OGV Staufenberg: Vereinsauflösung droht

Gernsbach (ans) – Der Obst- und Gartenbauverein Staufenberg steht kurz vor der Auflösung. Eine Entscheidung über das mögliche Aus treffen die Mitglieder bei einer Generalversammlung am 11. März.

Bedauern die mögliche Auflösung ihres Vereins: Wilhelm Zaum (links) und Franz Warth sind seit vielen Jahren Mitglieder. Foto: Anna Strobel

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Bedauern die mögliche Auflösung ihres Vereins: Wilhelm Zaum (links) und Franz Warth sind seit vielen Jahren Mitglieder. Foto: Anna Strobel

Um den Obst- und Gartenbauverein (OGV) Staufenberg steht es nicht gut. In der nächsten Generalversammlung stimmen die 107 Mitglieder über eine mögliche Auflösung ab. Damit würde eine über 64-jährige Tradition zu Ende gehen.

Die OGV-Vorsitzenden Franz Warth und Wilhelm Zaum wollen gesundheits- und altersbedingt aufhören. Das Team um die beiden will seine Ämter ebenfalls nicht länger ausführen. Auch der Kassierer wolle nicht weitermachen: „Viele in der Verwaltung wollen nicht mehr.“ Wichtige Posten, deren Nachbesetzung schwierig sei, drohen demnach vakant zu werden.

„Ich habe einige Mitglieder angerufen, aber die Bereitschaft ist leider nicht da“, schildert der erste Vorsitzende Warth seine Versuche, Nachfolger aus den eigenen Reihen zu finden. „Viele wollen die Verantwortung nicht übernehmen“, vermutet er.

Möglicher Wechsel zu Obertsrot/Hilpertsau

Das Problem, wie in vielen Vereinen, ist die Überalterung: „Viele Mitglieder sind älter als wir und wir gehen beide schon auf die 70 zu“, erläutert der stellvertretende Vorsitzende, Wilhelm Zaum. „Unser ältester Beisitzer wird bald 90“, unterstreichen die Obst- und Gartenbaufans. Bereits im Herbst 2020 seien erste Gespräche über eine Auflösung aufgekommen. Nun könnte es bei der anstehenden Generalversammlung am 11. März im Hotel-Gasthof Sternen tatsächlich dazu kommen. Sollte der Verein dann die Auflösung beschließen, wird diese voraussichtlich im Herbst umgesetzt.

Bereits vor einiger Zeit habe der Vorstand daher Gespräche mit dem Obst- und Gartenbauverein Obertsrot/Hilpertsau wegen einer Zusammenführung der Vereine geführt. Dort habe man Bereitschaft signalisiert, die Vereinsmitglieder aufzunehmen, berichten Zaum und Warth.

Zu der Überalterung komme hinzu, dass die meisten Mitglieder inaktiv seien. „80 Prozent sind Frauen, die ihre Mitgliedschaft von ihren verstorbenen Männern übernommen haben“, schätzt Warth. Dass diese älteren Damen bereit sind, zu einem Verein in einem anderen Ort zu wechseln, bezweifelt er.

Nachwuchssorgen und fehlendes Interesse an Kursen

Zudem plagen den OGV Nachwuchssorgen. Auch die wenigen jungen Mitglieder seien nicht aktiv: „Bei den Aktivitäten sind eigentlich nur noch Leute vom Vorstand da“, berichtet das Vorsitzenden-Duo von den vergangenen Schnittkursen. „Wir haben einfach keine nachfolgende Generation. Ich habe keine Hoffnung, dass es weitergeht“, bedauert Zaum. „Andere Vereine haben dasselbe Problem“, weiß Warth. Er vermutet: „Die Auflösung würde in Staufenberg gar nicht auffallen.“ Zwar sei das Fachwissen noch da, doch das Interesse in der Bevölkerung daran fehle. Zu den angebotenen Schnittkurse komme kaum jemand.

Ganz aufgeben wollen beide die Hoffnung nicht: Vielleicht erkläre sich während der Versammlung doch noch jemand bereit, den ersten Vorsitz zu übernehmen.

Eine Person, deren Name die beiden lieber nicht nennen möchten, habe Interesse bekundet, sich wählen zu lassen – allerdings nur, wenn sich ein funktionierendes Team finden ließe. Ob das klappt? Wilhelm Zaum meint: „Es sieht nicht danach aus.“

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Auflösung eines Vereins

Der Obst- und Gartenbauverein Staufenberg ist kein eingetragener Verein und muss daher weniger beachten als ein Verein, der im Vereinsregister eingetragen ist. Das liegt daran, dass der OGV keinen Besitz hat, der liquidiert werden müsste. Doch auch ohne Eintragung gibt es Abläufe, die eingehalten werden müssen. Laut dem Serviceportal Baden-Württemberg „kann und muss ein Verein nicht auf unbestimmte Zeit fortbestehen“. Der Sprecher des Justizministeriums, Dr. Gunter Carra, erläutert: „Ein nicht rechtsfähiger Verein kann durch einen Beschluss der Mitgliederversammlung aufgelöst werden. Zu dem Beschluss bedarf es einer Mehrheit von drei Vierteln der erschienenen Mitglieder, es sei denn, die Satzung bestimmt etwas anderes.“ Dasselbe gilt für den OGV Staufenberg.

Im Blickpunkt:

Was macht einen Verein zum Verein?

Um einen Verein gründen zu können, müssen bestimmte Voraussetzungen gegeben sein. Denn im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuches ist nicht jeder Zusammenschluss mehrerer Personen gleich ein Verein. Dem Serviceportal Baden-Württemberg zufolge macht einen Verein aus, dass sich in diesem: mehrere Personen für eine gewisse Dauer zu einem gemeinsamen Zweck unter einem gemeinsamen Namen verbinden, der Verein durch einen Vorstand vertreten wird und der Fortbestand des Vereins vom Wechsel der Mitglieder unabhängig sein soll.

Unabhängig davon, ob der Verein in das Vereinsregister eingetragen ist oder nicht, ist es zwingend vorgeschrieben, dass es einen Vorstand gibt. Eine Minderheit der Mitglieder muss die Einberufung einer Versammlung verlangen können. Die Gründung des Vereins setzt zudem eine Vereinssatzung voraus. Das Bürgerliche Gesetzbuch unterscheidet den rechtsfähigen vom nicht rechtsfähigen Verein. Der rechtsfähige Verein ist in das in Mannheim ansässige Vereinsregister eingetragen. Der nicht rechtsfähige Verein ist nicht in das Vereinsregister eingetragen.

Jeder Verein ist vor seiner Eintragung ein nicht rechtsfähiger Verein. Damit ein Verein sich das Kürzel e.V. geben kann, muss er sieben Mitglieder haben. Zudem muss die Vereinssatzung von mindestens sieben Mitgliedern unterzeichnet werden. In der Satzung müssen Zweck, Name und Sitz des Vereins festgehalten sein.

„Ein Verein muss sich generell nicht ins Vereinsregister eintragen lassen. Er kann auch außerhalb des Registers als nicht eingetragener Verein bestehen“, bestätigt Dr. Christoph Streiß, Sprecher des Mannheimer Amtsgerichts. Er erklärt: „Die Unterschiede konzentrieren sich in erster Linie neben den mit der Eintragung verbundenen Fragen auf das Haftungsregiment.“ Zahlen darüber, wie viele Vereine nicht im Vereinsregister eingetragen sind, werden nicht erhoben.

Ihr Autor

BT-Volontärin Anna Strobel

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Erstellt:
4. März 2022, 20:00 Uhr
Lesedauer:
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