Waldmatter Heimatforscher Hubert Schulz gestorben

Bühl (jo) – Der Heimatforscher Hubert Schulz ist im Alter von 88 Jahren verstorben. Er war ein Waldmatter aus Leidenschaft.

Hubert Schulz. Foto: Joachim Eiermann

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Hubert Schulz. Foto: Joachim Eiermann

Sein besonderes Engagement galt Schule, Sport und Heimatforschung, damit hatte er sich in Neusatz und Ottersweier viele Verdienste erworben. Hubert Schulz aus Waldmatt wird nun im Alter von 88 Jahren in Neusatz zu Grabe getragen.

Im April war es dem vierfachen Familienvater noch vergönnt, zusammen mit seiner Ehefrau Hannelore die diamantene Hochzeit zu feiern – soweit dies die Pandemie-Beschränkungen zuließen. Nach der Heirat hatte sich der Junglehrer, der im Anschluss an sein Karlsruher Lehramtsstudium zunächst an vier Volksschulen in Nordbaden unterrichtete, an die Grund- und Hauptschule Ottersweier (heute Maria-Victoria-Schule) versetzen lassen. Hier fühlte er sich „ausgesprochen heimisch“, wie er oft betonte. Er blieb 34 Jahre bis zur Pensionierung, davon 19 als Konrektor, zweimal war er kommissarischer Leiter. Im Vorfeld der Eingemeindung von Neusatz nach Bühl 1971 engagierte er sich außerdem im Gemeinderat seines Heimatorts.

Aufgewachsen in der NS-Diktatur

Gebürtig aus Malsch war Schulz drei Jahre alt, als seine Eltern nach Waldmatt zogen, woher seine Mutter Anna, geborene Seiter, stammte. Sein Vater Franz Schulz, Schlosser bei der Reichsbahn, hatte sich nach Offenburg versetzen lassen. Hubert Schulz gehörte jener Generation an, die in der Zeit der NS-Diktatur aufwuchs. Der jüngste Spross der fünfköpfigen Familie war 13, als der Zweite Weltkrieg zu Ende ging. Er besuchte die Grundschulen in Waldmatt und Neusatz, wechselte auf die Oberrealschule Bühl (heute Windeck-Gymnasium) und legte die Abiturprüfung am Kant-Gymnasium in Karlsruhe ab. Nach dem Studium unterrichtete er unter anderem in Wöschbach (Pfinztal). Für seine Beliebtheit spricht, dass sich vor drei Jahren die 70er-Jubilare seiner alten Klasse aus Wöschbach auf den Weg nach Waldmatt gemacht hatten, um ihren einstigen Lehrer zu besuchen.

Schulz führte ein erfülltes Leben in seiner geliebten Heimat. Er war ein bescheidener und liebenswerter Mensch. Er hatte Ehrgeiz, aber auf Ehrungen legte er keinen gesteigerten Wert. Wer ihn besuchte, sah keine Pokale im Regal stehen. Lediglich ein kleines Steckkissen an der Wand mit ein paar Ehrennadeln erinnerte an die sportlichen Erfolge des Leichtathleten, dessen 11,1-Sekunden-Sprint über 100 Meter in die südbadische Bestenliste einging. Siegreich war er auch mit der 4 x 100-Meter-Staffel. Die erste Mannschaft des SV Neusatz hatte in ihm einen schnellen und erfolgreichen Linksaußen. Doch letztlich zwangen ihn zwei Meniskusverletzungen, den geliebten Sport aufzugeben.

Engagiert auch im Sportbereich

Er wandte sich der Jugendarbeit zu. 25 Jahre lang amtierte er als Jugendleiter des FV Ottersweier und baute die Abteilung aus.

Nach seiner Pensionierung 1994 fand Schulz in der Heimatgeschichte ein neues, lohnenswertes Betätigungsfeld. Zusammen mit Karl Trapp erstellte er die Festschrift „600 Jahre Waldmatt“ für das Jubiläumsfest 1996. Zusammen mit Alois Rettig präsentierte er 2005 das Ortsfamilienbuch Neusatz und Waldmatt. 2012 erschien die von Schulz erarbeitete umfangreiche Ortschronik „Waldmatt – Gesegnete Heimat“. Außerdem bereicherte er die jährlich erscheinenden „Neusatzer Heimatgrüße“ des Heimatvereins mit seinen Erkenntnissen zur Ortsgeschichte. Die Trauerfeier mit anschließender Beerdigung findet am Freitag, 6. November, 10.30 Uhr, in der Pfarrkirche Neusatz statt.

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Erstellt:
6. November 2020, 09:00 Uhr
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