Vorzeige-Fußballerin mit hochdotierten Verträgen

Baden-Baden – Sie ist die Vorzeige-Fußballerin im US-Erfolgstream – und Werbekönigin: Alex Morgan besitzt hochdotierte Werbeverträge – und will bei Olympia mit dem Team wie bei der WM Gold gewinnen.

Alex Morgan (rechts) weiß sich nicht nur auf dem Rasen perfekt zu verkaufen. Foto: Phelan M. Ebenhack/AP

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Alex Morgan (rechts) weiß sich nicht nur auf dem Rasen perfekt zu verkaufen. Foto: Phelan M. Ebenhack/AP

Es blieb gerade noch Zeit, um einige Weihnachtsgeschenke einzukaufen. Vielleicht ein paar Teesorten, das pfefferminzige After Eight, den starken Johnnie Walker oder den bunten Wackelpudding – eben das, was man aus England in seine Heimat mitbringt. Statt zum üblichen Drizzleregen auf der kalten Insel durfte Alex Morgan das vergangene frohe Fest mit ihrer Familie aber wieder unter heimischen kalifornischen Palmen feiern. Der siebenwöchige Kurztrip ins Königreich dürfte sich dennoch für eine der weltbesten Fußballerinnen gelohnt haben.
Was sich schon an den Clickzahlen ablesen ließ. Während ihrer gerade mal fünf Auftritte für die Tottenham Hotspur, von denen sie nur ein Spiel über 90 Minuten bestritt, hatte sie zwischenzeitlich mehr Follower als Harry Kane. Und der ist bei den Nord-Londonern mit dem lustigen Hahn im Vereinslogo eine Art Schutzheiliger, weil eben dauertreffende Tormaschine. Da die Vereins-Homepage eher von männlichen Fans bevölkert wird, liegt der Punktsieg in den sozialen Medien wohl vor allem in der unumstößlichen Tatsache begründet, dass die Amerikanerin schlicht um einiges besser aussieht als Englands kantiger und bester Stürmer. Sweetheart Alex beats dirty Harry.

Kurzzeit-Trip nach London

Letztendlich wurde der mit einigem Medien-Hype vollzogene Wechsel von ihrem Stammverein Orlando Pride nach Europa in die stark aufstrebende englische Super League aber eher aus reinen Fitnessgründen betrieben. Die 31-Jährige war erst im Mai des vergangenen Jahres Mutter geworden, Orlando hatte seit Oktober kein Pflichtspiel in der US-Liga mehr bestritten, sodass es der filigranen Beauty am Ball an Spielpraxis und Kondition mangelte.

Alex Morgan will nach zwei Weltmeistertiteln 2015 und 2019 auch bei den anstehenden Olympischen Spielen das US-Sternenbanner funkeln sehen. An London hatte sie schon deshalb beste Erinnerungen, weil sie 2012 bereits Olympia-Gold als edlen Schmuck um den Hals trug.

Bei der Ankunft und in ihrem ersten Interview auf der Insel hatte sie als PR-Vollprofi natürlich das gesagt, was alle bei Tottenham hören wollten: „Ich hoffe, dass ich die Spurs an die Spitze bringen kann. Ich möchte Teil der Geschichte dieses großen Vereins sein, der in Amerika sehr populär ist.“ Sie wird nach dem verlängerten Kurz-Städtetrip im Gegensatz zu Kane sicher nicht in die Spurs-Geschichte eingehen. Das Team dümpelte im Mittelfeld rum, ihre zwei Elfmeter-Tore feierte sie mit ihrer Teetrink-Pose. Die hatte sie auch beim WM-Halbfinalsieg gegen England zum Besten gegeben, was nicht jedem britischen Gewohnheits-Teetrinker gefiel.

Kaum in die USA zurückgekommen, musste die Soccer-Queen einen Rückschlag verkraften, der für fast 600.000 ihrer Landsleute inzwischen tödlich endete. „Meine Familie und ich haben leider erfahren, dass wir uns Covid zugezogen haben, als wir über die Weihnachtsfeiertage in Kalifornien waren“, twitterte Alex Morgan.

Sie verpasste Lehrgänge mit dem US-Erfolgsteam, aber nicht den Anschluss. Natürlich wird sie nach ihrem Comeback für Orlando in Tokio dabei sein und erneut eine tragende Rolle im Team spielen, auch wenn Megan Rapinoe als Alleskämpferin gegen Rassismus, den früheren Twitter-Präsidenten Donald Trump sowie für Geschlechter-Gleichheit und Menschenrechte weiter die streitlustige Frontfrau darstellt.

Gerade für das eigene Konto ist Olympia die perfekte Werbebühne, zumal der Sender NBC stundenlang aus Tokio berichten wird, täglich stolz die US-Medaillen zählt und die heimischen Helden gewohnt patriotisch glorifiziert. Da kann eine ballverliebte Schönheit mit ihrer Erfolgsvita für die Quote nicht schaden.

Drei Millionen Dollar Einnahmen

Und sie selbst auf weitere hochdotierte Werbeverträge hoffen. Die Giganten Coca-Cola und Nike haben sich von ihren Fähigkeiten auf dem Rasen und ihrer attraktiven Erscheinung längst betören lassen und zahlen entsprechend viel. Laut dem Wirtschaftsmagazin „Forbes“ belaufen sich ihre Werbeverträge auf rund drei Millionen Dollar pro Jahr – keine Fußballerin weltweit verdient mehr. Das Profi-Salär von rund 450.000 Dollar wirkt da eher bescheiden.

Von daher konnte sie es locker verkraften, dass sie und ihre Mitstreiterinnen vor einem Bundesgericht mit einer Klage auf gleiche Bezahlung wie ihre männlichen US-Kollegen gescheitert waren. „Jeder, der das Herz dieses Teams kennt, weiß, dass wir alle Kämpferinnen sind, und wir werden weiter gemeinsam für unser Recht kämpfen“, zeigt sie aber die gleiche verbissene Entschlossenheit wie auf dem Rasen.

Vor acht Jahren wandelte sie auf den Spuren von Baywatch-Star Pamela Anderson. In der Zeitschrift „Sports Illustrated“ posierte sie in der Swimwear-Ausgabe im Bikini. „Das Bodypainting war aufregend“, meinte sie. Dass sie in der Kultserie „Die Simpsons“ in einer WM-Ausgabe cartoonisiert über die Bildschirme flimmerte, in quotenstarken Talkshows Star-Moderator Jimmy Kimmel den Unterschied zwischen Football und Soccer (vergeblich) zu erklären versuchte, Dutzende Videos über sich ins Netz stellte, steigerte ihre Bekanntheit beim Durchschnitts-Amerikaner gewaltig.

Im Gegensatz zu Anderson, die lange eine erotisch-gewaltsame Beziehung zum Krawall-Hardrock-Schlagzeuger Thommy Lee von Motley Crüe pflegte, liebt es Alex Morgan weniger laut und chaotisch. Nur die Tatoos hat sie mit der Blondine gemeinsam. Grips besitzt Morgan zudem. An der renommierten Universität von Kalifornien in Berkeley schloss sie ihr Studium der Wirtschaftswissenschaften erfolgreich ab. Ihr Geld ist also gut angelegt.

Auch in anderen Sportarten hat sie Talent bewiesen, ehe sie vom Basketball, Softball und Volleyball zum Volkssport der Europäer überwechselte. Auch nach 169 Länderspielen und 107 Toren für ihr Land hängt ihr seit jungen Jahren der Spitzname „Baby Horse“ an. „Den habe ich wegen meinem Laufstil.“ Nach mehr als einem Jahrzehnt bleibt sie weiter das attraktivste Pferdchen im US-Erfolgsstall.

Ihr Autor

BT-Redakteur Michael Ihringer

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Erstellt:
30. Juni 2021, 22:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 44sec

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