Vorsichtiger Impfstart in Karlsruhe

Stuttgart/Karlsruhe/Rastatt (fk/win/bjhw) – Die Zentrale Impfzentren und die mobilen Impfteams nehmen ihre Arbeit ab Sonntag auf. Auch in Karlsruhe. Allerdings erst mal eingeschränkt.

Das Baden-Badener Kurhaus und die Schwarzwaldhalle in Bühl sind keine zentralen, sondern sogenannte Kreisimpfzentren. Sie starten den Betrieb erst ab 15. Januar. Foto: Monika Zeindler-Efler

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Das Baden-Badener Kurhaus und die Schwarzwaldhalle in Bühl sind keine zentralen, sondern sogenannte Kreisimpfzentren. Sie starten den Betrieb erst ab 15. Januar. Foto: Monika Zeindler-Efler

Ein Stuttgarter Pfleger wird den Anfang machen, bis Ende März könnten allein vom Biontech-Impfstoff 650.000 Baden-Württemberger profitieren. Ab Sonntag starten die ersten Impfungen im Land – allerdings erst mal nur in den zentralen Impfzentren wie Offenburg und Karlsruhe. Die regionalen Zentren – in Mittelbaden sind es Bühl und Baden-Baden – beginnen ihren Betrieb erst am 15. Januar.
Im zentralen Impfzentrum in der Messe Karlsruhe wird zunächst allerdings nur im Rahmen eines Probelaufs gegen das Corona-Virus geimpft – auch nur 15 bis 20 Menschen, die von Verantwortlichen des Städtischen Klinikums Karlsruhe ausgesucht werden. Das wurde am Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz bekannt.

Ebenfalls am Sonntag sollen zudem die ersten mobilen Impfteams Pflegeheime im Stadt- und Landkreis Karlsruhe ansteuern, um dort Mitarbeiter und Bewohner durchzuimpfen. In der Folge werden die fünf mobilen Impfteams des Impfzentrums auch Pflegeeinrichtungen in der Region ansteuern, je nachdem wie schnell von dort die nötigen Unterlagen eingereicht werden. Das zentrale Impfzentrum Karlsruhe ist zuständig für den Stadt- und Landkreis Karlsruhe, für den Enzkreis, die Landkreise Rastatt und Freudenstadt sowie für die Stadt Baden-Baden.

Weitere mobile Impfteams aus Mittelbaden werden erst mit dem Startschuss für die Kreisimpfzentren ihre Arbeit aufnehmen. Das sei „wie geplant frühestens Mitte Januar“ der Fall, bestätigte das Rastatter Gesundheitsamt entsprechende BT-Recherchen.

„Vieles ist mit heißer Nadel gestrickt“

Ob ab Montag mit dem regulären Betrieb im zentralen Impfzentrum in Karlsruhe gestartet werden kann, ist derzeit aber auch noch immer offen. Wer keinen Impftermin hat, kann sich aber ohnehin den Weg zur Messe sparen, geimpft wird grundsätzlich nur, wer einen fest zugeteilten Termin vorweisen kann. „Vieles ist mit heißer Nadel gestrickt“, beklagt Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup. Das behindere die Vorbereitungen zusätzlich. Insbesondere fehlte am Mittwoch in dem Impfzentrum noch die Software, über die die Termine koordiniert werden sollen, die nach Anmeldung über eine bundesweite Hotline (116117) zugeteilt werden. Auch der zweite Impftermin – rund drei Wochen später – müsse über diese Software genau festgelegt werden. Außerdem sollen alle Impfungen genau dokumentiert werden. Noch nicht geklärt ist auch, von welchem Personal die Impfungen durchgeführt werden. Die Gespräche zwischen dem Sozialministerium und dem Städtetag über Zuständigkeiten und Verantwortung laufen noch. „Es gibt zwar einen Entwurf, mit dem der Städtetag leben kann, doch noch sind nicht alle Formalitäten abgestimmt“, hofft Mentrup, dass zumindest die Zuständigkeiten und die Abläufe bis Sonntag geklärt sind. Demnach wäre das Land auch für die Anwerbung und Bezahlung des medizinischen Personals verantwortlich, doch bis dieses Personal den Impfzentren zugeteilt wird, dürfte es dann noch einige Zeit dauern. Deshalb soll, laut Bürgermeisterin Bettina Lisbach, das Karlsruher Impfzentrum zunächst mit Personal aus dem Städtischen Klinikum betrieben werden.

Vorläufig nur eingeschränkter Betrieb

Wobei vorläufig laut Verantwortlichen ohnehin nur ein eingeschränkter Betrieb möglich sein wird, denn Karlsruhe bekommt in einer ersten Marge vermutlich nur rund 1.000 Impfdosen zugeteilt. Und davon muss die Hälfte auch noch für die zweite Impfung zurückgehalten werden.

Winfried Kretschmann (Grüne) wird indes in der Landeshauptstadt beim Start in die neue Corona-Ära dabei sein. Über 5.000 Medizinfachkräfte hätten sich freiwillig gemeldet, um landesweit mitzumachen, lobt der Ministerpräsident: „Das ist gelebter Zusammenhalt.“ Kretschmann, der von Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) und Jan Steffen Jürgensen, dem medizinischen Chef des Klinikum Stuttgart begleitet wird, will zum Impfen ermuntern, „weil sich die Pandemie am Ende nur so besiegen lässt“. Allein von Biontech sind bis Ende März rund 1,3 Millionen Dosen in Aussicht gestellt, was bedeutet, dass 650.000 Menschen in Baden-Württemberg durch ihre zweimalige Impfung gegen Corona immun geworden sein werden.

Mentrup beklagt unterdessen, dass für Personal von ambulanten Pflegediensten und in den Kliniken bisher keine bevorzugte Impfung vorgesehen ist. Sinnvoll wäre beispielsweise, wenn die Kliniken ihr Personal durch eigene Mitarbeiter selbst impfen dürften. Das würde viele Reibungsverluste vermeiden und unnötige Infektionen an der Kontaktstelle zwischen Patient und Personal verhindern helfen, so der Karlsruher Rathauschef.

Für die ab 15. Januar startenden Kreisimpfzentren gilt grundsätzlich: „Es gibt keine Residenzpflicht. Wer in Baden-Baden wohnt, aber in Offenburg arbeitet, kann sich auch dort impfen lassen“, machte der Erste Landesbeamte des Landkreises Rastatt, Jörg Peter, unlängst deutlich. Die Anmeldung funktioniert nur telefonisch über die bundeseinheitliche Nummer 116 117.


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