Waldkindergarten Bühlertal: Uneins über Eröffnung

Bühlertal (kos) – Der Gemeinderat Bühlertal hat die Entscheidung über den Eröffnungszeitpunkt eines neuen Waldkindergartens vertagt. Auch die Frage der Trägerschaft ist noch ungeklärt.

Im ehemaligen Lehrschwimmbecken im Untertal könnte ein neuer Unterschlupf für schlechtes Wetter entstehen. Foto: Bernhard Margull

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Im ehemaligen Lehrschwimmbecken im Untertal könnte ein neuer Unterschlupf für schlechtes Wetter entstehen. Foto: Bernhard Margull

In einem Punkt herrschte im Gemeinderat Einigkeit: In Bühlertal soll ein Waldkindergarten eingerichtet werden. Wann und wo er eröffnet werden kann, wurde in der Sitzung am Dienstagabend eingehend diskutiert. Die Verwaltung erläuterte dabei auch, mit welchem Geld- und Personalaufwand zu rechnen ist und wie sich das auf die Zeitplanung auswirkt.

Umfrage unter Eltern vorab

Uneinig sei man sich nur in Bezug auf das mögliche Eröffnungsjahr, machte Bürgermeister Hans-Peter Braun deutlich. Dabei gehe es um die Frage, ob der aktuelle Bedarf es rechtfertigen würde, bereits 2022 für den Waldkindergarten in die Gemeindekasse zu greifen.

Mittels einer verbindlichen Umfrage sollte vorab geprüft werden, wie groß die Nachfrage an einer entsprechenden Kindergartengruppe für die nächsten Jahre sein wird. Dazu wurden alle Bühlertäler Eltern kontaktiert, deren Kinder zwischen null und sechs Jahren alt sind. Laut dem Bericht von Ulla Meier, stellvertretende Hauptamtsleiterin und zuständig für das Sachgebiet um Schulen und Kindergärten, bestünde ab 2024 für insgesamt 17 Kinder der Wunsch nach einem Waldkindergarten. Im Frühjahr 2022 gebe es jedoch für lediglich fünf Kinder eine Zusage, während es im Folgejahr bereits neun Kinder wären, gab Meier an.

Hohe Mehrkosten bei weniger Kindern

Bürgermeister und Verwaltung sprachen sich vor diesem Hintergrund dafür aus, den Naturkindergarten erst im Jahr 2023 an den Start zu bringen. Pauschal koste ein Kindergartenplatz in den bestehenden Einrichtungen jährlich etwa zwischen 7.000 und 8.000 Euro, konkretisierte Ulla Meier. Sollte man bereits 2022 mit insgesamt fünf Kindern beginnen, beliefen sich die Kosten für einen Platz im Waldkindergarten für die Verwaltung jedoch auf geschätzte 30.000 Euro, erklärte Meier. Dabei fielen vor allem die Personalkosten ins Gewicht, die für eine kleinere Gruppe nicht geringer ausfallen würden als für eine voll besetzte. Frühestens im November 2023 könne man mit zirka 9.000 Euro Jahreskosten pro Platz rechnen, weil dann die Nachfrage höher und die Kosten besser gedeckt wären.

Da diese Betreuungsform zwar ein Wunschprojekt sei, aber keine kommunale Pflichtaufgabe, müsse vorab eingehend geprüft werden, ob die aufgewendeten finanziellen Mittel verhältnismäßig seien, erläuterte Meier. Konzeptionell sei es zwar möglich, mit fünf Kindern zu anzufangen, finanziell mache man damit jedoch ein Minusgeschäft.

Finanzielle Aspekte sind ausschlaggebend

Auch Bürgermeister Braun betonte wiederholt, dass die vorgeschlagene Verschiebung des Starts auf das Jahr 2023 keine prinzipielle Ablehnung aufseiten der Verwaltung bedeute, sondern dass lediglich finanzielle Faktoren zu bedenken und zu prüfen seien.

Außerdem müsse eine Unterbringung der Kindergruppe im Schlechtwetterfall gewährleistet sein, hieß es in der Sitzung. Doch der Umbau des ehemaligen Lehrschwimmbeckens der Franziska-Höll-Schule, durch den ein entsprechender Raum geschaffen werden soll, wäre erst 2023 abgeschlossen – bei einem früheren Start müsste also auch noch für eine Zwischenlösung Geld ausgegeben werden.

Ebenfalls noch offen ist die Frage der Trägerschaft: Bereits präsentiert hatte sich das Unternehmen Spielwiese GmbH mit viel Erfahrung in dem Bereich. Doch nun hat auch die katholische Kirche, die in Bühlertal bereits den Kindergarten St. Michael betreibt, angeboten, die Waldkindergartengruppe zu übernehmen. Der Vorteil wäre, dass der kirchliche Träger auch nachmittags eine Betreuung anbieten könnte, was dem Trend zur Ganztagsbetreuung entgegenkomme, erklärte Meier. Das begrüßte auch der CDU-Faktionsvorsitzende Volker Blum, der sich für eine Zusammenarbeit mit der Kirche aussprach.

Kompromissvorschlag wird angenommen

Die Gemeinderatsfraktionen waren sich allerdings uneinig, ob man mit dem Projekt später an den Start gehen sollte. Während Peter Ganter, Fraktionsvorsitzender der SPD, den Vorschlag unterstützte, der Verwaltung bis 2023 Zeit zu geben, warb Stefan Ursprung (FBV) für einen Starttermin bereits im Frühjahr 2022: „Seien wir doch mutig“, plädierte er. Er zeigte sich überzeugt, dass sich, sobald das Projekt konkreter würde, noch mehr interessierte Eltern finden würden. Auch in der Bürgerfragestunde hatten zwei junge Frauen nach einem früheren Starttermin gefragt.

Eberhard Gschwender (FBV) brachte schließlich einen Kompromissvorschlag ein, der lautete: Den Grundsatzbeschluss über die Einrichtung eines Waldkindergartens ohne konkrete Zeitangabe zu treffen, und dann zu einem späteren Zeitpunkt zu entscheiden, ob die Eröffnung schon früher als 2023 realisiert werden kann. Der Gemeinderat stimmte einstimmig zu.

Ihr Autor

BT-Volontär Konstantin Stoll

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Erstellt:
13. Mai 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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