Wanderschäfer will Schäden regulieren

Ötigheim (as/mak) – Sozusagen ein „schwarzes Schaf“ unter den Wanderschäfern beschäftigt seit rund drei Wochen Behörden und Landwirte im nördlichen Landkreis. Nun fand ein runder Tisch in Ötigheim statt, zu dem Bürgermeister Frank Kiefer geladen hatte. Neben dem betreffenden Schäfer nahmen zehn Geschädigte (darunter fünf Landwirte), Vertreter von Behörden und der Polizei teil.

Auch auf Nachbars Acker schmeckt es den Schafen von Klaus Karle bei Ötigheim.  Foto: Kühn

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Auch auf Nachbars Acker schmeckt es den Schafen von Klaus Karle bei Ötigheim. Foto: Kühn

Ötigheim – Der Austausch sei „sachlich und konstruktiv“ gewesen, bilanziert Bürgermeister Frank Kiefer. Der Schäfer sei grundsätzlich bereit, die entstandenen Schäden zu begleichen. Schwierigkeiten mit Schäfer Klaus Karle hat es in der Vergangenheit auch schon andernorts gegeben. Wie BT-Recherchen ergaben, hatte er vor Jahren einen Pachtvertrag mit der Stadt Ostfildern, deren städtische Wiesen zu beweiden. Nachdem es immer wieder Klagen und Beschwerden gegeben hatte, dass andere Grundstücke abgegrast wurden, Wege verschmutzt waren oder die Mahd nicht wie vereinbart ausgeführt wurde, kündigte die Stadt 2014 den Pachtvertrag vorzeitig, bestätigt die städtische Pressesprecherin.

Auch im Gemeinderat war das des Öfteren Thema, wie damals die Esslinger Kreiszeitung berichtete. Der Schäfer sei uneinsichtig gewesen und überfordert mit dem, was er tut, so der Eindruck einiger der damals beteiligten Akteure. Er selber hingegen habe sich als Opfer einer Kampagne gesehen. Fazit: Alle waren froh, als das Pachtverhältnis beendet war. In Ostfildern hat man von dem Schäfer, der nach BT-Informationen aus dem Karlsruher Raum stammt, nie wieder etwas gehört oder gesehen.

Strafanzeige in Waldprechtsweier

Keinen guten Eindruck hat Klaus Karle auch in Waldprechtsweier hinterlassen, wo er im April auftauchte und seine Schafherde ohne Erlaubnis des Eigentümers eine Wiese abgegrast hat. Eine entsprechende Strafanzeige liegt beim Polizeipräsidium Karlsruhe vor, wie ein Sprecher auf Anfrage bestätigt.

Ortsvorsteher Thomas Schick berichtet, dass sich sofort Ordnungsamt und Landratsamt Karlsruhe eingeschaltet haben. Die Tiere seien daraufhin zur nächsten Station nach Gaggenau-Oberweier gebracht worden. Dabei habe man dem Schäfer sogar noch geholfen. Über dessen Vorgehen wundert man sich auch im Malscher Rathaus: „Der Schäfer hatte sich nicht angemeldet, er hatte den Grundstückseigentümer nicht gefragt“, berichtet Schick. Die Konsequenz: In Malsch hat man gegen Klaus Karle ein Betretungsverbot verhängt.

Aus Oberweier sind keine Beschwerden bekannt, heißt es bei der Stadt Gaggenau. Dafür dann aus Ötigheim. „Er lässt seine Tiere über fremdes Eigentum ziehen und verhindert nicht, dass es Schäden gibt“, fasst Samuel Gesell vom Landwirtschaftsamt Rastatt die Vorwürfe zusammen. Den Eindruck vieler, die mit der Angelegenheit befasst waren, bringt der geschädigte Landwirt Christopher Kühn auf den Punkt: „Der ist mit den Schafen überfordert.“

Mittlerweile ist der Schäfer, der aus dem Telldorf in einer Nacht-und-Nebel-Aktion verschwand (das BT berichtete), in Au am Rhein aufgetaucht. Dort habe es bisher noch keine Beschwerden gegeben, sagt Gesell.

Gutachter prüft

Ackerflächen zweimal

Beim runden Tisch am Mittwoch hat Bürgermeister Kiefer den Schäfer unter anderem gefragt, warum er sich mit seinen rund 800 Tieren einfach so davongemacht hatte, nachdem man extra für ihn als Übergangslösung ein vier Hektar großes Areal zwischen B36 und der Tunnelbaustelle ausgesucht hatte. „Die vorgesehene Fläche sei für ihn nicht geeignet gewesen, meinte der Schäfer“, berichtet Kiefer im BT-Gespräch.

Ein unabhängiger Wildschadensgutachter, der meist mit Schäden zu tun hat, die von Wildschweinen verursacht werden, nahm am Mittwoch ebenfalls am Gespräch teil. Es wurde vereinbart, dass dieser die von der Schafherde verursachten Schäden genau dokumentiert. Ein zweites Mal wird der Gutachter im Herbst aktiv, wenn die Ernte ansteht, um den Schaden auf den Feldern noch genauer bestimmen zu können. „Sollte der Schäfer die Ergebnisse nicht anerkennen, dann wird ein zweiter Gutachter hinzugezogen“, so Kiefer.

Der Rathauschef betont, dass die Ötigheimer Landwirte nichts gegen Schäfer haben, im Gegenteil: „Es sind alle dankbar, dass es Schäfer gibt. Doch wenn es von Anfang an ein geordneter Prozess gewesen wäre, dann hätten wir keine Probleme gehabt.“ Normalerweise informiert ein Wiesenbesitzer lediglich das Veterinäramt, wenn er eine Fläche zum Beweiden an einen Schäfer verpachtet. Doch in Ötigheim soll es nun künftig anders laufen: Wenn jemand eine Wiese zum Beweiden verpachten will, dann werden darüber auch andere Landwirte, das Landwirtschaftsamt, das Veterinäramt und die Gemeindeverwaltung informiert. So könne man gemeinsam klären, ob die betreffende Fläche zur Schafherde passt und welche weiteren Wiesen eventuell noch beweidet werden können.

„Sehr froh“ ist der Ötigheimer Rathauschef in diesem Zusammenhang über den Feldhüter, den die Gemeinde 2017 auf 450-Euro-Basis angestellt hat: „Es hat sich bewährt, dass wir jemanden haben, der die Grundstücke auf unserer Gemarkung genau kennt, die zu 90 Prozent aus Wald und Flur besteht.“


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