Wahlhelfer bekommen schnelles Impfangebot

Gernsbach (vgk) – Der Wahlhelfer ist ein demokratisches Prinzip, das sich vom Covid-19-Virus nicht ausbremsen lässt. Zum Schutz erhalten Wahlhelfer in der Corona-Krise ein schnelleres Impfangebot.

Wer bei einer Wahl (hier ein Foto von der jüngsten Landtagswahl in der Stadthalle Gernsbach) als ehrenamtlicher Helfer fungiert, erhält schneller einen Impftermin. Foto: Veronika Gareus-Kugel

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Wer bei einer Wahl (hier ein Foto von der jüngsten Landtagswahl in der Stadthalle Gernsbach) als ehrenamtlicher Helfer fungiert, erhält schneller einen Impftermin. Foto: Veronika Gareus-Kugel

Rund 126 Frauen und Männer, Wahl- und Ersatzhelfer, kommen in Gernsbach bei Wahlen zum Einsatz. Diesen wurde jetzt im Zusammenhang mit der im September stattfindenden Bundestagswahl das Angebot einer Covid-19-Impfung gemacht.

Ein Privileg, findet Marlon Fortenbacher, 19 Jahre jung. Für ihn und seine Freunde, ein Großteil davon ebenfalls als Wahlhelfer unterwegs, ist es der Schritt zu mehr Freiheit. Neid ist keiner spürbar, vielmehr überwiegt die Freude, dass man auf diese Weise persönlichen Treffen wieder näherkommt, versichert Fortenbacher. Zwischenzeitlich wird dieses Angebot von der Aufhebung der Priorisierung für Astrazeneca überholt. Bis vor wenigen Tagen war seine Altersgruppe noch ganz hinten priorisiert.

Der Student für Public-Management in Kehl kennt sich im Kommunalrecht und in der Gemeindeordnung aus. Im Rahmen eines Einführungspraktikums im Gernsbacher Rathaus assistierte er im vergangenen Dezember bei der Erstellung der Wahlhelferlisten. Im Rahmen der Landtagswahl hatte er seinen ersten Einsatz als Wahlhelfer. „Es macht Spaß“, stellt der Student unumwunden fest.

„Auch das Virus wählt mit“

Auch Wahlhelferin und Mitarbeiterin des Rathauses, Monika Merkel, begrüßt die Priorisierung der Wahlhelfer in der Gruppe drei. Gleichwohl geht die Mutter von zwei Kindern davon aus, dass dafür keine Impftermine vor Mitte Mai freigeschaltet werden. Zuerst sind die über 60-Jährigen mit Vorerkrankungen an der Reihe. Zudem stehe sie auf dem Standpunkt, keinem einen Termin wegzunehmen, der ihn dringender braucht als sie selbst.

Auch wenn das Virus für ihre Person durch die Arbeit der Tochter als Leiterin einer Kita oder Mutter eines Erstklässlers vielleicht stärker präsent ist als für andere. „Ist es dann möglich, werde ich mich ebenfalls impfen lassen“, betont Merkel. In jedem Fall sei es ein gutes Gefühl, immunisiert zu sein, empfindet auch Udo Spaude. Für den 71-jährigen Wahlhelfer im Rathaus kam die Impfberechtigung zu spät. Gleichwohl gehe er davon aus, dass sich der ungeimpfte Anteil der Wahlhelfer über das unerwartete Impfangebot freue.

Der Job des Wahlhelfers ist eine Auftragsangelegenheit, geregelt im Bundeswahlgesetz. Insgesamt kommen in jedem Wahllokal acht Helfer zum Einsatz. Vier davon übernehmen den Vormittagsdienst, die Verbliebenen den Nachmittagsdienst. Zur Stimmenauszählung kommen dann alle wieder zusammen.

Am Tag vor der Landtagswahl am 14. März initiierte die Stadtverwaltung verpflichtend für alle Wahlhelfer in der Stadthalle eine Testaktion. Drei Tage nach der Wahl hatten diese zudem die Möglichkeit, sich erneut testen zu lassen.

Das Gefühl, im positiven Sinne negativ zu sein, lasse sich nur schwer beschreiben, sagen viele. Aber: „Trotz aller Vorsicht und Sicherheitsabstände, Schutzglas und Hygienekonzept: Auch das Virus wählt mit.“


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