Vorfreude auf Landesgartenschau in Rastatt

Rastatt (ema) – Eine achtköpfige Bewertungskommission des Landwirtschaftsministeriums hat sich vor Ort ein Bild von Rastatts Plänen für eine Landesgartenschau gemacht.

Auf einem Podest am Westring lässt sich die Delegation den Klimaschutzpark Kolbengarten erläutern. Fotos: Stadt Rastatt

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Auf einem Podest am Westring lässt sich die Delegation den Klimaschutzpark Kolbengarten erläutern. Fotos: Stadt Rastatt

Sollte Rastatt tatsächlich den Zuschlag für die Jahre 2032, 2034 oder 2036 bekommen, dann würde die Barockstadt eine „Landesgartenschau der anderen Art“ erleben. Davon ist zumindest Bürgermeister Arne Pfirrmann überzeugt, der gestern federführend die achtköpfige Bewertungskommission des Landwirtschaftsministeriums zu Eckpunkten des geplanten Geländes lotste. Ob Rastatt zum Zuge kommt, entscheidet sich im Herbst.
Coronabedingt lief die Visite am Mittwoch über zweieinhalb Stunden im kleinen Rahmen ab. Vor der Presse sprach Pfirrmann im Anschluss von einer „Positivstimmung“, die unter den Gästen angesichts einer „tollen“ und „sehr professionellen“ Präsentation spürbar gewesen sei. „Die Chemie hat gestimmt“, fügte Pfirrmanns Bürgermeisterkollege Raphael Knoth hinzu.

Bei der Fahrt im Elektrobus konnte die Jury einen Eindruck von den Plänen gewinnen. Station war zunächst das Schloss, dessen Park für eine Landesgartenschau neu gestaltet werden soll, wie Michael Hörrmann, Geschäftsführer von Schlösser und Gärten, erklärte. Dabei solle auch der ebenerdige Durchgang auf Dauer ermöglicht werden.

43 Hektar sehr üppig

Die historische Schlossachse spielt ohnehin eine wichtige Rolle im Konzept. Sie verbindet die Innenstadt mit dem Gartenschaugelände, soll im LGS-Jahr autofrei sein und so zur fußgänger- und radfahrerfreundlichen Verbindung vom Bahnhof bis zum Gartenschaugelände werden. Dabei wird auch eine engere Verzahnung mit dem Ried angestrebt.

Das ausgesuchte LGS-Areal – eingerahmt von Oberwaldstraße, Kehler Straße (Stadtpark), dem Stadtrand sowie dem Feld auf Höhe der Zufahrt zum Mercedes-Kundencenter – ist mit 43 Hektar im Vergleich zu Konzepten anderer Bewerber ziemlich üppig, wie Pfirrmann einräumt. Das biete die Möglichkeit, sehr differenziert Akzente zu setzen. Die Jury konnte sich ein Bild von mehreren Bausteinen der Machbarkeitsstudie machen: Bessere Zugänge zur Murg mit Entwicklung einer Flusspromenade, der Landschaftspark Oberwiesen mit Spiel- und Freizeitangeboten, der Klimaschutzpark Kolbengarten, in dem Flächen aufgeforstet werden, die Wiederbelebung einer Niedermoorlandschaft im Rastatter Bruch, die Aufwertung des Stadtparks mit Vergrößerung des Sees sowie ein klimaneutrales Wohngebiet auf Merzeau.

Unterstützung fand die städtische Delegation am Mittwoch von externen Befürwortern. Der Ottersdorfer Landwirt Simon Schaaf kann sich neue Modelle für eine ökologische Landwirtschaft vorstellen, auch wenn bewirtschaftete Flächen durch die Gartenschau verloren gingen. Christian Damm vom Aueninstitut sieht die Chance, die ans Gelände angrenzende Altrhein-Auenlandschaft als schützenswerte Kostbarkeit sichtbar zu machen. Und NABU-Biologe Martin Klatt setzt auf Möglichkeiten zum Natur- und Klimaschutz.

Bürgermeister Pfirrmann unterstrich die soziale Komponente. Die Landesgartenschau könne eine „integrative Kraft“ entfalten und dabei das „Wir-Gefühl und den Stolz auf die Stadt fördern“.

Vor den Kosten einer Gartenschau ist dem Bürgermeister dabei nicht bange. Die Ausgaben allein für die LGS lägen bei rund 41 Millionen Euro. Hinzu kämen Investitionen von 58 Millionen, die aber unabhängig von der Gartenschau anfielen, etwa für den Hochwasserschutz. Rastatt habe Rücklagen, so der Bürgermeister, und mit einer Gartenschau könne man außerdem neue Zuschuss-Töpfe nutzen.


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