Waldorfschule erneut im Fokus anonymer Kritiker

Rastatt (dm) – Wie streng werden an der Waldorfschule Rastatt die Corona-Regeln eingehalten? Die Leitung dementiert anonyme Vorwürfe, wonach Querdenker die Schule dominieren würden.

Anonyme Vorwürfe: Die Bildungsstätte werde von „wenigen, aber lauten Querdenken“ dominiert. Die Schulleitung widerspricht. Das Gegenteil sei der Fall. Foto: Daniel Melcher

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Anonyme Vorwürfe: Die Bildungsstätte werde von „wenigen, aber lauten Querdenken“ dominiert. Die Schulleitung widerspricht. Das Gegenteil sei der Fall. Foto: Daniel Melcher

Im Moment herrscht ferienbedingte Stille an der Waldorfschule Rastatt. Doch im Hintergrund rumort es. Wieder geht es um Corona beziehungsweise die Handhabung der Regeln. Ende vergangenen Jahres hatte ein anonymes Elternschreiben das Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe zur Prüfung einer „auffällig hohen Zahl“ an Maskenattesten veranlasst – mit dem Ergebnis, dass der Großteil als ungültig erkannt wurde (wir berichteten). Im Februar ist dann erneut ein Schreiben in der Aufsichtsbehörde und in unserer Redaktion eingegangen. Wieder anonym. Darin heißt es, dass „einige wenige, aber sehr laute Querdenker die Schule dominieren“ und die Corona-Regeln „keinen Rückhalt bei Verwaltung und Kollegium“ fänden. Die Schulleitung dementiert vehement. Das Gegenteil sei der Fall.

Probleme mit Maskenattesten

Schon im Dezember hatten Geschäftsführung und Lehrervorstand betont, dass man „kein Hort von Corona-Leugnern“ sei und die Pandemie-Maßnahmen umsetze. Warum es damals eine so hohe Zahl an Maskenbefreiungen gab – rund 50 –, blieb offen. 40 davon hatten jedenfalls offenbar nicht den „rechtlichen Anforderungen für eine Glaubhaftmachung der Maskenbefreiung genügt“, wie es das Regierungspräsidium formulierte. Alle seien von Ärzten ausgestellt worden, betonte die Schule.

Nun die neuerliche anonyme Kritik. Wieder gebe es „viele neue Maskenatteste“, Lehrer erlaubten Schülern, deren Attest ungültig war, weiterhin, keine Maske zu tragen, es werde akzeptiert, dass Seidenmasken getragen oder Masken nicht über die Nase gezogen werden, Lehrer kontrollierten die Corona-Tests nicht: So lauten einzelne Vorwürfe. Woher sie kommen, ist unklar. Von „Eltern an der Waldorfschule Rastatt“, heißt es auf dem Briefbogen lediglich; man bleibe anonym, weil man ansonsten um Repressionen für die Kinder fürchte, hieß es im vergangenen Jahr, als das Pseudonym „Marie Curie“ verwendet wurde.

„Für uns war das nahezu ein Schock“

„Für uns war das nahezu ein Schock“, sagt Geschäftsführerin Barbara Hansen, die sich auch empört zeigt: Niemals seien solche Behauptungen oder Bedenken an irgendein Gremium der Schule herangetragen worden. Weder im Schulparlament, das offen sei für alle, noch im Vertrauenskreis, das Sprachrohr der Eltern, sei dies je thematisiert worden. Man habe die Eltern nochmals um Mithilfe gebeten und das Schulparlament über das anonyme Schreiben informiert. Sicher gebe es auch Eltern an der Schule, die mit den Regeln nicht einverstanden seien, sagt Lehrervorstand Thomas Greß. „Mit denen sind wir in engem Kontakt.“ Denn: Schulleitung und Kollegium seien sich einig, „dass die Dinge“ – gemeint sind die Corona-Maßnahmen – „umgesetzt werden müssen“. Man lasse hier die Grenze keinen Fußbreit übertreten, betont Hansen, die selbst „keinen einzigen offiziell auftretenden Querdenker“ an der Schule kenne.

Im ersten anonymen Brief war etwa über die Weltanschauung von Eltern als Ursache der vielen Atteste gemutmaßt worden. „Ein pauschales Totschlagargument“, wie die Schulleitung findet, dem konkreter Inhalt fehle. „Wir haben auch schon überlegt, ob das überhaupt von unseren Eltern kommt....“

Behörde: Schulleitung kooperiert

Das RP als Aufsichtsbehörde hat jedenfalls aufgrund des neuerlichen Schreibens ein weiteres Mal eine Stellungnahme der Schule angefordert. Nachdem die vielen Atteste im Dezember nicht anerkannt worden waren, habe man Handreichungen gegeben, wie ein anerkanntes Attest auszusehen habe.

Neue Atteste, die daraufhin eingereicht wurden – die Schule spricht von zehn, allesamt von Fachärzten – seien dann in Ordnung gewesen. Aktuell habe es indes wieder Beanstandungen gegeben. Man habe vereinbart, dass kritischer geprüft werden müsse, die Schulleitung habe hohe Kooperationsbereitschaft gezeigt.

Als Laien Atteste abzulehnen, die von Medizinern ausgestellt worden sind, damit tut man sich indes offenbar schwer. „Wir lassen uns da auch rechtlich beraten“, sagt Hansen.

Die Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium sehe man als erfolgreich an. Von den anonymen Kritikern würde man sich wiederum wünschen, dass sie sich „direkt an uns wenden“.

Ihr Autor

BT-Redakteur Daniel Melcher

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Erstellt:
4. März 2022, 08:15 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 52sec

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