Warnung vor einer linken Koalition

Landau (tt) – CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet kämpft in Landau um die Wählergunst – mit scharfen Tönen gegen die politische Konkurrenz.

Armin Laschet will für ein „bürgerliches, demokratisches Deutschland“ kämpfen. Foto: Oliver Dietze/dpa

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Armin Laschet will für ein „bürgerliches, demokratisches Deutschland“ kämpfen. Foto: Oliver Dietze/dpa

Armin Laschet schaut etwas irritiert drein, lächelt dann verlegen. Längst hat er am Mittwochnachmittag die CDU-Wahlkampfbühne auf dem Landauer Marktplatz erklommen. Doch das Bläsertrio vor der Bühne will nicht aufhören, „Glory, Glory Hallelujah“ zu schmettern, eine kleine Ewigkeit lang. Als die Bläser dann doch schweigen, mischt sich Applaus für den Kanzlerkandidaten der Union mit Buhrufen. Die Satire-Truppe „Die Partei“ hatte zum Protest aufgerufen. Insgesamt sind es ein paar Hundert Menschen, die wegen Laschet gekommen sind. Die rheinland-pfälzische CDU-Landeschefin Julia Klöckner, die Laschet begleitet, richtet strenge Worte an die Protestierer: Jeder sei willkommen, man könne unterschiedlicher Meinung sein. Aber man benehme sich „ordentlich und anständig“. Respekt gehöre dazu.

Klöckner warnt vor Radikalisierung

Dann schlägt sie den Bogen zum Mordfall in Idar-Oberstein, in ihrem Wahlkreis, und es wird mucksmäuschenstill auf dem Marktplatz, bei Anhängern wie Gegnern Laschets. „Hetze, Hass und Radikalisierung führen am Ende zu Taten“, warnt Klöckner, und das Publikum schweigt betreten. Laschet, schiebt Klöckner nach einem Moment des Innehaltens hinterher, sei der Richtige, weil er nicht polarisiere, nicht Menschen gegeneinander ausspiele, zuhöre. Dann Laschet, der sich den ersten Applaus mit der Erinnerung an den Wahlpfälzer Heiner Geißler abholt. Den er sich sogleich zum Vorbild nimmt: So wie Geißler selten ein Mann der leisen Töne war, so ist es auch Laschet gestern Nachmittag nicht. Seine Strategie heißt in dieser Wahlkampf-Endphase heißt nicht inhaltliche Tiefe, sie heißt Attacke. Die Warnung vor einem Schreckgespenst namens Rot-Grün-Rot dominiert seine Rede. In den Berliner Hinterzimmern werde ein solches Bündnis bereits vorbereitet, raunt er, und das sei nicht gut für Deutschland. Es bringe „Instabilität“ und „prekäre Verhältnisse“. „Eine schwere Zeit droht“, wenn eine solche Koalition regiere. Die Linke wolle raus aus der NATO, den Verfassungsschutz abschaffen, Polizei und Bundeswehr schlecht ausstatten, sie sei „anti-europäisch“, warnt er.

„Grüne Sprücheklopfer“

Doch auch die Grünen bekommen ihr Fett weg. Ihn störe deren „moralischer Tonfall“, sie wollten den Leuten vorschreiben, wie sie zu leben und zu reden hätten. Die Partei klopfe Sprüche und handele unverantwortlich. Als die Grünen noch in Nordrhein-Westfalen regierten, sagt der 60-jährige Aachener, hätten sie den Braunkohleabbau bis 2045 beschlossen. Dass der Hambacher Forst nicht abgeholzt werde, sei hingegen eine Entscheidung seiner NRW-Landesregierung gewesen, sagt er. Auch den Kohleausstieg 2038 verteidigt er gegen Kritik. Laschet findet, nur der Union gelinge es, Klima, Wirtschaft und die soziale Frage gemeinsam zu denken. Als in diesem Zusammenhang der Name Friedrich Merz fällt, reagieren Teile des Publikums mit Unmutsbekundungen. Laschet verleitet das zu einer scharfen Retourkutsche: Merz sei immerhin nicht gleich vom Hörsaal in den Plenarsaal gewechselt – „der hat noch gearbeitet“. Anders, so fügt er an, als mancher „sozialdemokratische Ideologe, der immer nur irgendwelchen Unsinn gemacht hat in seinem Leben“. Fazit Laschet: Nur die CDU könne den Spagat zwischen Klima und Wirtschaft, könne das Klima schützen und „BASF, Thyssenkrupp, die Autoindustrie im Land halten“.

Die AfD aus den Parlamenten halten

Doch nicht nur die politischen Gegner auf der Linken, sondern auch auf der Rechten knöpft er sich vor. „Wir müssen die AfD mit ihrem Hass und ihren Ressentiments rausbringen aus den Parlamenten“, ruft er und macht die Rechtspopulisten mitverantwortlich für die sprachliche Verrohung im Netz. Aus dieser, warnt er, folgten manchmal Taten, wie im Fall Walter Lübcke. „Es geht um eine Richtungsentscheidung“, schließt der CDU-Chef und ruft auf zum Kampf: „Für ein bürgerliches, demokratisches Deutschland.“


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