Vorsorglicher Schutz an 12.000 Flusskilometern

Stuttgart (bjhw) – Das baden-württembergische Umweltministerium hat neue Hochwasser-Risikopläne vorgestellt. Das neue Konzept soll bis 2027 gelten und beschäftigt sich auch mit dem Denkmalschutz.

•Das Hochwasser im Juli 2021 richtete in Rheinland-Pfalz – hier Ahrweiler – große Schäden an. Foto: Boris Roessler/dpa

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•Das Hochwasser im Juli 2021 richtete in Rheinland-Pfalz – hier Ahrweiler – große Schäden an. Foto: Boris Roessler/dpa

Nicht weniger als 970 der 1.101 Kommunen Baden-Württembergs können von Flusshochwässern betroffen sein. Das Umweltministerium präsentierte jetzt die neuen bis 2027 geltenden Risikopläne, die allein für die Kommunen am Rhein Hunderte Seiten füllen. Ziel ist, wie es heißt, „der vorsorgliche Schutz von Menschen und Gütern“ an immerhin zwölftausend Flusskilometern im Südwesten.

Bürger konnten eigene Ideen einbringen

Beteiligt wurden Kreise, Kommunen und Zweckverbände, aber auch Unternehmen und interessierte Bürger, die im vergangenen Sommer eigene Ideen einbringen konnten. Überstellt werden müssen die Kompendien der EU-Kommission, die eine Vorlage im Sechs-Jahres-Rhythmus verlangt.

Nach dem verheerenden Hochwasser an Erft und Ahr im Sommer sind die Vorkehrungen für Baden-Württemberg noch einmal unter die Lupe genommen worden – etwa ob und wie Gemeinden an das internetbasierte Flutinformations- und Warnsystem (FLIWAS) angeschlossen sind oder der Denkmalschutz Beachtung findet. Am Beispiel des Portals eines ehemaligen Gasthauses aus dem Dreißigjährigen Krieg in Karlsruhe-Grötzingen zeigt sich, wie detailliert der Maßnahmenkatalog erarbeitet wird – in diesem Fall der Ortsverwaltung und der Denkmalschutzbehörde –, um Schäden durch Hochwasser zu verhindern oder zumindest zu verringern. Allein in Rastatt geht es um konkrete Pläne zum Schutz von einem guten Dutzend historisch bedeutender Objekte.

Sicherstellung der Trinkwasserversorgung für Iffezheim und Rheinmünster

Die Ansatzpunkte sind vielfältig. Für Iffezheim oder Rheinmünster und Dutzende andere Kommunen ist die Sicherstellung der Trinkwasserversorgung auch im Extremhochwasserfall festgehalten. Viele Städte und Gemeinden, allen voran Karlsruhe, prüfen oder realisieren ein Starkregenmanagement. Der Zweckverband Hochwasserschutz Raum Baden-Baden/Bühl informiert wie viele andere umfangreich über die jeweilige Lage und die eigenen Vorhaben im Netz.

2003 hatte die damalige CDU/FDP-Landesregierung eine erste Strategie zur Minderung von Hochwasserrisiken konzipiert, die seither regelmäßig fortgeschrieben wird. Grün-Rot legte 2012 allen Kommunen einen Fragebogen vor, um Knackpunkte herauszufinden.

Kommunales Starkregenmanagement

Grundlage für das Vorgehen sind unter anderem die ebenfalls regelmäßig weiterentwickelten Vorgaben der EU. Als eine der Blaupausen für funktionierende internationale Zusammenarbeit gilt die Hochwasserwelle am Rhein vom Mai 2013 bei Mannheim, die auch dank der Rückhalteräume in Frankreich entscheidend abgesenkt werden konnte.

Nach der Flutkatastrophe im württembergischen Braunsbach 2016 wurde für den Südwesten ein umfangreiches kommunales Starkregenmanagement erarbeitet. Berechnet sind auch mögliche Schäden mit einem Volumen von mindestens fünf Milliarden Euro nach einem Jahrhundertereignis, wie es sie bekanntlich längst nicht mehr nur einmal im Jahrhundert gibt. Bis zu fast 30 Milliarden Euro werden für ein sogenanntes Extremereignis angenommen.

Millionenschaden soll verhindert werden

„Diese Zahlen machen deutlich, wie wichtig die Umsetzung der einzelnen Maßnahmen in den nächsten Jahren ist, um die Hochwasser- und Starkregenrisiken weiter zu minimieren“, sagt Umweltministerin Thekla Walker (Grüne), die auch auf das finanzielle Engagement fürs Integrierte Rheinprogramm (IRP) hinweist, das Land und Bund im Endausbau 2028 gut 1,7 Milliarden Euro gekostet haben wird.

Für den Rhein zwischen Iffezheim und Bingen ist der Nutzen gegenübergestellt. Denn bei einem Jahrhunderthochwasser könnte durch das IRP ein Schaden von mehr als sechs Milliarden Euro verhindert werden.


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