Waldhägenich: Bühl will bio statt intensiv

Bühl (hol) – Bei der Verpachtung landwirtschaftlicher Flächen im Waldhägenich gelten ab 2022 neue Grundsätze. Die Stadt will keine Intensivlandwirtschaft mehr dort. Ein Modellprojekt soll helfen.

Großflächige Äcker prägen bisher das Bild in weiten Teilen des Waldhägenichs – das soll sich zum Wohl der Tierwelt bald ändern.  Foto: Bernhard Margull

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Großflächige Äcker prägen bisher das Bild in weiten Teilen des Waldhägenichs – das soll sich zum Wohl der Tierwelt bald ändern. Foto: Bernhard Margull

Im zu Bühl gehörenden Teil des Landschaftsschutzgebiets Waldhägenich sollen Vögel, Säugetiere und Insekten künftig bessere Lebensbedingungen vorfinden. Im Rahmen eines Modellprojekts werden Landwirte auf ihren Äckern jeweils zehn Meter breite, blütenreiche Randstreifen mit Stauden und Wildkräutern anlegen und fünf Jahre lang pflegen. Sie erhalten dafür Geld.

Die Landwirtschaft im Waldhägenich soll sich grundlegend ändern. Für die Vergabe von Pachtverträgen sollen neue Grundsätze gelten. Biologische Bewirtschaftung, regionale Produkte, Selbstvermarktung sind wichtige Stichworte. Um die Ziele möglichst schnell zu erreichen, hat die Stadt sämtliche Pachtverträge zum Jahresende 2021 gekündigt. Der Gemeinderat gab nun einstimmig grünes Licht, bei der Neuverpachtung der Flächen das Modellprojekt umzusetzen.

Aktuell sei der Waldhägenich von Intensivlandwirtschaft geprägt, sagte Schutzgebietsbetreuer Matthias Mößner. Typische Ackervögel wie Feldlerche, Wiesenschafstelze, Rebhuhn oder Grauammer seien seit Jahren nicht mehr zu finden. Das soll sich ändern. Im sei es aber wichtig, „eine Lösung zu finden, die integrativ ist“, so Mößner. Das treffe auf das vom Land aufgelegte Modellprogramm „Landwirtschaft schafft biologische Vielfalt“ zu. Nun wird es im Waldhägenich landesweit erstmals umgesetzt.

Zusätzlich zu den Ackerrandstreifen, die künftig als Bruthabitate und Nahrungsquellen für Tiere dienen und von den Landwirten gegen Bezahlung gepflegt werden sollen, wird eine zwei Hektar große Fläche komplett aus der Bewirtschaftung genommen. Diese zieht sich wie eine Matrix durchs gesamte Gebiet und soll Unterbrechungen in den Ackerflächen bilden. Auf dieser unbewirtschafteten Matrix sollen zudem wertvolle Einzelbäume gepflanzt werden.

„Spaziergänger stören die Feldlerche nicht“

Die Fraktionen begrüßten das Vorhaben. Yvonne Zick (CDU), Landwirtin aus Balzhofen, betonte aber, sie halte eine „moralische Aufteilung zwischen biologisch und konventionell arbeitenden Betrieben“ bei der Vergabe der Pachtflächen für wenig sinnvoll. Die regionale Vermarktung der Produkte sei aber ein gutes Kriterium. Zudem meinte sie, der Andrang von Spaziergängern sei auch für den Rückgang der Arten verantwortlich – was Mößner aber verneinte. „Spaziergänger stören die Feldlerche nicht“, sagte er.

Peter Hirn (SPD) machte klar: „Wir unterstützen das. Biologische Bewirtschaftung finden wir gut.“ Landwirtschaft und Naturschutz müssten ein vernünftiges Miteinander pflegen. Auch Margret Burget-Behm (CDU) begrüßte das Projekt. „Ich hätte mir aber gewünscht, dass mit den Landwirten vor der Beschlussfassung gesprochen wird.“ Sie bezweifelte, dass die finanzielle Vergütung durchs Land in Höhe von 1.946 Euro pro Hektar Fläche ausreichend sei und forderte nach fünf Jahren Laufzeit einen Bericht. „Wir müssen wissen: Was bringt es für den Naturschutz, was bringt es für die Landwirte? Erst dann können wir entscheiden, wie es weitergeht. Oberbürgermeister Hubert Schnurr sagte einen solchen Bericht zu.

Thomas Wäldele (GAL) betonte, das gute Zusammenspiel von Landwirtschaft und Naturschutz sei gerade im Waldhägenich wichtig. Er regte zudem an, weitere Module aus dem vom Land entwickelten Modellprojekt umzusetzen. Mößner sagte, dass das geplant sei. Dabei gehe es um die Anlage von Feuchtflächen und Wasserstellen.

Die Kosten für die Stadt sind gering. 300 Euro pro Jahr beträgt der Pachtzinsausfall durch die Herausnahme der künftig unbewirtschafteten Zone aus der Verpachtung. Zudem entstehen 6.000 Euro Kosten durch die Umsetzung der Maßnahme. Im Gegenzug profitiert das Bühler Ökokonto. Die aus der Bewirtschaftung genommene Fläche kann als Ausgleichsfläche beispielsweise für Baumaßnahmen woanders in Bühl fungieren.

Apropos

Ihr Autor

BT-Redakteur Harald Holzmann

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Erstellt:
22. Mai 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 38sec

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