Wäldchen gerodet: „Ich könnte heulen“

Rastatt (ema) – Die Rodung in einem Wäldchen zwischen Rastatt und Niederbühl sorgt für Unmut. Das Landratsamt hält die Aktion für gerechtfertigt.

Mit „brachialer Gewalt“: Eine vom Landratsamt beauftragte Firma rodet das Wäldchen an der L77. Foto: Michaela Falk

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Mit „brachialer Gewalt“: Eine vom Landratsamt beauftragte Firma rodet das Wäldchen an der L77. Foto: Michaela Falk

Die Rodung in einem Wäldchen an der L77 kurz vor der Unterführung bei Niederbühl hat unter Anwohnern und den Vogelschützern Pierre und Kevin Fingermann Entsetzen ausgelöst. Eine Angrenzerin spricht von einer „Nacht-und-Nebel-Aktion“, für die das Landratsamt die Verantwortung trägt.
„Ich könnte heulen“, kann Michaela Falk immer noch nicht fassen, was sich am Samstag zwischen Neubaugebiet Joffre und der Karlstraße abgespielt hat. Eine Firma drang mit schwerem Gerät in das Wäldchen ein und machte mit „brachialer Gewalt“ aus den Bäumen Kleinholz, wie die Anwohnerin berichtet. Sie habe eine schriftliche Genehmigung verlangt, die die Mitarbeiter allerdings nicht vorweisen konnten. Michaela Falk alarmierte deshalb nicht nur die Polizei, sondern setzte auch Hebel in Bewegung, bis sogar OB Hans Jürgen Pütsch an den Ort des Geschehens kam.

Der Rathaus-Chef konnte zu der Rodung allerdings nichts sagen. Wie BT-Recherchen ergaben, hatte das Straßenbauamt im Landratsamt die Aktion in die Wege geleitet. Laut Landkreis-Pressesprecher Michael Janke ist die Fällung der Bäume auf einen Sturm Anfang Juli zurückzuführen, bei dem Kronenteile von Robinien an der Stelle auf die Landesstraße gefallen seien. Es folgten Begehungen des Geländes. Ergebnis: Viele Bäume, so der Kreissprecher, hätten starke Wurzelschäden und Stammfäule aufgewiesen, sodass sich das Straßenbauamt zu dem Eingriff veranlasst sah.

„In dieser Jahreszeit so etwas zu machen, ist eine Unverschämtheit“, sagte Vogelschützer Pierre Fingermann dem BT. Er hatte sich mit seinem Enkel Kevin vor Ort ein Bild gemacht: „Das sieht katastrophal aus.“ Etliche Vogelnester habe man gefunden, die belegen würden, dass viele Jungtiere der Rodung zum Opfer fielen.

Landratsamt: Gefahr in Verzug

Derartige Maßnahmen verbietet eigentlich das Bundesnaturschutzgesetz von Anfang März bis Ende September zum Schutz von Brutvögeln und anderen Artengruppen. Im Landratsamt hält man das Vorgehen trotzdem für rechtens, weil „Gefahr in Verzug“ gewesen sei, so Janke. Man habe die Verkehrssicherheit an L77, Radweg und Bahnlinie berücksichtigen müssen.

Das betroffene Grundstück gehört dem Land Baden-Württemberg. Michaela Falk zeigt sich mit weiteren Anwohnern erschüttert, dass nicht nur an die 60 Bäume, so ihre Schätzung, gefällt und gleich geschreddert wurden. Nach ihren Beobachtungen lebten in dem Wäldchen auch Igel und Eidechsen und etliche Vögel, denen durch den Einsatz des schweren Geräts der Garaus gemacht wurde. Wie es auf der Fläche weiter geht, ist noch offen. Laut Landratsamt wird über eine Neubepflanzung noch beraten.

Die Anwohner wollen darauf drängen – oder alternativ auf eine Lärmschutzwand, wie sie auf der gegenüberliegenden Joffre-Seite bereits steht.


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