Vorerst bleiben die Notfall-Ambulanzen

Murgtal (uj/ham/tom) – Die Zahl der Corona-Fälle ist im Murgtal bis dato gering. Dennoch wollen die Ärzte die aufgebauten Notfallzelte und umfunktionierten Sporthallen vorerst beibehalten.

Dr. Torsten Zuther lässt das Notfallzelt noch eine Weile neben seiner Praxis in Loffenau stehen. Foto: Metz/BT-Archiv

© ham

Dr. Torsten Zuther lässt das Notfallzelt noch eine Weile neben seiner Praxis in Loffenau stehen. Foto: Metz/BT-Archiv

Die fünf Murgtal Kommunen Gaggenau, Gernsbach, Forbach, Loffenau und Weisenbach haben sich mit Corona-Notstationen gewappnet, um einem eventuell heftigen Ausbruch Herr zu werden – doch überwiegend fielen Covid-19-Tests negativ aus. Eher hatten die Patienten eine normale Erkältung.

Der Umgang mit Corona-Fällen ist in den fünf Murgtal-Kommunen unterschiedlich: Die einen nennen die Zahl der Erkrankten, die anderen nicht.

In Loffenau (rund 2 500 Einwohner) gibt es bislang nur einen Fall zu melden, in Weisenbach (2 500 Einwohner) waren es derer fünf.

In Forbach (gut 4 700 Einwohner) orientiert man sich wie Gaggenau und Gernsbach am Landratsamt Rastatt, das keine Fallzahlen für einzelne Kommunen nennt. Doch die Forbacher verfolgen die Ausbreitung der Krankheit natürlich genau. Schließlich gilt die Nachbargemeinde Baiersbronn als ein Hotspot der Corona-Infektionen (siehe „Zum Thema“).

Gaggenau: „Zurzeit liegt Gaggenau bei 3,2 Prozent der Gesamtzahl an Erkrankungen im Landkreis“, heißt es aus dem Rathaus. Geht man von 512 gemeldeten Fällen im Landkreis aus (Stand 14. Mai), dann waren folglich 16 davon in Gaggenau zu verzeichnen. Die Große Kreisstadt zählt fast 30 000 Einwohner.

Gernsbach: Die Pressestelle der Stadt (gut 14 200 Einwohner) ist noch verschlossener als die in Gaggenau, gibt aber immerhin etwas Entwarnung: „Es sind erfreulicherweise niedrige Fallzahlen.“

In Gaggenau gab es in der Notfall-Ambulanz von Dr. Dietrich von der Hülst, die seit 1. April in der Bismarckstraße in Betrieb ist, fünf Patienten mit positiven Tests auf das Coronavirus. Im Schnitt wurden täglich etwa fünf bis zehn Patienten getestet. „Wichtig ist es, dass es eine räumliche Trennung gibt“, hebt von der Hülst hervor, der die Praxis mit Liuba Sandru betreibt. Bei ihm sei das recht einfach möglich. Die Notfall-Ambulanz befindet sich im Hof seiner Praxis. In der Regel werden Patienten mit Verdacht auf Corona ab 15 Uhr einbestellt. Am Montag waren es sieben, für Dienstag waren zwei angemeldet.

Wie seine Kollegen verzeichnet er weniger Patienten in den Sprechstunden. „Die Leute haben Angst“, weiß von der Hülst. Doch durch die räumliche Trennung gebe es mehr Sicherheit für alle Beteiligten. In der Bevölkerung spüre er aber immer noch Vorurteile. „Bei euch hole ich mir doch die Pest“, habe ihm kürzlich ein Patient gesagt. Der Mediziner geht davon aus, dass die Zahlen der Corona-Erkrankungen im Sommer weiter zurückgehen. Dennoch werde er die Notfall-Ambulanz bis einschließlich Juni vorhalten.

Räumliche Trennung bietet Sicherheit

Deutlich mehr los war bis jetzt bei der Infektsprechstunde der Praxis Dr. Kristina Schemel in der Flößerhalle in Hörden. Teilweise mussten dort bis zu 90 Patienten pro Tag behandelt werden. Nach Ostern seien die Zahlen zurückgegangen, sie liegen aktuell zwischen drei und 15 pro Tag, so Schemel. Menschen mit typischen Symptomen sowie Risikogruppen wurden dort untersucht.

Die Räume in der Flößerhalle, die von der Stadt zur Verfügung gestellt werden, sollen bis auf Weiteres genutzt werden. Denn man wisse zum Beispiel nicht, wie es im Herbst weiter geht und ob die Zahlen wieder steigen. Die Ärztin appelliert an die Patienten, zu den normalen Sprechstunden in die Praxis zu kommen und Krankheiten nicht zu verschleppen.

In Weisenbach gingen zwar alle fünf Fälle glimpflich aus und sind laut Rathaus nach Heimquarantäne durchweg genesen. Dennoch mag Hauptamtsleiter Walter Wörner noch keine Entwarnung geben.

Dr. Tanja Gerlach „überlegt täglich“, ob sie ihre Corona-Notfallstation in der Weisenbacher Sporthalle weiter betreibt. Aus anfänglich starkem Andrang, auch aus Gernsbach und Forbach, sei ein „mäßiger“ geworden. Die Zahl der Patienten reicht „von drei bis 15 täglich“, sagt die Hausärztin.

Überwiegend treibe einer der „vielen Erkältungseffekte“ die Leute aktuell in die Station. Die Medizinerin hält jedoch an dem Außenstandort vorerst fest, weil dies potenzielle Corona-Erkrankte von ihrer Praxis, den Patienten und den angestellten Ärzten und Mitarbeitern fernhält. „Die Praxis wäre sonst jeden Tag schwierig zu desinfizieren“, weiß Gerlach. Zudem sieht die Weisenbacherin einen weiteren Vorteil: Es sei „wichtig, die Patienten dort zu untersuchen und zu behandeln, auch wenn sich eine andere Diagnose“ als eine Corona-Erkrankung ergebe.

Dr. Torsten Zuther lässt sein Notfallzelt auf jeden Fall „noch eine Weile stehen“. Im Gegensatz zur Kollegin in Weisenbach muss der Loffenauer keine weiten Wege gehen, sondern hat das Zelt des Musikvereins direkt neben seiner Praxis aufgebaut und ausgerüstet. „Für mich ist das daher kein besonderer Aufwand“, erläutert der Hausarzt. Nachdem er zuletzt Urlaub hatte, nehme er derzeit täglich etwa „fünf, sechs Abstriche“ bei Corona-Verdacht vor.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.