Vorwürfe und Gerüchte: Nervosität vor Kehler OB-Wahl

Kehl (BNN) – In Kehl liegen die Nerven blank. Kurz vor dem entscheidenden Wahlgang haben sich die Kandidaten ums Amt des Oberbürgermeisters, Wolfram Britz und Thomas Wuttke, ineinander verbissen.

Wer das Amt des Kehler OB Toni Vetrano übernimmt, ist auch kurz vor dem entscheidenden Wahlgang am Sonntag noch eine spannende Frage. Foto: Patrick Seeger/dpa

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Wer das Amt des Kehler OB Toni Vetrano übernimmt, ist auch kurz vor dem entscheidenden Wahlgang am Sonntag noch eine spannende Frage. Foto: Patrick Seeger/dpa

Das rückt auch die Frage in den Mittelpunkt, wie es nach dem Wahlsonntag weitergeht: Können Britz, derzeit Stadt- und Kreisrat mit SPD-Ticket und Wuttke, seit zwei Jahren Baubürgermeister in Kehl, nach den Verletzungen des Wahlkampfs noch zusammen arbeiten? Wuttke sagt Ja und verweist auf die integrativen Fähigkeiten, die er schon unter Beweis gestellt habe. Und Britz schweigt. Vor der Wahl wolle er sich generell nicht mehr äußern.

Dabei hätte er Anlass. Inzwischen takten vor allem das Internet und die sozialen Medien den Wahlkampf. Für einen kommunalpolitischen Paukenschlag sorgte dort der ehemalige Rektor der Kehler Hochschule für öffentliche Verwaltung, Paul Witt. Er setzte sich in einem Post mit der Führungskompetenz von Wolfram Britz auseinander. Der, von Beruf Krankenpfleger, hatte seinen Beitrag bei der offiziellen Kandidatenvorstellung in der Kehler Stadthalle mit den Worten geschlossen: „Ich kann Oberbürgermeister.“

Experte übt offene Kritik

Eine Ansicht, die eine deutliche Mehrheit der Kehler teilte – immerhin erhielt er vor zwei Wochen 44,8 Prozent der Stimmen. Witt sieht das anders. Ein OB müsse Führungskompetenz mitbringen „und diese auch belegbar in seiner Biografie nachweisen“ können, so der Hochschullehrer, der im Südwesten noch immer als Experte in Sachen Bürgermeisterwahlen gilt. „Ich wohne in Kehl und mir ist nicht egal, wer Oberbürgermeister wird“, begründete er im Gespräch mit dieser Zeitung den ungewöhnlichen Schritt an die Öffentlichkeit. Normalerweise würde er sich bei Wahlen so nicht äußern und vielmehr die Rolle des neutralen Beobachters einnehmen, „der die Dinge von oben betrachtet und einschätzt, wer Chancen hat und wer nicht“.

Thomas Wuttke (28,6 Prozent im ersten Wahlgang) haderte zunächst öffentlich mit dem Umstand, dass auch die Drittplatzierte bei der Wahl am 6. Februar, die Baden-Badener Geschäftsführerin Anemone Bippes, wieder antritt. Die von der CDU unterstützte Bewerberin (25,5 Prozent) wird nach allgemeiner Einschätzung am Sonntag vor allem Wuttke Stimmen wegnehmen.

Zum Zweiten aber hat sich Wuttke am Dienstag in einem Internet-Video zu Wort gemeldet und gemeinsam mit seiner Frau Claudia Gerüchte beklagt, wonach ihre beiden Söhne in ihrer Schule Wahlflyer verteilt hätten. Dem sonst mit fast jugendlichem Charme auftretenden Wuttke sieht man in diesem inzwischen wieder gelöschten Beitrag die Strapazen des Wahlkampfs an, aber auch, wie sehr ihm der Vorgang persönlich zusetzt. Welche Auswirkungen das Video auf die Wahlentscheidung der knapp 30.000 Kehler am Sonntag haben wird, ist schwer abzuschätzen.

Wuttke empfindet Wahlkampf „schon als schmutzig“

Es ist zudem nicht das einzige Gerücht, das an dem Kandidaten nagt. Er empfinde, so sagt Wuttke auf Rückfrage, den Wahlkampf inzwischen „schon als schmutzig“. Das sei er vermutlich auch schon längere Zeit gewesen: „Meine Wahrnehmung ist, dass er auch vorher schon hart geführt wurde, dass ich das nur nicht gemerkt habe, weil die Gerüchte nicht bei mir angekommen sind“.

Könnte die Bewerberin aus Baden-Baden die lachende Dritte sein? „Es geht auf das Ende des Wahlkampfs zu, da werden die Bandagen enger gezogen“, sagt Anemone Bippes dazu, um anschließend, wie zuvor Witt, die Qualifikation von Wolfram Britz zu thematisieren. Dieser habe öffentlich mehrfach betont, dass er nicht nur als Krankenpfleger tätig sei, sondern als erfahrener Unternehmer große Einrichtungen in der Organisations- und Personalentwicklung berate. Unter anderem daraus, so Bippes am Mittwoch, leite er seine Kompetenz zum Führen einer großen Verwaltung ab.

Britz liefere aber bislang keinen Nachweis für die von ihm benannten Qualifikationen, auch im Internet fänden sich „konkret dafür keine klaren Hinweise“.

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Ihr Autor

unserem Mitarbeiter Frank Löhnig

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Erstellt:
18. Februar 2022, 08:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 58sec

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