Warum Drohnenflüge für Störche zur Gefahr werden

Baden-Baden (BNN) – Drohnen in der Nähe von Storchenhorsten gefährden die Tiere. Warum ist das so? Und machen sich die Drohnenpiloten strafbar?

Sie sind wieder da: Das Storchenpaar hat erneut auf der großen Platane auf dem Bühler Kirchplatz sein Quartier bezogen. Im vergangenen Sommer hatte ein fremder Storch ihre Küken getötet. Foto: Wilfried Lienhard/BNN

Sie sind wieder da: Das Storchenpaar hat erneut auf der großen Platane auf dem Bühler Kirchplatz sein Quartier bezogen. Im vergangenen Sommer hatte ein fremder Storch ihre Küken getötet. Foto: Wilfried Lienhard/BNN

Ein Foto in einer Bühler Facebook-Gruppe löst im vergangenen Jahr Empörung aus. Auf dem Bild, aufgenommen aus luftiger Höhe von einer Drohne, ist ein Storchennest von oben zu sehen – mitsamt schwarz-weiß gefiedertem Vogel. Nach viel Kritik verschwindet das Foto wieder aus dem Netz. Wenig später seien die Jungstörche tot aus dem Horst am Bühler Kirchplatz geborgen worden, erinnert sich Stefan Eisenbarth, offizieller Storchenbeauftragter für die Region zwischen Bühl und Karlsruhe. Fremde Störche hätten die Jungen totgehackt. Dass der Angriff mit der Drohne zusammenhänge, sei nicht auszuschließen, sagt Eisenbarth. „Es gibt immer wieder Probleme mit Drohnen an besetzten Storchenhorsten.“ Welche Probleme das sind und welche Folgen sie für die Tiere haben.

Warum sind Drohnenflüge in der Nähe von Storchenhorsten ein Problem?
Die Drohnen seien eine „potenzielle Störquelle“ für die Tiere während der Brut- und Aufzuchtzeit, teilt das Umweltministerium in Stuttgart mit. „Wenn sich eine Drohne dem Horst nähert, bekommen die Altstörche Angst und verlassen den Horst“, bestätigt der Storchenbeauftragte Stefan Eisenbarth. Die Folge: Das Gehege kühle aus, es schlüpften keine Jungen mehr. Seien die Jungen schon geschlüpft, wenn die Altstörche den Horst verließen, sinke ihre Chance zu überleben. Einige würden verenden, andere ohne den Schutz ihrer Eltern von fremden Störchen getötet. Bei den Angreifern handele es sich laut Eisenbarth vermutlich um „halbstarke Junggesellentrupps“, die den Aufstand probten.

Gefährden die Drohnen die Storchenpopulation in Baden-Württemberg?
Nein. Zwar habe es vereinzelt bereits Fälle gegeben. Eine reelle Gefahr für die Population der Weißstörche stellten die Drohnenflüge bisher aber nicht dar, wie das Umweltministerium mitteilte.

In luftiger Höhe sollte es eigentlich sicher sein, doch Drohnenpiloten halten nicht immer den erforderlichen Abstand. Foto: Jörg Seiler/BNN

In luftiger Höhe sollte es eigentlich sicher sein, doch Drohnenpiloten halten nicht immer den erforderlichen Abstand. Foto: Jörg Seiler/BNN

Sind Drohnenflüge über Storchenhorste illegal?
Zum Teil. Nach Bundesnaturschutzgesetz sind Störungen unter anderem während der Fortpflanzungs- und Aufzuchtzeit der Tiere verboten. Darunter fallen auch Drohnenflüge. Aber nicht jede Drohne führe automatisch zu einer Störung der Tiere, erklärt eine Sprecherin des Umweltministeriums. Ob ein Drohnenflug problematisch ist, hänge unter anderem davon ab, wie groß und laut die Drohne ist, wie hoch sie über dem Nest kreist und wie lang der Überflug dauert. „Ein einmaliger Überflug in hundert Metern Höhe ohne Annäherung an den Horst von oben mit einer handelsüblichen Freizeit-Drohne dürfte unproblematisch sein“, sagt die Sprecherin.

Welche Konsequenzen haben die Drohnenpiloten zu befürchten?
Illegale Drohnenflüge über Storchenhorste können nach Angaben des Umweltministeriums sowohl eine Ordnungswidrigkeit als auch eine Straftat darstellen. Dabei rangiere das Strafmaß von einer Geldstrafe bis zu theoretisch zehn Jahren Freiheitsstrafe in besonders schweren Fällen.

Wie ist es um die Störche in Baden-Württemberg bestellt?
Gut. Die Population sei in den vergangenen Jahren gewachsen, sagt der Storchenbeauftragte Eisenbarth. 2020 gab es 1495 Brutpaare und 2488 Jungstörche. Zum Vergleich: 2019 waren es 1334 Brutpaare und 2155 Junge.

Wie ist die Lage momentan?
Die Störche sind mittlerweile aus ihren Winterquartieren im Süden zurückgekehrt in unsere Gefilde. Die Brutzeit habe laut Eisenbarth begonnen, die ersten Jungtiere seien bereits geschlüpft – zum Beispiel in Au am Rhein. „Jetzt geht es Schlag auf Schlag“, sagt Eisenbarth. Wie viele Tiere überleben, hänge vor allem von der Witterung in den nächsten Wochen ab. Bei nassem Wetter und Temperaturen unter zehn Grad Celsius können die Jungstörche unterkühlen und sterben.

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Ihr Autor

BNN-Volontärin Marie Orphal

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Erstellt:
3. Mai 2022, 07:40 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 49sec

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