„Waldhorn“: Noch keine Zwangsversteigerung

Baden-Baden (hez) – Ein Abbruch des ehemaligen Hotel-Restaurants „Waldhorn“ in Oberbeuern, um hier Wohnungen zu bauen, ist nicht möglich. Das Haus, so wurde jetzt bekannt, steht unter Denkmalschutz.

Da erst jetzt bekannt wurde, dass das ehemalige Gasthaus „Waldhorn“ unter Denkmalschutz steht, musste die Zwangsversteigerung abgesagt werden. Foto: Zorn

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Da erst jetzt bekannt wurde, dass das ehemalige Gasthaus „Waldhorn“ unter Denkmalschutz steht, musste die Zwangsversteigerung abgesagt werden. Foto: Zorn

Die Zwangsversteigerung des ehemaligen Hotel-Restaurants „Waldhorn“ in Oberbeuern, die eigentlich am 15. Oktober stattfinden sollte, musste abgesagt werden. Grund: Erst jetzt wurde durch BT-Recherchen bekannt, dass das Gebäude unter Denkmalschutz steht. Einen neuen Termin kann es erst im nächsten Jahr geben.
Wie das Badische Tagblatt durch Recherchen erfahren hat, ist eine komplette Neubebauung des „Waldhorn“-Areals, über die schon länger spekuliert worden war (wir berichteten), inzwischen völlig ausgeschlossen. Grund: Vom Landesdenkmalamt wurde das Gebäude unter Schutz gestellt. „Daher kann hier kein Abbruch erfolgen“, betont die Baden-Badener Stadtkonservatorin Nicole Schreiber.

Dies ist eine relativ neue Entwicklung, denn in der Vergangenheit war man davon ausgegangen, dass nur die Relieftafel mit den karikaturhaften Zügen des früheren „Waldhorn“-Wirts Willibald Ihle, die 1854 von dem bedeutenden Bildhauer Jean-Pierre Dantan geschaffen und dann an der Straßenseite in die Außenwand eingelassen wurde, unter besonderem Schutz steht.

Dies entsprach auch lange Zeit der Rechtslage, doch im Rahmen eines erneuten Bauvorbescheidantrags auf eine Neubebauung wurde in diesem Jahr eine Überprüfung durch das Landesdenkmalamt vorgenommen. Dies sei inzwischen bei solchen Anträgen grundsätzlich üblich, erklärt Schreiber. Dabei sei das Denkmalamt dann zu dem Entschluss gekommen, das gesamte Anwesen aufgrund von heimatgeschichtlichen Aspekten unter Schutz zu stellen.

Alte Kalkulation hinfällig

Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die geplante Zwangsversteigerung, denn in dem Gutachten zur Bemessung des Verkehrswertes des früheren Hotel-Restaurants war der Experte von einer Freilegung des Grundstücks (Abbruch des Gebäudes) ausgegangen und hatte bei der Berechnung des Verkehrswertes diese Kosten abgezogen. Eine solche Kalkulation ist durch die Unterschutzstellung hinfällig.

„Mir blieb unter diesen Umständen nichts anderes übrig, als die Versteigerung abzusagen“, sagte die stellvertretende Verwaltungsleiterin des Amtsgerichts Baden-Baden, Angelika Pfistner, jetzt gegenüber dem BT. Nun müsse zunächst einmal ein neues Gutachten zur Feststellung des Verkehrswertes erarbeitet werden. Erst dann könne ein neuer Zwangsversteigerungstermin festgelegt werden, was in diesem Jahr sicherlich nicht mehr möglich sei.

Bei der jetzt abgesagten Versteigerung im Oktober sollte das „Waldhorn“-Gesamtgebäude sozusagen in zwei Hälften unter den Hammer kommen. Man unterscheidet nämlich zwischen dem ehemaligen Gaststättenteil und dem angebauten Wohnhaus.

Beide Gebäudeteile haben getrennte Flurstück- und Hausnummern. Während die Gaststätte teilweise entkernt wurde und der Schutt noch vorhanden ist, befindet sich das Wohnhaus laut Gutachten in besserem Zustand, wobei allerdings umfassende Renovierungen nötig sind. In beiden Fällen sollten noch unbebaute Grundstücksteile hinzuversteigert werden. Nach Auskunft des Amtsgerichts war eine völlig getrennte Zwangsversteigerung von Wohnhaus und Gaststättenbereich vorgesehen, da es sich hier um unterschiedliche Eigentümer handelt. Da das Denkmalamt aber beide Gebäudeteile unter Schutz gestellt hat, kann jetzt auch noch keine Versteigerung des Wohnhauses stattfinden.

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Erstellt:
11. September 2020, 07:30 Uhr
Lesedauer:
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