Gemeinde rechtzeitig präventiv tätig werden.

Bürgermeister: Grundstücke könnten wertlos werden

Bisher sind die Werte der Ötigheimer Tiefbrunnen allesamt unauffällig, in einigen Jahren könnte sich das aber ändern. Dann wird die Grundwasserfahne, die die problematischen Chemikalien enthält, dort ankommen.

„Bei der Bewässerung von Pflanzen mit PFC-belastetem Grundwasser können sich diese Substanzen auch in der Pflanze anreichern und dadurch in den Körper gelangen. Beim Auftreten einer PFC-Fahne wird die Nutzung des Brunnens vom Gesundheitsamt daher mit sofortiger Wirkung untersagt. Das Ausbringen von PFC-haltigem Grundwasser im Garten führt zu einer langfristigen Kontaminierung des Bodens und mindert damit den Wert des eigenen Grundstücks“, schreibt die Gemeinde in ihrem Infobrief.

Bürgermeister Frank Kiefer wird noch deutlicher: „Der volkswirtschaftliche Schaden wäre immens. Ein Grundstück, das nur drei Wochen lang mit PFC-haltigem Wasser gegossen wird, ist danach quasi wertlos. Mal ganz davon abgesehen, dass es sich um eine Straftat handelt.“ Man habe sich deshalb dazu entschlossen, jetzt schon aktiv zu werden und die Bürger zu informieren.

Hohe Dunkelziffer vermutet

Zunächst muss aber ermittelt werden, wie viele „Eigengewinnungsanlagen für Grundwasser“ (also Brunnen) es in Ötigheim überhaupt gibt. Offiziell angemeldet sind rund 200, die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher liegen. Um einen Brunnen zu betreiben, muss offiziell eine Ausnahmegenehmigung beantragt werden, die Verwaltungsgebühr schlägt mit rund 25 Euro zu Buche – viele Brunnenbetreiber sparen sich diese. „Und sicher gibt es auch viele, die ein Grundstück gekauft haben, auf dem schon ein Brunnen geschlagen war, und die gar nicht wissen, ob er vom Vorbesitzer angemeldet wurde oder nicht“, so Kiefer.

Bürger sollen Brunnen melden

Die Gemeindeverwaltung ruft deshalb alle Ötigheimer dazu auf, ihre Brunnen bis Ende September anzumelden. Mitarbeiterin Corinna Wild wird die Fragebögen auswerten. „Es darf nicht passieren, dass die Leute aus Spargedanken heraus, ihre Brunnen weiter nutzen, wenn wir PFC im Grundwasser haben“, so Kiefer.

Sei die Fahne vorbeigezogen, könne man die Brunnen natürlich wieder in Betrieb nehmen, unterstreicht Kämmerer Sascha Maier: „Wir rechnen mit einer Stilllegung von etwa drei bis vier Jahren.“ Die Problematik betrifft dabei nicht nur die Privathaushalte im Telldorf, sondern auch die Gemeinde selbst: Diese bewässert nämlich die Rasenflächen des Sportplatzes in der Mühlstraße mit Wasser, das aus Tiefbrunnen gewonnen wird – und muss sich ebenfalls Alternativen überlegen. Geplant sei, die Stadionbewässerung im Zuge der Neugestaltung der Mühlstraße an die Trinkwasserversorgung anzuschließen und den Tiefbrunnen für einige Jahre stillzulegen.

Das Schlagen neuer Brunnen empfiehlt die Gemeindeverwaltung nicht. Es sei einfach nicht rentabel. Immerhin gebe es die Möglichkeit, sich einen sogenannten „Gartenwasserzähler“ zu installieren – anders als andere Kommunen verlange man dazu nicht einmal einen geeichten Zähler, es reiche ein „Teil aus dem Baumarkt“. Wer dieses installiere, könne somit von der Abwassergebühr befreit werden.

Sowohl Kiefer als auch Maier appellieren an die Ötigheimer Bürger, ihre Fragebögen bis zum 30. September ans Rathaus zurückzuschicken. Auch Negativmeldungen seien wichtig, sagt Corinna Wild: „Einfach, dass wir wissen, woran wir sind und wie der Bestand aussieht.“

Ihr Autor

BT-Redakteurin Yvonne Hauptmann

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Erstellt:
26. August 2021, 11:16 Uhr
Lesedauer:
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