Warten auf Firma in Oos, „die was hermacht“

Baden-Baden (hez) – Für die künftige gewerbliche Nutzung des früheren Zollamtsgeländes in Oos gegenüber dem Bahnhof stellt die Stadt hohe Anforderungen. Die Post muss dann aus dem Gebäude ausziehen.

Ein Plakat am künftigen Gewerbegrundstück beim Bahnhof zeigt, wie sich die Stadt hier eine Bebauung vorstellt. Foto: Henning Zorn

© hez

Ein Plakat am künftigen Gewerbegrundstück beim Bahnhof zeigt, wie sich die Stadt hier eine Bebauung vorstellt. Foto: Henning Zorn

Eines der derzeit kostbarsten Gewerbegrundstücke, die die Kurstadt anbieten kann, liegt in bester Lage direkt gegenüber dem Bahnhofsgebäude in Oos. Interessenten gibt es viele, doch den hohen Anforderungen der kommunalen Tochtergesellschaft „Gewerbeentwicklung Baden-Baden“ (GEBB) hat bislang kein Bewerber genügt.

So sehr aufregend sieht das Grundstück eigentlich nicht aus. Dort steht noch das barackenartige frühere Zollamtsgebäude, in dem zurzeit die Ooser Filiale der Post untergebracht ist. Doch sobald die Stadt einen akzeptablen Nutzer für das Areal gefunden hat, wird das alte Zollhaus hier verschwinden.

Gewerbliche Nutzung mit Dienstleistungsflächen und Büros angestrebt

Stattdessen soll nach den Vorstellungen der GEBB ein drei- bis vierstöckiges Büro- und Dienstleistungscenter mit einer Geschossfläche von 3.440 Quadratmetern entstehen. Geworben wird dafür auf einem großen Plakat an dem Grundstück mit dem Motto „Mit einem Schritt vom Bahnhof ins Büro“. In der Projektbeschreibung der GEBB heißt es: „Im Kellergeschoss werden die Parkplätze und Technik- und Lagerräume untergebracht. In den städtebaulich und architektonisch anspruchsvollen Gebäuden wird aufgrund der zentralen und vorteilhaften Lage eine hauptsächlich gewerbliche Nutzung mit Handels- und Dienstleistungsflächen sowie Büros angestrebt, wobei auch größere zusammenhängende Flächen realisierbar sind. Besonders eignet sich der Standort für regional und überregional bedeutsame Firmen.“

„Der Richtige“ noch nicht dabei

An Nachfragen von interessierten Bewerbern habe es bislang nicht gefehlt, berichtet Alexander Wieland, Geschäftsführer der Gewerbeentwicklung, im BT-Gespräch, doch „der Richtige“ sei noch nicht dabei gewesen. Man wolle hier jemanden haben, der Arbeitsplätze schafft und auch genügend Gewerbesteuer bezahlt.

„Diese einmalige Lage ist geeignet für eine Firma, die was hermacht“, unterstreicht Wieland. Keinesfalls wolle man das Filet-Grundstück einem Projektentwickler geben, der dann selbst hier was realisieren will. Vielmehr hätte man am liebsten hier eine Firma, die das Grundstück und die darauf entstehenden Gebäude für sich selbst braucht.

Dabei wird auch eine zeitnahe Umsetzung des Projekts durch eine Bau- und Nutzungsverpflichtung angestrebt. „Wir wollen hier nicht nur verkaufen, sondern das wertvolle Gelände nachhaltig entwickeln“, unterstreicht der GEBB-Geschäftsführer.

Vorerst kann die Post das alte Zollamtsgebäude noch weiter als Filiale nutzen, doch der Mietvertrag ist bislang bis zum Spätsommer befristet. Foto: Henning Zorn

© hez

Vorerst kann die Post das alte Zollamtsgebäude noch weiter als Filiale nutzen, doch der Mietvertrag ist bislang bis zum Spätsommer befristet. Foto: Henning Zorn

Und was wird aus der Postfiliale im alten Zollgebäude? Die Stadt möchte, dass sich die Post nach einer anderen Bleibe in Oos umschaut, wobei man schon will, dass es auch weiterhin eine Filiale in dem Stadtteil gibt.

Aber die Verwaltung hat – wie beschrieben – andere Pläne mit dem Areal am Bahnhof. Daher wurde der Mietvertrag mit der Post auch zunächst einmal nur auf ein Jahr bis zum Spätsommer befristet. Danach kann er verlängert, aber auch relativ kurzfristig gekündigt werden.

Da momentan noch kein Nutzer für das alte Zoll-Areal bereitsteht, geht Alexander Wieland davon aus, dass die Post das alte Gebäude noch eine Weile nutzen kann. Auch wenn ein Investor gefunden ist, dauere es ja noch, „bis das Verfahren durch ist“. Ob die Post schon ein anderes Domizil für die Ooser Filiale im Auge hat, weiß Wieland nicht: „Wir haben in dieser Angelegenheit bislang keine Rückmeldung bekommen.“

Nicht das schnelle Geld

BT-Redakteur Henning Zorn kommentiert: „Dass man bei der städtischen Tochtergesellschaft, der „Gewerbeentwicklung Baden-Baden“ (GEBB), bei der Vergabe von Filet-Grundstücken in bester Lage nicht das „schnelle Geld“ sucht, sondern klare Ziele definiert und sich die Interessenten genau anguckt, ist sicherlich der richtige Weg. Mit diesem vorsichtigen Verfahren ist die GEBB auch angesichts der begrenzten Verfügbarkeit von Gewerbearealen schon in der Cité und in Oos-West ganz gut gefahren. Und wenn die Kontrolle über ein Grundstück zu früh aus der Hand gegeben wird, etwa durch Verkauf an einen Projektentwickler, dann könnte es zu Nutzungen kommen, die man vielleicht nicht so sehr haben will. Hat die Stadt keinen direkten Zugriff auf ein Grundstück, dann sind unerwünschte Entwicklungen möglich wie zum Beispiel die geplante Amazon-Niederlassung in Haueneberstein. Bedenken muss man allerdings auch, dass die erhofften hochkarätigen Unternehmen vor den besonders wertvollen Grundstücken nicht unbedingt Schlange stehen. Da ist ein langer Atem erforderlich. Dies zeigte sich jüngst in der Cité, wo schon vor zwei Jahren der Sender Arte Deutschland auf einem von der GEBB für besondere Zwecke zurückgehaltenen Edel-Areal am Kreisel seinen Unternehmenssitz errichten wollte. Doch das Vorhaben war dann wohl doch etwas zu ambitioniert. Nun plant Arte ein deutlich reduziertes Neubauprojekt – auf einem erheblich kleineren Grundstück an der Allee Cité. Sollte sich in Oos die Vermarktung des Grundstücks beim Bahnhof noch weiter hinziehen, dann wäre wohl die Bevölkerung nicht ganz unglücklich. Denn so hätte man noch länger eine Post-Filiale, die auf dem Gelände im alten Zollamt untergebracht ist. Ob die Post nämlich intensiv und erfolgreich nach einem anderen Standort für die Ooser Filiale sucht, muss man doch mit einigen Fragezeichen versehen.“

Zum Artikel

Erstellt:
15. Juni 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 23sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.