Wandel bietet auch Chancen für die Stadtentwicklung

Karlsruhe (win) – Umbau der Innenstadt auf der Zielgeraden: Viele Geschäfte auf der Karlsruher Kaiserstraße stehen derweil leer.

Das ehemalige Breuniger- und das Moninger-Gebäude werden saniert. Foto: Winfried Heck

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Das ehemalige Breuniger- und das Moninger-Gebäude werden saniert. Foto: Winfried Heck

Die Einkaufsmeilen erleben in vielen Innenstädten derzeit einen Niedergang. Die Corona-Pandemie und der florierende Onlinehandel haben dafür gesorgt, dass manche Branchen ihr Filialnetz drastisch eindampfen. Doch auch kleinere, oft inhabergeführte Geschäfte machen dicht. Auch in der Karlsruher Kaiserstraße hat der Ladenleerstand bedenkliche Ausmaße angenommen.

„Der Wandel ist schon seit zehn Jahren spürbar“, sagt Dennis Fischer der bei der Karlsruher Marketing und Event GmbH (KME) für den Bereich City-Marketing zuständig ist. „Der stationäre Handel hat schon lange massive Probleme und Corona hat jetzt wie ein Zeitraffer alles beschleunigt.“

Schuhhandel bricht weg

Der Wandel werde deutlicher sichtbar, ganze Branchen würden wegbrechen. Beispielsweise der stationäre Schuhhandel. Gleich vier große Geschäfte in der Innenstadt machten binnen kurzer Zeit dicht. Filialen, wie jene des insolventen Schuh-Händlers Dielmann, der bundesweit seine Geschäfte schließt, aber mit Schuh-Danger auch ein inhabergeführtes Fachgeschäft.

Fischer wunderte sich eher, dass manche Läden in Karlsruhe erst jetzt geschlossen werden, in anderen Städten habe die Krise längst deutlich tiefere Spuren hinterlassen. So wie in Frankfurt, wo Touristen als Käuferschicht weggefallen sind. „In Karlsruhe sind Touristen aber kein großer Faktor, die Fallhöhe der Innenstadt war nicht ganz so hoch.“ Zumal der Bau der Kombilösung manche Entwicklung vorweg genommen hatte.

Zuletzt befand sich die Innenstadt eher auf Stabilisierungskurs, auch weil sich der Bau des Stadtbahntunnels auf der Zielgerade befindet. Doch noch ist der Umbau der Innenstadt nicht abgeschlossen. Zwischen Europaplatz und Durlacher Tor werden ab 2023 die Schienen herausgerissen und ein neuer Belag wird verlegt. Der Stadt profitiert allerdings davon, dass schon vor Jahren bei CIMA ein Innenstadtgutachten in Auftrag gegeben wurde. Karlsruhe besitzt damit ein Instrument, das nun genutzt werden kann. Die Stadt selbst will sich stärker engagieren und den Wandel aktiv begleiten. So wurden große Teile der Innenstadt zum Sanierungsgebiet erklärt und ein städtisches Vorkaufsrecht für frei werdende Immobilien wurde beschlossen.

Das „wahre Leben“ soll Einzug halten


Auch soll die Fußgängerzone künftig ganz anders „bespielt“ werden. Weg von der reinen Einkaufsmeile hin zum Erlebnisraum. Mehr Gastronomie, mehr Platz für Kultur und auch wieder Büros und Wohnungen sind denkbar, vor allem in der östlichen Kaiserstraße, die gefühlt schon immer ein Problemfall war. Das „wahre Leben“ (Fischer) soll Einzug halten, das Ambiente soll wohnlicher, die Innenstadt insgesamt spannender werden.
Die ehemalige Nordsee-Filiale ist verbarrikadiert. Foto: Winfried Heck

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Die ehemalige Nordsee-Filiale ist verbarrikadiert. Foto: Winfried Heck

Das Interesse von Investoren sei weiterhin hoch, sagt Fischer. Dass manche Läden länger leer stehen als in der Vergangenheit, hat teilweise auch Gründe. Die Besitzer, nicht selten Immobilienfonds, wollen einen zu schnellen Wertverlust der Immobilien verhindern, denn werden Mieten zu schnell gekürzt, dann kommt es zu Wertberichtigungen – was sich sofort auf die Renditen der Anleger auswirkt. Lieber werde deshalb gewartet, als einen Billiganbieter rein zu lassen, sagt Fischer.

Ein positives Beispiel ist das ehemalige Breuninger-Haus am Europaplatz. Nach dem Auszug des Elektronikanbieters Saturn wird das Gebäude nun komplett umgebaut und einer anderen Nutzung zugeführt. Büroflächen, Einzelhandel und gastronomische Angebote sind vorgesehen. Saturn wiederum zog einige Meter weiter in Richtung Marktplatz, dorthin wo einst Woolworth und anschließend das Schuhgeschäft Humanic untergebracht waren. Massiv saniert wird auch das Moninger-Gebäude am Europaplatz, wo unter anderem ein Biergarten entstehen soll. Der geschlossenen Nordsee-Filiale in der Kaiserpassage wird ein anderes, gastronomisches Angebot folgen und auch beim bisherigen Laden der Marke s’Oliver, die komplett ins Ettlinger Tor umgezogen ist, sei die Nachnutzung bereits bekannt. Wandel sei letztlich auch eine Chance. „Es ist derzeit viel in Bewegung, Karlsruhe bleibt gefragt.“

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Winfried Heck

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Erstellt:
10. August 2021, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 47sec

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